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turfkopf – 153. Diana: Dancing Rain allein auf weiter Flur

August 8, 2011 by  

Hemke Label Preis der Diana 2011 © turfstock.com/BaloghAutsch. Das tat weh. Die Klatsch kam zwar nach Ansage, fiel aber deutlicher aus als erwartet (oder zumindest erhofft): Die von William Haggas in Newmarket trainierte Dancing Rain unter dem Iren Kieren Fallon ließ den heimischen Stuten im 153. Preis der Diana (Gr.1, 2200 m, 400.000€) auf der Rennbahn am Düsseldorfer Grafenberg keine Chance. Aus einer äußeren, der 12. Box, gestartet, sprintete die Siegerin des englischen Pendants, der Anfang Juni gelaufenen Epsom Oaks (vgl. Turfkopf v. 04.06.), an die Spitze. Mitte der Gegenseite hatte sie schon gut zwei Längen Vorsprung und ließ nichts mehr anbrennen. Die Attacke der deutschen Topstute Djumama erfolgte erst auf den letzten dreihundert Metern und damit viel zu spät, um die für 40.000 € zu Beginn der Woche nachgenannte Engländerin noch zu stellen.

Lediglich auf drei Längen kam die deutsche Winterkönigin 2010 noch heran, in Verlegenheit hätte sie Dancing Rain wohl auch auf weiterer Strecke nicht gebracht. Kieren Fallon hatte ihr den Weg allzu perfekt eingeteilt. Der irische Starjockey hatte sich den Ritt seines genialischen Landsmanns Johnny Murtagh auf den Epsom Downs verdammt gut angeschaut und agierte nach dem gleichen Erfolgsrezept: Mit frühem Antritt schnell an die Spitze gehen, dem Feld ein nicht zu schnelles Tempo diktieren, frühzeitig die Pace anziehen und den eigenen Strich durchziehen.

In den irischen Oaks, in denen Dancing Rain – ebenfalls unter Murtagh – am 17.07. Fünfte hinter Godolphins Blue Bunting wurde, war das Rezept nicht aufgegangen. Die Pacemaker des irischen Startrainers Aidan O´Brien hatten Dancing Rain vorne früh unter Druck gesetzt und eine höllische Fahrt vorgegeben, so dass die Danehill Dancer-Tochter zu Beginn der langen Zielgeraden auf dem Curragh nicht mehr in der Lage war, den Turbo anzuwerfen. Unter den deutschen Jockeys schien von dieser Taktik keiner Notiz genommen zu haben. Oder fühlte sich einfach keiner dazu berufen im Sinne, diesen Part zu übernehmen? Immerhin war der Kölner Asterblüte-Stall von Peter Schiergen gleich mit vier Stuten im Rennen vertreten.

Am mutigsten ritt Terry Hellier, der Siegreiter von Gestüt Röttgens Enora im vergangenen Jahr. Man konnte den Eindruck haben, dass er die Lunte gerochen hatte. Er ging am energischsten in der Verfolgung von Dancing Rain zu Werke und versuchte, den Kontakt zur Spitze zu halten. Allein seine Stute Night of Dubai, Halbschwester der brillianten Diana-Siegerin von 2009 Night Magic, hatte nicht die Kraft, diesen taktisch erwähnenswerten Ritt wirklich umzusetzen. Ihr blieb auf der Zielgeraden die Puste weg. Das Paar wurde für diesen offensiven Ritt immerhin noch mit dem fünften Platz und damit dem letzten Platzgeld belohnt.

Hinter Djumama folgten weiteren zweieinhalb Längen zurück die beiden von Peter Schiergen trainierten Stuten aus dem Gestüt Ammerland: Aigrette Garzette unter dem italienischen Starjockey Mirco Demuro blieb einen kurzen Kopf vor der von Stalljockey Andrasch Starke bevorzugten italienischen Gr. 3-Siegerin Navarra Queen. Einzige Überraschung unter den ersten vier Pferden war Aigrette Garzette, die in der Badener Winterkönigin bereits einmal Zweite zu Djumama war, dieses Jahr aber trotz angeblich hervorragender Trainingsleistungen noch nicht richtig Tritt gefasst hatte. Mirco Demuro gelang es nun, die Peintre Celebre-Tochter wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen.

Auf Rang sechs, weitere drei Längen hinter Night of Dubai folgte die von Derbysiegtrainer Andreas Wöhler trainierte Dubawi-Tochter Kapitale aus dem Gestüt Karlshof. Die ebenfalls nachgenannte französische Gaststute Karsabruni aus dem Stall von Henri –Alex Pantall kam als Elfte ein. Die mitfavorisierte Berliner Gr.2-Diana-Trial-Siegerin Selkis unter Adrie de Vries aus dem Gestüt Schlenderhan hatte ähnliches Klassiker-Pech wie ihre gleich fünf Trainingsgefährten im Hamburger Deutschen Derby. Sie tat sich schon in der Kurve zur Zielgeraden schwer und kam wegen Nasenblutens nur als Letzte im Ziel ein.

Was bleibt zu resümieren? Selten war ein Diana-Einlauf so vorhersehbar. Noch nie aber hatte auch eine frische Epsom Oaks-Siegerin den Vergleich mit den deutschen Stuten aufgenommen. Djumama hat einmal mehr ihre Sonderstellung unter den deutschen Stuten neben der nicht in Düsseldorf aufgebotenen, aktuellen Berliner Gr.1-Siegerin Danedream bestätigt. Wahrscheinlich hätte es nur diese Schiergen-Stute wirklich mit Dancing Rain aufnehmen können. Schade ist allein, dass dennoch irgendwie der Eindruck bleibt, als hätte das gesamte deutsche Feld quasi schon vor dem Start in Ehrfurcht kapituliert gehabt. So als wäre Dancing Rain ein unschlagbarer Frankel und ihre deutliche Niederlage in den Irish Oaks hätte es nie gegeben.

© Foto: turfstock.com, München

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