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Turfcast fragt im Dutzend – Sebastian J. Weiss

November 7, 2008 by  

turfcast.de – Er ist ein Internetpionier und 29 Jahre jung, Sebastian J. Weiss. Gründer von GaloppOnline.de, Stallions-Online.de und RaceBets.com. Weiss studierte in Dublin Internationale Betriebswirtschaft und besetzt leitende Positionen im Deutschen Sportverlag und in der Geschäftsführung von RaceBets.com. Er engagiert sich auch als Besitzer und Züchter von Rennpferden. Der erste Sieger von Trainer Peter Schiergen auf der Hindernisbahn war sein Pferd Carrera. Mit den Pferden A Million Dollars und Dragon Days stellt sein Rennstall Shatoria Stables, den er mit Paul von Schubert unterhält, aktuell zwei Pferde mit einem GAG von 86 kg. Lesen Sie nun was Sebastian J. Weiss als vielseitig und privat dem Rennsport verbundener Mann auf das Dutzend Fragen von turfcast.de geantwortet hat.

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1. Wie in unserem Telefonat bereits besprochen, liegen uns Informationen vor, dass der Internet Wettanbieter RaceBets.com zum Verkauf steht. Was können Sie als Gründer und Geschäftsführer dazu sagen?
Die Informationen stimmen nicht. Die Firma steht nicht zum Verkauf.

2. Aus den Investitionen des Joint Venture der DVR Wirtschaftsdienste und Beteiligungs GmbH und der German Racingbeteiligungs GmbH soll auch ein Internetwettportal entstehen. Werden die Macher von RaceBets.com mit Rat und Tat zur Seite stehen?
Wenn wir gefragt werden und der Rennsport Hilfe bei der Entwicklung einer Internetplattform brauchen sollte, werden wir natürlich unterstützend zur Seite stehen. Man darf nicht vergessen, dass die Ursprungsidee war, RaceBets.com aufzubauen und es irgendwann in den Rennsport zu integrieren, wenn dieser die entsprechenden Strukturen dafür mitbringt. Leider war die Umsetzung solch neuer Strukturen so zeitaufwendig, dass RaceBets.com mittlerweile eine Größe erreicht hat, die das Eingliedern in den Rennsport schwierig gestalten würde.

3. RaceBets.com wirbt mit dem Slogan „RaceBets.com – Deutschlands Nummer 1 im Netz!“. Können Sie das bitte konkretisieren.
Das Angebot ist in Deutschland einzigartig. Am besten fragen Sie aber die Wetter und Aktiven des Rennsports, warum und was sie an RaceBets.com so mögen.

4. Was sind die Pläne für RaceBets.com für die Zukunft?
So weitermachen, wie wir begonnen haben. Es gilt, das Produkt ständig kundenorientiert zu verbessern und dem Wetter immer wieder neue Produkte anzubieten. Dabei bleibt insbesondere bei unserem deutschen Angebot eine enge und vor allem faire Zusammenarbeit mit dem deutschen Rennsport im Vordergrund. Mit einem Außenwettanteil von knapp 20% sind wir schon jetzt innerhalb kürzester Zeit einer der wichtigsten Partner des Rennsports geworden.

5. Kennen Sie ein Rezept um die kontinuierlich fallenden Umsatzeinbrüche auf dem Wettmarkt zu stoppen?
Attraktive Wettangebote mit attraktiven Quoten. Und das in einer schicken Verpackung. Wahrscheinlich funktioniert die Sache nur dann, wenn sich alle Buchmacher am Tag X einen Ruck geben und nur noch Totowetten auf deutsche Rennen möglich sind. Das muss natürlich zu attraktiveren Vermittlungskonditionen für die Buchmacher geschehen und auch das Angebot und die Qualität dessen muss von Rennsportseite deutlich verbessert werden. Das England-, Frankreich-, USA-Geschäft, um nur einige zu nennen, bliebe den Buchmachern uneingeschränkt. Vielleicht bleibt da aber der Wunsch der Vater des Gedanken.

6. Die Lage im deutschen Rennsport ist ernst. Der Renn-Klub Frankfurt am Main meldet Insolvenz an. Die Rennvereine müssen mit seit Jahren gravierende Umsatzeinbußen verkraften. Deutschlandweit stehen 2624 aktive Galopper -Stand: 16.10.08, Quelle: DVR- im Training. Die Aktiven sprechen von einer Untergangsstimmung. Immer mehr Renntag fallen aus. Sehen Sie einen Hoffnungsschimmer am Horizont?
Das Phänomen Schweinezyklus lässt auch den Rennsport nicht aus. Aber der Sport wird wieder hochkommen. Von so weit unten dauert es aber nun einmal länger. Das Produkt stimmt, funktioniert in vielen anderen Märkten weltweit. Was wir verkaufen, muss etwas modifiziert werden und vor allem drüber nachgedacht werden, wie wir es verkaufen. Der Rennsport hat die Chance, sich von Grund auf zu erneuern. Da die Produkte Pferderennen und Wetten absolut erstklassig sind, wird es bald wieder erfolgreiche Zeiten geben. Der Weg ist hart, aber keinesfalls unmöglich.

7. Die Strukturreform ist beschlossene Sache und mit RaceO + Partner ist auch der Investor bekannt. Welche Erwartungen haben Sie an die Führungskräfte der Strukturreform?
Dass ein klares Ziel ausgegeben und kommuniziert wird und im Jahresabstand Verbesserung überprüft wird. Unterjährig sollte man den Verantwortlichen das entsprechende Vertrauen entgegenbringen und diese in Ruhe arbeiten lassen. Nur genau so konnte sich auch RaceBets.com entwickeln. Unterjährige Störfeuer helfen da keinem.

8. Wo wetten Sie bevorzugt? Auf der Rennbahn vor Ort oder im Internet?
Wenn ich auf der Rennbahn bin, auf dieser. Sonst im Internet. Ich wette dabei, von Festkurs- und Langzeit-Wetten abgesehen, bei deutschen Rennen ausschließlich in den Totalisator.

9. Was würden Sie machen wenn es in Deutschland keine Galopprennen mehr gäbe?


Das wird nicht passieren. Das Produkt ist zu gut.

10. In Deutschland herrscht im Rennsport ein Fachkräftemangel und die Rennställe stehen im direkten Wettbewerb für qualifiziertes Personal. Der Arbeitsalltag eines Pferdewirts ist schwer und die Entlohnung oftmals gering. Wenige der Nachwuchskräfte schaffen den dauerhaften Sprung in die Jockeyelite. Der Ausbildungsberuf Pferdewirt/in Rennreiten spielt daher bei der Berufswahl der Jugendlichen kaum noch eine Rolle. Was muss passieren, um dieses Berufsbild wieder attraktiv auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren?
Auch das geht mit der generellen Verbesserung des Rennsports einher. Wenn eine Branche rapide schrumpft, merken das auch alle aktiven Teilnehmer. Wenn die Branche wieder im Aufwind ist, das Rennpreisniveau und die Anzahl der Rennen wieder steigt, dann werden auch wieder mehr Mitarbeiter benötigt. Dann werden die Verantwortlichen kreativ gute Mitarbeiter ausbilden. Man kann die Gesetzgebung eines Marktes nicht außer Kraft setzen, indem man statisch an Besitzständen festhält. Es müssen attraktive Elemente eingesetzt werden, die die Berufe fördern, die das Umfeld positiv machen. Es muss einfach „in“ sein im Rennsport zu arbeiten, der Rennsport muss wieder eine attraktive Marke sein, man muss genug Geld verdienen. Dann kann man wieder seine Leidenschaft zum Beruf machen.

11. Wie sind Sie in den Rennsport gekommen?

Auf die Rennbahn gegangen und beim Wetten stets verloren. Dann einen stark überteuerten Anteil an einem Pferd gekauft, das nur hinterher gelaufen ist. Dennoch wurde ich mit dem „Rennsport-Virus“ infiziert und bin seitdem fest an den faszinierendsten Sport der Welt gefesselt.

12. Welcher Galopper ist ihr persönlicher Star und warum?
Sky’s The Limit, weil er mir als unser erster Flach-Sieger in eigenen Farben und späterer Gruppe I-Sieger nach einem Verkauf nach Irland natürlich besonders ans Herz gewachsen ist.

© Text: turfcast.de, München
Bildnachweis: Offiziell

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