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Turfcast fragt im Dutzend – Erich Pils

April 8, 2008 by  

turfcast.de – Im Gasthot „Zur Post“ treffen wir Erich Pils, den 14-fachen bayerischen Trainerchampion. In die Gastronomie hat Erich Pils umgesattelt und sich ganz aus dem Publictrainergeschäft zurückgezogen. Doch der Erich bleibt seinen Fans als Besitzertrainer erhalten. Er betreut neben seinem Gasthof, der auch 20 Gästebetten bereitstellt, noch ein kleines Lot von vier Vollblütern.
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Erich Pils, der seine Pferde gerne in München an den Start gebracht hat, und 899 bzw. 900 siegreiche Pferde als Trainer gesattelt hat, die genaue Zahl weiss er im Moment gar nicht, ist über den Amateurrennsport in das Profigeschäft mit den Vollblütern gekommen. Knapp 50 Sieger hatte Erich Pils als Amateur geritten, als er den Rennstall von Eduard Sechser übernommen hat. Aufgewachsen ist Erich Pils zwischen Trabern und Galoppern und saß mit sechs Jahren zum ersten Mal auf einem Pferd.

Nur nichts überstürzen mit den Pferden war seine Leitlinie und viele Besitzer waren jahrelang ein fester Grundstock im Stall mit der Nr.11, allen voran Frau Kieswetter. Seine Stalljockeys waren ebenfalls lange Jahre fester Bestand einer jederzeit motivierten Stallmannschaft.
Heinzi Ludewig, der die Markenrechte an dem Spruch „Nix halten, nix pullen“ besitzt, Dave Wildmann, der seinen eigenen Dialekt spricht, sein erfolgreichster Stift Sascha Grais, der irische „Storyteller“ John D. Hillis, die „Langzeitehefrau“ Christian Czachary und der Frauenschwarm Andi Suborics, waren für die vielen Siege im Rennstall 11 verantwortlich. Wenn es mal mit einem Sieg nicht geklappt hatte, dann verstand Erich Pils dies immer positiv zu deuten: „Wer weiß wofür das gut war!“

Nett ist es in der „Post“ und der Galopprennsport ist auch hier das zentrale Thema. An fast jeder Wand hängen die Erfolge aus Erich Pils‘ Publictrainerzeit. Im Nebenraum, in dem gerade eben die Vereinssitzung des Bayerischen Amateurrennreiterverbands stattfindet, hängt ein schöner Druck von Mister Rock´s, mit dem Erich Pils den Premio Omenoni gewonnen hat.

Spannend geht es an dem Tisch von Bernhard und Helmut zu. Zwei Riemer Dauergäste, die seit 1993 auch kein Frühjahrsmeeting in „Iffze“ versäumen. Der erste Renntag in Riem ist von Helmut schon gewissenhaft und eifrig analysiert worden. Für den Ausgleich III, das 4. Rennen in Riem, wird der Helmut sich nach einer knapp fünf Monate dauernden Rennsport Fastenkur mit einer ordentlichen Dreierwette in die Grasbahn Saison zurückmelden: „Der Vito Corleone, der machts, ihr werdet sehen!“, versucht er die Zuhörer am Tisch zu überzeugen. Er kann es auch glaubhaft begründen, denn ein Besitzertrainer hat einfach mehr Zeit sich um seine Pferde zu kümmern, so seine These. Als der Erich seine Theorie mit den Worten: „Ich weiß, der kann den Boden.“ untermauert, ist die Entscheidung bei Helmut endgültig gefallen: „Den „Vito“, den stelle ich als Bankpferd und hänge ein paar hin.“

naval-liest.jpgErich Pils erzählt gerne von seiner aktiven Zeit als Amateurreiter und als Trainer. In der Trainerecke kann man mosaikartige Fotocollagen seiner schönsten Erfolge bewundern: Den eisenharten Aconcagua, der zweimal den Bäderpreis in Baden-Baden gewonnen hat, die tolle Ladrina, mit der John D. Hillis ein Hürdenrennen gewann und die später den Preis vom Murgtals für sich entscheiden konnte. Die Steherin Arroyada; Siegerin 1998 im Großen Stutenpreis, einem Gruppe III Rennen in Hannover und auch der Klassehürdler Louis, mit dem auch der turfcast.de-Macher ein Listenrennen als Amateur gewonnen hat, findet man an Erichs Wänden. Doch es gibt noch viel mehr Bilder zu bestaunen.

Während ich nach weiteren Geschichten an der Wand suche, erzählt Erich Pils gerade Bernhard und Helmut die Ambrosio-Story in Baden-Baden aus seiner Jugendzeit und der verpassten „dicken“ Dreierwette. Sicher war sich der junge Erich Pils, dass Amborsio unverlierbar war in diesem Ausgleich. Die Dreierwette wollte er spielen, Ambrosio auf alle, doch das Geld war knapp, die Wette musste billiger werden, ergo konnten weniger Pferde in die Wettkombination. Wohl war ihm nicht dabei, das weiß er noch ganz genau. Und es kam, wie es kommen musste, genau eines der „gesparten“ Pferde machte Erich Pils den Traum der „dicken“ Dreierwette kaputt. Die Wette zahlte ein Vermögen und dem jungen Erich Pils blieb damals nur der Trost mal ein richtig gutes Ding fast gehabt zu haben. Helmut kann ebenfalls so eine „Fast hätte ich eine dicke Dreierwette Geschichte“ zum Besten geben. Jetzt muss ich aber gehen, dieser Artikel will geschrieben sein, Fotos wollen sortiert werden und noch soviel mehr.

Aber überlassen wir nun dem neuen Besitzertrainer Erich Pils das Wort:

1. Frage: Wie sind Sie zum Rennsport gekommen?
Bin zwischen Trabern und Galoppern groß geworden, habe mich aber für die Galopper entschieden, da hier mehr Action geboten ist. Mit sechs Jahren bin ich das erste mal geritten, mein Vater war Amateur bei Konrad Keim. Mein erster Ritt im Rennen war 1967 oder 1968, das weiß ich nicht mehr ganz genau, das Pferd hiess Wunschfee. (A.d.R.: auch über das Direktoriumsarchiv lies sich das Jahr nicht ermitteln, die Stute war Jahrgang 1964)

2. Frage: Auf welches Pferd aus Ihrem Stall würden Sie ohne lang zu überlegen €100,00 wetten?
Auf Ochotskaja (8-jährige Java Gold-Stute)

3. Frage: Was war Ihr emotional schönster Sieg?
Mit Hohritt (Hengst von Penthalon) im Frühjahrsmeeting 1980 „Großer Preis der Badischen Wirtschaft“ ein Gruppe II Rennen und das Hauptrennen des Meetings. Oskar Beutenmüller war Züchter und Besitzer des Hengstes.

4. Frage: Welcher Handicapper aus Ihrem Stall klettert in der kommenden Saison mindestens einen Ausgleich höher?
Ochotskaja

5. Frage: Was schätzen Sie an einem guten Jockey?
Er sollte die Situation im Rennen analysieren können und die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit treffen können. Andreas Suborics mein früherer Stalljockey kann das.

6. Frage: Auf was achten Sie, wenn Sie ein Pferd auf einer Auktion kaufen?
Pedigree, Exterieur, Schritt, Bewegungsablauf und die Muskulatur. Dann sollte das Pferd eine schräge Schulter haben, damit es vorne rausgreifen kann. Steht ein Pferd vorne steil ist das für die Aktion des Pferdes ungünstig. Und die Hinterhand muss stabil sein.

7. Frage: Wie ist Ihre Meinung zur Strukturreform?
Im Laufe der Zeit hat sich die Struktur der Wetter verändert. Wurde früher überwiegend auf die Rennbahn gegangen und auch dort gewettet, so findet dies heute oft von zuhause aus übers Internet statt. Ebenso verfolgen viele Wetter die Rennen in Buchmacherläden. Der Rennverein hat in diesen Fällen immer weniger Umsatz, als wenn der Wetter direkt in den Bahntoto wettet. Das halte ich für sehr problematisch und mache es auch zum Teil für die schlechte finanzielle Situation vieler Rennvereine verantwortlich.

8. Frage: Nennen Sie bitte die Gründe warum Sie gerne in München trainieren!
München ist meine Heimat! Ich hätte zweimal das Angebot gehabt nach Köln zu gehen, einmal um den Stall Schlaefke zu übernehmen, das andere Mal war ich im Gespräch für den Stall von Sven v. Mitzlaff. Zudem hatte ich ein Angebot in einen fix und fertig eingerichteten Stall in Florida zu übernehmen. Ich bin aber nie aus München weg gegangen!

9. Frage: Mal angenommen, Sie hätten ein Pferd im Stall mit dem alle großen Rennen möglich wären. In welches Rennen würden Sie es in Deutschland schicken? In welches Rennen würden Sie es im Ausland schicken?
In Deutschland das Derby, im Ausland das Sheema Classic, das Rennen, das Quijano gerade bestritten hat.

10. Frage: Wie würden sich Galopprennen, die ohne Peitsche gelaufen werden von denen, die mit Peitsche ausgetragen werden unterscheiden?
Es werden im Grunde viele Rennen ohne Peitsche entschieden. Wenn es eng wird, kann eine gewisse Aufmunterung des Pferdes notwendig werden. Für das Erreichen des 5. oder 6. Platzes halte ich den Peitscheneinsatz für unangebracht.

11. Frage: Würde ein Peitschenverbot im Rennen das Image des Rennsports verbessern?
Das glaube ich nicht.

12. Frage: Was sollte ein Besucher, der zum ersten Mal auf die Münchner Rennbahn kommt unbedingt machen?
Renntag geniessen und wetten.

Wer noch gerne mehr über Erich Pils und seine Fotowand erfahren möchte kann unter sich unter folgenden Kontaktdaten in Verbindung setzten:
zurpost.jpgErich Pils
Gasthof „Zur Post“
Kunihohstraße 5
81929 München
Tel.: 089/938032
Fax: 089/9303242

© Text & Foto: turfcast.de, München

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