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Turfcast fragt im Dutzend – Michael Figge

März 29, 2008 by  

turfcast.de – 18 Pferde stehen derzeit auf Michael Figges Trainingsliste. Der „jüngste“ Münchner Trainer hat vor Kurzem das ehemalige Stallgebäude von Hermann-Josef Koll bezogen und baut sich Stück für Stück mit viel Engagement, Durchhaltevermögen und Feingefühl seine Existenz im Galopprennsport auf.
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Seit einem Jahr trainiert er nun auf der Münchner Rennbahn und hat als Trainer bereits fünf Siege feiern können. Alle fünf Siege hat ihm der derzeitige Stallcrack Cyclonic beschert. Das ist wahrlich eine riesen Leistung, dieses Pferd über eine so lange Zeit so leistungsstark und beständig zu halten! Oder der wunderschöne schwarzer Hengst dankt seinen Betreuern ihren Einsatz mit ehrlichen und guten Leistungen.

Razzia flehmtSeine beste Leistung zeigte er am Karfreitag in Deauville, als er unter starker Konkurrenz einen hervorragenden 2. Platz im mit € 22.000,00 dotierten Prix du Manoir Pottier, einlief und € 4400,00 verdiente. Im Sattel befand sich kein geringerer als der französische Topjockey Olivier Peslier. Michael Figge hat es auch hier wieder geschafft den Hengst nach einem langen Winter gegen starke Konkurrenz fit, erfolgreich und motiviert an den Start zu bringen. Er und seine Lebensgefährtin haben den Hengst persönlich nach Deauville gebracht um sicher zu gehen, dass alles im Sinne des Pferdes abläuft. Cyclonic hat es ihnen erneut gedankt.

Im Stall von Michael Figge wird auf individuelle Betreuung der Pferde Wert gelegt, das gilt für das Training, die Auswahl des am besten passenden Jockeys im Rennen, für das Futter, aber auch für so manche homöopathische Behandlung, die der auch heilpraktisch gebildete und ausgebildete Trainer selber durchführen kann.

Doch lesen Sie nun, was Michael Figge auf das Dutzend Fragen geantwortet hat:

1. Frage: Wie sind Sie zum Rennsport gekommen?
Mit dem Rennsport bin ich aufgewachsen. Mein Vater war bis 1975 Jockey, dann Trainer. Mit 10 begann ich Rennpferde regelmäßig zu reiten, mit 15 habe ich meine Amateurrennreiter-Prüfung gemacht, ab 16 durfte ich dann Rennen reiten. Das tat ich dann recht erfolgreich bis zum 10.09.2006 mit meinem letzten Ritt in deutschen Rennfarben in Goodwood. Im Jahr 2004 wurde ich als erster Reiter aus Süddeutschland Deutscher Meister sowie ein Jahr später Vize-Weltmeister Flach der Amateurrennreiter. Im Laufe desselben Jahres absolvierte ich diverse Lehrgänge zum Pferdewirtschaftsmeister Teilbereich Galopprenntraining, die ich im Dezember mit gutem Erfolg abschloss. Das Thema meiner Meisterarbeit war das Training von 2-jährigen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte. Seit dem 12.09.2006 bin ich Galopper-Trainer, zu Beginn mit zwei Pferden auf dem Land in Rechtmehring, ab 01.01.2007 in München-Riem.

2. Frage: Auf welches Pferd aus Ihrem Stall würden Sie ohne lang zu überlegen €100,00 wetten?
Auf meinen Crack Cyclonic (6-jähriger Hengst von Pivotal) würde ich ohne lange Überlegung € 100,00 wetten.

3. Frage: Verraten Sie uns den ultimativen Dreijährigen aus Ihrem Stall?
Im Spätsommer Fleur du Pre (von Dashing Blade).

4. Frage: Welcher Handicapper aus Ihrem Stall klettert in der kommenden Saison mindestens einen Ausgleich höher?
Cyclonic traue ich noch eine Klasse Steigerung zu. Bei seinem Jahresdebut lief er im französischen Seebad Deauville ein grandioses Rennen, in dem er 2. wurde und € 4.400,- verdiente.

5. Frage: Gibt es ein Pferd in Ihrem Stall, das sich demnächst Black Type holt?
Double Handful (2-jähriger Hengst von Pentire).

6. Frage: Auf was achten Sie, wenn Sie ein Pferd auf einer Auktion kaufen?
Auf vieles: Schritt, Auge, Hals, Brust, Rücken, Muskulatur, Gelenke, Stellung, Knochen-Dicke und -Länge, Verhalten, Pedigree und dann bilde ich mir einen Gesamteindruck.

7. Frage: Wie ist Ihre Meinung zur Strukturreform?
In Anbetracht der bedrohlichen Lage des deutschen Galopprennsports halte ich es für essentiell notwendig, eine Reform durchzuführen. Ob die sog. Strukturreform (das neue Mode-Wort im Rennsport) den erforderlichen Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Wünschenswert wäre es ohne Frage allemal. Hoffentlich können die Reformer mit den noch nicht beigetretenen Vereinen wie Baden-Baden und München kooperieren, denn viel stärker ist man nur gemeinsam.

8. Frage: Nennen Sie bitte die Gründe warum Sie gerne in München trainieren!
München ist eine schöne Stadt mit einer guten Trainierbahn sowie einem gut gepflegten Renngeläuf. Durch die Nähe zu Italien können wir ebenso punkten, wie durch immerhin 15 Renntage pro Saison.

9.Frage: Mal angenommen, Sie hätten ein Pferd im Stall mit dem alle großen Rennen möglich wären. In welches Rennen würden Sie es in Deutschland schicken? In welches Rennen würden Sie es im Ausland schicken?
Das Deutsche Derby in Hamburg und der Prix de l’Arc de Triomphe in Paris. Der Breeder’s Cup wäre auch lukrativ.

10. Frage: Wie würden sich Galopprennen, die ohne Peitsche gelaufen werden von denen, die mit Peitsche ausgetragen werden unterscheiden?
Der einzige Unterschied wäre die Zeit der Rennen. Durch den gezielten Einsatz der Peitsche strecken sich die meisten Pferde etwas mehr im Finish, was zu höherer Geschwindigkeit führt. Ansonsten wäre es durchaus gerecht, völlig auf die Peitsche zu verzichten. Gut fände ich, den Peitschen-Einsatz von 7 auf 4 zu verringern, verbunden mit hohen Geldstrafen bei Missbrauch. Die Peitsche am Zügel kann auch sehr hilfreich sein, nämlich zur Stabilisierung wenn das Pferd auf eine Seite weicht.

11. Frage: Würde ein Peitschenverbot im Rennen das Image des Rennsports verbessern?
So wird es wohl sein. Die Masse der Zuschauer kritisiert ja den Peitschengebrauch sehr und sieht ihn überwiegend als Tierquälerei an. Diese Tatsache ist durchaus kritisch zu betrachten, in der Praxis auch problematisch. So gibt es Pferde, die einige Hiebe kaum stören, für andere ist ein Schlag schon zu viel. Der eine Reiter schlägt fest, der andere streichelt es fast. Als Fazit komme ich zu dem oben erwähnten Vorschlag mit 4 erlaubten Schlägen, hohen Strafen bei Missbrauch und intensiver Aufklärung über Art, Wirkung und Begründung des Peitschengebrauchs.

Auch möchte ich beim Thema Galopprennen und schlechter Ruf auf den in der Rennordnung verankerten staatlichen Auftrag zu deren Austragung verweisen. Um die Vollblutzucht immer weiter zu verbessern, müssen Leistungskämpfe ausgetragen werden um die für die Zucht besten Pferde zu erkennen.

12. Frage: Was sollte ein Besucher, der zum ersten Mal auf die Münchner Rennbahn kommt unbedingt machen?
Programm kaufen, zum Sattelplatz gehen und sich einen Eindruck über den Rennablauf verschaffen, wenn möglich sich mit jemandem unterhalten, der sich auskennt. Wenn ein erster Eindruck entstanden ist Beginn mit „leichteren“ Wetten (Platzwette) am besten mit jemandem, der einen beraten kann, sich dann langsam bis zur Königsklasse des Wettens (Dreierwette) steigern. Es soll Spaß machen!

Für weitere Fragen zu seinem Stall, seinen Pferden, seiner Philosophie, sollten Sie sich mit Michael Figge unter folgenden Kontaktdaten in Verbindung setzen:
Homepage Michael FiggeMichael Figge
Hornsteinstr. 18
81679 München
Tel. 089 / 99 98 20 36
Mobil 0171/ 24 16 677
E-Mail: m.figge@rennstall-figge.de
Homepage unter der Adresse:
www.rennstall-figge.de

© Text & Fotos: turfcast.de, München

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