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Turfcast fragt im Dutzend – Angelika Brümmer

April 23, 2008 by  

turfcast.de – Im Rahmen unserer Serie „Turfcast fragt im Dutzend“ sollen natürlich auch diejenigen zu Wort kommen, ohne die es im Rennsport gar nicht ginge – die Besitzer!

Den Anfang macht Angelika Brümmer, ehemalige erfolgreiche Amazone, Amateurrennreiterin und Ehefrau, des leider vor 5 Jahren verstorbenen Münchener Trainers Dieter Brümmer. Mutter der erfolgreichen Amateurrennreiterin Claudia Pledl (geb. Brümmer) und seit Kurzem Großmutter der vielleicht-Rennamazone in spe Leni Pledl.
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Angelika Brümmer hat in Ihrer Laufbahn 105 Rennen gewonnen (Amateur- und Profisiege zusammengerechnet). Für die komplette „alte Garde“ der Münchener Trainer stieg Geli Brümmer in den Sattel. Meist belegte Angelika Brümmer hinter Gräfin Sabine von Norman den 2. Platz im bayerischen Amateurchampionat, 1980 allerdings holte sie den Titel der bayerischen Amateurchampionesse und 1983 Titel der besten deutschen Nachwuchsreiterin, nachdem sie in das Profilager wechselte.

modist-bruemmer.jpgEine besondere Verbindung hatte sie mit dem von ihrem Mann Dieter trainierten Wallach Modist. Sechs Rennen konnten die beiden für sich entscheiden. Am 13. August 1999 stieg Geli Brümmer das letzte Mal in den Rennsattel. Leider war der Abschied von der Rennkarriere alles andere als sanft, denn durch ein vor ihr und ihrem Partner zu Fall gekommenes Pferd (Santur) erschrak Morero, schlug einen Haken und Angelika Brümmer wurde aus dem Sattel katapultiert und musste hart zu Boden.
Dem Rennsport und den Pferden ist sie aber treu geblieben. Zunächst als zuverlässige Partnerin und Stütze ihres Mannes Dieter, nun als Besitzerin.
Dieter Brümmer war auch eine feste Größe im deutschen Rennsportgeschehen. Als aktiver Reiter holte er sich sechs Mal (!) den Titel Deutscher Hindernischampion (von 1962-1967). Das beste Pferd, das sie im Training hatten war der Hengst Claridge, der auf Listenebene beheimatet war und Jockeygrößen wie Lutz Mäder, Andre Tylicki, und Heinzi Ludewig im Sattel hatte.

Oro NegroAngelika Brümmer ist Mitbesitzerin des 7-jährigen Java Gold Wallachs Oro Negro. Oro Negro war bei 20 seiner 30 absolvierten Lebensstarts im Geld und hat vier Rennen gewonnen. Das letzte Rennen, das Oro Negro für sich entscheiden konnte, war ein Ausgleich II in München. Geschlagen hat er in diesem Rennen unter anderem auch die Black Type Stute Polyanta, die derzeit bei einem GAG von 84 kg rangiert. Oro Negro ist derzeit mit 75,5 kg eingestuft. Behutsam wurde der Wallach aufgebaut, die Renntaktik wurde von „Aus der Reserve“ geritten auf aktuell „von Vorne“ gehend umgestellt. Wichtig ist, dass Oro Negro ein ungestörtes Rennen hat, denn der große Wallach hat eine raumgreifende Gallopade. Aber überlassen wir nun Angelika Brümmer das Wort:

1. Frage: Wie sind Sie zum Rennsport gekommen?
In der Schule wollte ich immer reiten, hatte aber kein Geld dafür. Eine Schulfreundin hatte Kontakt zur Münchener Rennbahn. 1962/63 kam ich dann zu Trainer Herbert Block, dann zu Ernst Bauer, Hans Prinzinger, Eduard Kaltenegger und schließlich zu meinem zukünftigen Mann Dieter Brümmer.

2. Frage: Wann würden Sie ohne lang zu überlegen auf Oro Negro €100,00 wetten?
Bei gutem Boden über 2000 m mit Darren Moffatt oder meiner Tochter Claudia im Sattel. Oro Negro braucht dann nur noch ein ungestörtes Rennen.

3. Frage: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Sieger als Reiterin?
Das war mit Overula (Jahrgang 1965) in München. Der Wallach gehörte Klaus Meisel. Im Zielfotoentscheid habe ich gegen Günter Rosenbusch, den späteren Trainer gewonnen.

4. Frage: Warum sind sie Besitzerin geworden?
Schuld war mein Mann Dieter. Mit einem Trainer als Mann kommt man dem im Grunde nicht aus. Zudem hatte ich als Amateurin immer wenig Ritte, da haben wir unser erstes Pferd gekauft, das ich dann im Rennen geritten habe.

5. Frage: Warum haben Sie vom Amateur- ins Profilager gewechselt?
Als Amateur verdient man kein Geld, wir mussten aber Geld verdienen.
Habe schließlich als Amateur jeden Renntag 3-4 Rennen geritten, auch für andere Trainer.

6. Frage: Auf was achten Sie, wenn Sie ein Pferd auf einer Auktion kaufen?
Pedigree ist wichtig und Aussehen. Wir haben lieber laufende Pferde mit guter Form gekauft. Unser Besitzer Michael Renner hat immer eine Wagenladung irischer Steepler gekauft, die in Irland günstig zu erwerben waren. Einige waren dabei, die richtig gut waren, die besten waren bei uns im Stall, z.B. Barbist, Walon und Bajano. Eine Gemeinsamkeit hatten aber alle diese Pferde – sie waren riesig. Der Beste war Barbist.

7. Frage: Wie ist Ihre Meinung zur Strukturreform?
Iffezheim und München hatten sicherlich berechtigte Gründe noch nicht sofort unterschrieben zu haben. Das Mitspracherecht der Rennvereine und deren Belange müssen gewahrt bleiben, es muss genau überlegt und abgewogen werden, wenn diese Rechte aus der Hand gegeben werden.

8. Frage: Nennen Sie bitte die Gründe warum Sie Ihr Pferd in München trainieren lassen!
München bietet das beste Geläuf in Deutschland und eine eigene Trainingsbahn, die immer in optimalen Zustand ist.

9. Frage: Mal angenommen, Sie hätten ein Pferd im Stall mit dem alle großen Rennen möglich wären. In welches Rennen würden Sie es in Deutschland schicken? In welches Rennen würden Sie es im Ausland schicken?
In Deutschland: Großer Dallmayr Preis in München
Im Ausland: den Dubai World Cup ($ 4 Mio. Dotierung)

10. Frage: Wie würden sich Galopprennen, die ohne Peitsche gelaufen werden von denen, die mit Peitsche ausgetragen werden unterscheiden?
Eine maßvolle Unterstützung ist in der Entscheidung oft von Vorteil. Ich hatte oft das Gefühl, dass einige das sogar brauchten.
Es liegt am Reiter den Stock individuell einzusetzen. Wenn der Reiter körperlich fit ist, braucht er wenig bis kaum einen Stock.

11. Frage: Würde ein Peitschenverbot im Rennen das Image des Rennsports verbessern?
Das glaube ich nicht.

12. Frage: Was sollte ein Besucher, der zum ersten Mal auf die Münchner Rennbahn kommt unbedingt machen?
An der 2000 m Startstelle an der Startmaschine sein und den Start und das Drumherum hautnah miterleben.
Der Besucher sollte sich alles ganz genau ansehen, denn es gibt viel zu sehen und natürlich sollte er wetten.

© Text & Fotos: turfcast.de, München
© Foto Modist: U. Tramsek, München

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