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turfkopf – Einfach nur zugreifen!

Juli 25, 2010 by  

Symbolbild Lady Jane Digby. © turfstock.comRolf C. Hemke – Es sind nicht gerade glückliche Tage für den deutschen Galoppsport. Drei deutsche Gruppe 1-Rennen hat diese Saison gesehen und alle drei gingen ins Ausland. Neben dem Deutschlandpreis gingen mit dem Derby und dem Kölner Gr.2-Mehl-Mühlens-Rennen beide Hengsteklassiker an Godolphin. Der Münchner Dallmayr-Preis nun ging mit der von Mark Johnston trainierten Lady Jane Digby (Foto) an eine als Siegerin des Bremer Gr. 3-Walter J. Jacobs-Stutenpreis hierzulande nicht unbekannte englische Stute. Auch wenn diese zuletzt mit einem dritten Platz in den Gr.2 – Lancashire Oaks in Haydock gegenüber ihrem zweiten Platz in einem Listenrennen in Newcastle deutlich gesteigerte Form aufwies, so kommt dieser Gruppe 1-Erfolg doch sehr überraschend.

Hinzu kommt, dass mit dem Godolphin-Hengst Alexandros, ein gutes, aber ebenfalls nicht erstklassiges Pferd Dritter wurde. Seine letzte Form als Zweiter hinter Bushman in den Gr. 3-Investec Diomed Stakes nach einem durchwachsenen Dubai Racing-Carnival machten ihn unter Frankie Dettori sogar zum 29:10-Totofavoriten. Das Vertrauen der Wetter in die deutschen Pferde war nach dem zweiten Platz von 20:10-Totofavorit-Wiener Walzer hinter dem – von seinen Vorformen her aber wesentlich höher einzuschätzenden – Godolphin-Hengst Campanologist vom vergangenen Wochenende angeschlagen. Nach diesem Wochenende ist es wahrscheinlich verschwunden.

Nur die Lokalmatadorin Night Magic, Diana-Siegerin und Galopperin des Jahres 2009, vermochte sich als Zweite zwischen die englischen Gäste im Dallmayr-Preis zu schieben. Wo war Querari, der von Andreas Wöhler trainierte, in Rom so großartig auf Gruppe 1-Ebene siegreiche Hengst? Selbst wenn man seine römische Form vom 16. Mai vor den beiden späteren Gruppe 1-Siegern Jakkalberry (schlug Getaway im Gr 1-Gran Premio di Milano am 13.6. ) und Campanologist als Frühform oder gar als „Ausrutscher“ bewertet, so kann diese Leistung nicht stimmen. Ein Infekt? Diesbezüglich kann man nur spekulieren.

Auffällig bleibt, dass derzeit nur eine kleine Handvoll deutscher Galopper anscheinend die Konstanz und das Format haben, englischen Gruppe 2-Siegern Paroli zu bieten. Neben Night Magic und Zazou (gegenüber Buzzword im Derby) scheint dies immer noch der alte Fährhofer Haudegen Quijano zu sein. Auf internationalem Gr. 1-Parkett hat sich – neben Querari – in dieser Saison allerdings einzig der Derbysieger des Vorjahres, Wiener Walzer, mit sehr respektablen Platzierungen in Paris und Royal Ascot hervorgetan. Da muss man sich über die ebenfalls vom 25.07. stammende Gr. 2-Platzierung des nicht für das Derby nachgenannten Wöhler-Schützlings Hollywood Kiss unter Maxim Guyon in Maisons-Laffitte hinter dem von Royer-Dupré trainierten Mitfavoriten Shimraan und dem russischen Überraschungs-Zweiten Shamalgaan schon mehr als freuen.

Der nächste große Gr.1-Klassiker steht mit dem Preis der Diana, dem deutschen Stutenderby in Düsseldorf nächste Woche bevor. Die von Peter Schiergen trainierte und Andrasch Starke gerittene Elle Shadow wird eine der Favoritinnen sein, die von Andreas Wöhler trainierte Waldjagd unter Champion Eduardo Pedroza wird ihre Anhänger finden und die – ebenfalls von Wöhler trainierte – mit Gruppe 3-Empfehlung aus Mailand zurückgekehrte Tech Exceed unter Alexander Pietsch. Doch schaut man sich die Nennungsliste an, zuckt man zusammen: Mit Gile Na Greine, zuletzt Sechste hinter Music Show in den Gr. 1-Falmouth Stakes in Newmarket und Zweite hinter Lillie Langtry in den Gr.1-Coronation Stakes in Royal Ascot , hat eine veritable irische Gruppe 1-Stute eine Nennung in Düsseldorf. Auch wenn ihre letzten Rennen alle über die Meile gingen, wäre sie – sollte sie tatsächlich antreten – in dem Düsseldorfer Rennen über 2200 m ein harten Prüfstein für die deutschen Stuten.

In der letzten Diana-Vorprüfung, der Gr. 3 – H.H.Sheikh Hamdan bin Rashid Al Maktoum-Trophy (Hamburger Stutenpreis) , hatten Elle Shadow, Waldjagd und Co. gegen einen anderen englischen Gast, die 137:10-Außenseiterin Miss Starlight, die ohne besondere Referenzen nach Hamburg gekommen war, mit einer Länge das nachsehen. Drei weitere französische Stuten, teils aus der deutschen Zucht, sind für die Diana noch startberechtigt. Mit welchen Nachnennungen zu rechnen ist (evtl. Miss Starlight), ist derzeit nicht recht abzusehen. Mit 400.000 € ist die Diana immerhin das zweithöchst dotierte deutsche Rennen. Da ist die Nachnennungsgebühr von € 40.000 doch Peanuts. Ausländische Trainer zugegriffen! Es starten zwar ein paar deutsche Stuten. Aber mit ernsthafter Gegenwehr ist nach derzeitigem Stand nicht zu rechnen.

© Foto: turfstock.com, München

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