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Underdressed am Florida Derby-Tag

April 7, 2011 by  

Impressionen Florida Derby Tag by K.L.Fabris/ragazin.comK.L.Fabris – Mein Florida-Derby-Tag begann zunächst im VIP-Bereich, wo ich hoffte mit einigen Besitzern ins Gespräch zu kommen, doch konnte ich mich da nicht recht wohl fühlen, denn ich war total underdressed, trotz nagelneuer 501, Nike-Hightech-Sneakern und originalen U2-Joshua-Tree-t-shirt, für das man auf der Straße in Downtowm Miami schon mal abgestochen wird. Hielt mich also entsprechend zurück und spielte das Mäuschen, doch mit den Gesprächen konnte ich nicht viel anfangen, denn es ging nie um Pferde, nur um Familie, Geschäfte „der Artikel über Euch im Forbes war fantastisch“ oder „lass uns doch mal zum Golf treffen, da können wir über den Zulieferungsvertrag sprechen“, doch kam mal was wie „gewinnt Deiner heute das Derby?“ wurde der Frage prompt abgewürgt: „Frag meinen Trainer, den bezahle ich dafür.“ Seltsam es wurde geratscht, gekichert, geschlemmt, aber kaum jemand blickte ins Programm um mal eine Wette zu tätigen.

Eigentlich langweilig hier, deshalb will ich mir mal die privaten Suites anschauen, die noch exklusiver mit eigenem Balkon zur Bahn ausgestattet sind, da ich sonst dort niemand kenne, lande ich bei XpressBet, den offiziellen Wettvermarkter im Internet der meisten US-Bahnen, hier erhalte ich den Tippzettel eines renommierten US-Handicappers, der mich unruhig macht, da er Dialed in vor dem von mir getippten Soldat setzt und ich diesen weit nach hinten setzte, da für mich der Sieg im „Holy Bull“ eine „Eintagsfliege“ war, alle hatten sich die Köpfe weg gerannt und er musste sie nur noch einsammeln. Mal sehen wer recht hat. Vom Balkon konnte ich das achte und neunte Rennen gut fotografieren, hatte ja mein längstes Rohr dabei.

Pferd muss mal by K.L.Fabris/ragazin.comNun runter, ich muss das Derby vom Winner-Circle aus fotografieren, für die hundert Meter brauchte ich eine viertel Stunde, denn die eine wollten hinaus, die anderen herein, das war früher leichter, als es noch 300 Dollar kostete, wenn man nur in die Nähe der Bahn kommen wollte, dank Casino blieb auch heute der Eintritt frei, aber durch das Gedränge hat man wenigsten sofort das Gefühl, es ist ein Großereignis. Kaum bin ich im Winner-Circle angekommen, aufbrausender Beifall gemischt mit Geschrei, die Teilnehmer kamen aufs Feld, wow, so was habe ich in Deutschland noch nie gehört. Die Begleitreiter führen die Pferde ungefähr 200 Meter hinter die Maschine und kommen dann ebenso gemächlich zurück – kein Aufgalopp, alles gut getimed, zur Startzeit sind sie da und beginnen mit dem Einrücken, das meist ohne jedes Problem abläuft, habe schon Zwölferfelder innerhalb von 1 Minute einrücken sehen – peinlich nur, wenn das Pferd des Hauptstarters mal gerade muss.

Tja, dann war‘s nichts mit dem Blitzstart von Soldat vielmehr übernahm der krasseste Aussenseiter Shakleford das Kommando, dieser lief zuletzt 23 Längen hinter Soldat ein, also kein Grund zur Aufregung, To Honor and Serve und Flashpoint saßen ihm ja schon im Nacken, dahinter lag Soldat und Dialed In war wie erwartet Schlusslicht, doch nur von ihm kam letztlich eine Aktion, im Schlussbogen begann er mit dem Angriff und hatte Mitte der Zielgeraden zum immer noch führenden Shakleford aufgeschlossen und kämpfte diesen bis zur Linie nieder. Die restlichen Teilnehmer folgten gut sieben Längen zurück praktisch in der Reihenfolge, wie sie sich nach dem Start arrangiert hatten. Das wird eine interessante Rennanalyse, brauche dazu noch die Zwischenzeiten, bekomme ich ja in der Aufregung nicht mit, jedenfalls war es schnell, das kann ich jetzt schon sagen.

dialed-in by K.L.Fabris/ragazin.comDer Sieg im „Holy-Bull“ war also kein Zufall und Besitzer bzw. Trainer haben alles richtig gemacht, als sie sagten , dass sie dem Pferd zunächst nochmals eine leichtere Aufgabe geben, denn zuvor hatte er ja nur das Maiden-Rennen gewonnen, ich gestehe, da lag ich völlig falsch und das noch Shakleford fast gewonnen hätte gibt mir den Rest, ich habe sogar das Zielfoto versaut, da ich 30 Meter vor der Linie stand um nicht im Tribünenhausschatten die Aufnahme zu machen, deshalb ist der „Longshot“ und beinahe „Upsetter“ noch vorne.

Nach Hause brauchte ich dann eine Stunde länger als sonst, die Straßen waren blockiert wie nach einem Champions-League-Spiel oder nach einem Formel 1- Rennen – ist das nicht cool?

Edit: Gerade erhalte ich den Umsatz per E-mail und ich kann’s kaum glauben, ein Plus von 29% im Vergleich zum letzten Jahr fürs Wochenende, der Samstag mit den Oaks brachte $13,9 Mio, der Derby-Sonntag $19.7 Mio, die Besucherzahl am Sonntag war 14.521, möchte wissen wer das bei freien Eintritt so genau zählen konnte.

Foto: K.L.Fabris/ragazin.com

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