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Turfcast fragt im Dutzend – Simon Springer

März 9, 2010 by  

simon-springer_onextwoturfcast.net – Seinen ersten Kontakt mit dem Rennsport hatte er auf einer Trabrennbahn. Genau genommen war es die Trabrennbahn in München-Daglfing. Ein Freund hat Simon Springer (Foto) auf die Trabrennbahn eingeladen und natürlich hat er auch gewettet. Eine gewonnene Platzwette für damalige 40 D-Mark war die Initialzündung für seine spätere Berufswahl. Springer beschäftigte sich mit der Materie und eröffnete vor 33 Jahren sein erstes Buchmachergeschäft. Heute ist Simon Springer einer der renommiertesten Buchmacher in Deutschland. Seine jüngste Entscheidung, keine Livebilder mehr von deutschen Galopprennen auf seiner Internetseite oneXtwo.com zu zeigen, sorgen in der deutschen Rennsportszene für Diskussionsstoff. Exklusiv für turfcast.net stand Simon Spinger für ein Interview zur Verfügung.

1. Seit dem 01. März 2010 gibt es keine Livebilder mehr von deutschen Rennen auf ihrer Internetseite onextwo.com zusehen. Was waren Ihre Gründe die Übertragung einzustellen?

Ein Aspekt sind wirtschaftliche Gründe: im Vergleich zum Anfang vor nunmehr fast vier Jahren, als wir die Bilder erstmalig auf unserer Internetseite gezeigt haben, hat sich der Preis mittlerweile fast verzehnfacht, ohne dass die Qualität des Produktes und das Interesse der Kunden am Produkt in auch nur annähernder Größenordnung gestiegen wäre, leider ganz im Gegenteil.

2. Sie schreiben auf Ihrer Internetseite onextwo.com, dass Sie sich seit April 2009 konsequent an die Zusage gehalten haben, die Voreinstellung im Wettschein auf Rennverein zu belassen, um die Totowette zu stärken. Warum ist die Voreinstellung auf die Rennvereinswette von so großer Bedeutung?

Die Voreinstellung auf „Toto“ bringt Umsatz – gerade von den Wettern denen es eigentlich egal ist, ob sie nun eine Buchmacher- oder Totowette tätigen. Unser Erfahrungswert im letzten Jahr hat gezeigt, dass ca. 25 – 30% der Kunden zu diesem Klientel gehören.

3. Einige Mitbewerber halten sich nicht an die Zusage, die Voreinstellung auf die Rennbahnwette bei ihrem Onlinewettschein einzustellen. Warum schreitet hier das (DVR) Direktorium für Vollblutzucht- und Rennen e. V. nicht ein oder gibt es verschiedene Absprachen?

Wir hatten zugesagt, diese Voreinstellung beizubehalten. Diese Zusage hatte keine vertragliche Grundlage, sondern war eine freiwillige Leistung unserer Seite, eine der vielen freiwilligen Leistungen, um den deutschen Rennsport zu unterstützen. Wie sich das mit Mitbewerbern verhält oder welche Absprachen mit anderen getroffen wurden, kann ich nicht sagen. Aber – Wer proklamiert, dass der Totalisator gestärkt werden muss, der sollte auch ohne vertragliche Regelungen dazu bereit sein, möglichst viel dafür zu tun.

4. Sind Sie der Meinung, dass das DVR versucht die deutsche Wettlandschaft zu monopolisieren und dabei einige Personen und Organisationen bewusst begünstigt oder gibt es hier eine völlig andere Sicht der Dinge?

Ob jemand bevorzugt behandelt wird, kann ich nicht sagen; alle Verträge sehen eine Wettbewerbsgleichheit und eine einheitliche Regelung der Preisgestaltung und Belieferungsbedingungen vor. Dies wurde in den Vertragsverhandlungen seitens des DVR immer wieder betont. Es ist wohl auch nicht so, dass das DVR versucht, ein Monopol aufzubauen. Aber das DVR und die Institutionen die ihm angehören, haben auf jeden Fall den Schritt getan, in das Buchmachergeschäft einzusteigen, so zB. mit XXL-Wetten im stationären Bereich und nun mit der Beteiligung an Racebets auch im Internet. Der Sport als Buchmacher – das gibt dem Ganzen eine sehr pikante Note.

5. Ihre schriftliche Anfrage beim Direktorium für Vollblutzucht- und Rennen e. V. wurde, Ihrer Meinung nach, mehr als unbefriedigend beantwortet. Daraufhin zogen Sie Konsequenzen und haben den Wettschein auf die Buchmacherwette umgestellt. Für die folgende Rennveranstaltung in Neuss kamen 97.110 Euro aus der Aussenwette. Das sind 73% des Gesamtumsatzes. Die offizielle Seite machte die Voreinstellung des Wettscheins des einen oder des andern Buchmachers dafür verantwortlich, dass der Gesamtwettumsatz nur 113.109 Euro betrug. Wo sehen Sie das Problem der sinkenden Umsätze?

Das ist so nicht ganz richtig, da wir die Voreinstellung bereits drei Wochen vorher wieder auf Buchmacher zurückgestellt hatten. Doch selbst wenn wir das nicht getan hätten, wäre der Umsatz in Neuss bzw. unsere Vermittlung sicher nicht „explodiert“. Wir hatten am 28.2. mehr Umsatz auf Le Lion d’Angers (ohne Bilder !) als auf Dortmund. Am Sonntag davor deutlich mehr Umsatz in zwei Rennen aus St. Moritz (ohne Bilder !) als auf die Rennen in Neuss. Oder anders ausgedrückt – der Umsatz auf die Rennen in Neuss hat nicht mal 10% unseres Tagesumsatzes ausgemacht, und dies an einem Tag, wo insgesamt nach Absage aller englischen Rennbahnen das gesamte Wettangebot am Nachmittag nur aus 8 Rennbahnen bestand.

Bei einem Anteil von mehr als 70% aus der Außenwette sollten sich die Verantwortlichen eigentlich damit beschäftigen, warum niemand auf die Bahn geht und dort wettet, als den Schuldigen wieder einmal in den Reihen der Wettvermittler zu suchen.

6. Vergleicht man die Kosten für die Bildrechte der deutschen Galopprennen mit denen aus England, Amerika oder der Schweiz. Wie schneidet der deutsche Galopprennsport in diesem Vergleich ab?

Bei einer Kostenkalkulation sind immer mehrere Aspekte heranzuziehen, hier zum Beispiel Anzahl der Rennen, Popularität und Qualität der Veranstaltungen etc. Es wäre nicht fair, etwas zu vergleichen, das keine Chance hat, einem Vergleich standzuhalten. Die Übertragung der englischen Rennen für das Internet mit jährlich 364 Veranstaltungstagen mit 3 – 7 Rennplätzen täglich, kosten weniger, als die Bilder der deutschen Galopprennen mit 107 Veranstaltungstagen.
Unabhängig von einem reinen Preisvergleich war unser Unternehmen wie alle deutschen Buchmacher bislang immer bereit, den inländischen Rennsport zu unterstützen und unter anderem die Finanzierung der Bilder für den Rennsport zu übernehmen.

7. In der Galopperszene hält sich hartnäckig die Meinung, dass die Buchmacher, wegen der angeblich fehlenden Vermittlung von Wettumsätzen in den Totalisator die Hauptschuld am Niedergang des deutschen Rennsports tragen. Wie stehen Sie dieser Meinung gegenüber?

Die Branche, die immer wieder verteufelt wird, hat in den letzten 15 Jahren sicher mehr für den Sport getan als so mancher „Insider“, der mit in diesen Gesang einstimmt. Nichts leichter, als andere dafür verantwortlich zu machen, dass man selbst jahrelang schlecht gewirtschaftet hat und die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollte. Das geht bei völlig überteuerten Kosten für die Bildübertragungen los – die jahrelang und ausnahmslos von den Buchmachern finanziert worden sind. Egal wie teuer die Bilder gewesen sind – am Ende des Jahres war von dem Geld, das dafür bezahlt wurde nie etwas übrig. Ganz im Gegenteil wurden dafür zusätzlich auch die Rennvereine noch zur Kasse gebeten.

Einige Rennbahnen würden heute sicher nicht mehr existieren, wäre nicht die permanente Unterstützung durch meine Kollegen und mich erfolgt, so zB. durch Jackpots, Sponsorings und das Bereitstellen eines funktionierenden Netzes von stationären Wettannahmen. Die Summe hierfür lässt sich sicherlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag beziffern.

Da jetzt ist der Sport ja selbst in die „goldene“ Branche eingestiegen ist, die seit Jahren verteufelt wird hat er nun selbst die Möglichkeit festzustellen, wie leicht sich das Geld hier verdienen lässt.

8. Anfang 2010 hat das DVR 40% der Anteile des Internetbuchmachers RaceBets GmbH erworben und dafür 3 Mio. Euro bezahlt. Nach Angaben von turf-times.de (Ausgabe 100, Stand: 18.11.09) hat RaceBets über 2,4 Mio Euro an Aussenumsatz in den Totalisator vermittelt. Rechnet man jedoch den Umsatz der Wettplattform des DVR German Tote (Shops) und German Tote (Internet) zusammen, kommt man auf die Summe von fast 3,2 Mio. Euro. Wie sehen sie die Entscheidung, sich bei einem Buchmacher einzukaufen als die eigene Wettplattform German Tote auf-/auszubauen und wird der Wettbewerb dadurch nicht verzerrt?

Es handelt sich bei der momentanen Geschäftspolitik insgesamt sicherlich um eine radikale Kehrtwendung; ob diese Entscheidung gut war, wird sich zeigen. Man hat sich den Partner ausgewählt, der ohnehin schon das größte Aufkommen bei der Wettvermittlung hatte.

Vielleicht hat man sich davor gescheut, die eigene Plattform germantote.de pushen zu müssen, um einen gewissen Marktanteil erreichen zu können und der Einkauf eines bestehenden Portals erschien preisgünstiger, als die entsprechend notwendigen Werbe- und Restrukturierungsmaßnahmen?
Die Tatsache, dass „der Rennsport“ jetzt Rennveranstalter und zugleich Buchmacher ist, wirft sicherlich ein neues Licht auf die gesamte Branche und die zukünftigen Entwicklungen.

9. Bei der o.g. Aussenumsatzstatistik fällt auf, dass mit über 2.4 Mio. Euro der meiste Umsatz in den Shops erwirtschaftet wird. onextwo belegt mit über 650.000 Euro Platz 8. Sind die Shops der Schlüssel zum Erfolg?

Interessanterweise scheinen sämtliche Umsatzzahlen, die vermittelt werden und ein Ranking im Internet für jedermann einsehbar zu sein. Für unsere Internetseite onextwo ist der Umsatz eine ganz beachtliche Summe. Wir sind von der Kundenstruktur ganz anders aufgestellt als unsere Mitbewerber, so dass es keinen direkten Vergleich gibt.
Für den Rennsport insgesamt: Um Erfolg zu haben, braucht man sicherlich beides – ein funktionierendes Onlineangebot und ein professionell aufgezogenes, stationäres Vertriebsnetz.

10. Werden Sie in Ihren Shops weiterhin Livebilder von deutschen Rennbahnen zeigen?

Wir prüfen derzeit, wie wir weiter verfahren werden und stehen diesbezüglich in Verhandlungen mit dem DVR. Auch bei den Bildpreisen im Shopbereich gilt das gleiche wie im Internet: die Rentabilität des Produktes und die allgemeine Entwicklung in der Branche konnte den Preisanstieg in keiner Weise rechtfertigen. Die meisten Buchmacher haben bisher in ihren Wettannahmestellennetzen auch immer weniger attraktive Standorte mit einem vollen Bilderangebot ausgestattet; je mehr Rennveranstaltungen und je mehr attraktive Standorte wegfallen, umso genauer muss jeder einzelne Standort kalkuliert werden.

11. Viele Rennsportfans schauen auf den französischen Galopprennsport. Pferderennen mit großen Feldern und guten Quoten. Seit 2010 ist der französische Wettmarkt für Buchmacher geöffnet. Welche Entwicklung erwarten sie in Frankreich und werden Sie in den dortigen Markt eintreten?

Ob diese Marktöffnung wirklich eine Öffnung ist oder sein wird, das muss sich erst zeigen, zumal es momentan ausschließlich um eine Regulierung des Onlinemarktes geht. Zunächst sieht es einmal so aus, also ob die Franzosen den Markt bereinigen und dann eventuell Lizenzen vergeben werden. Ob diese dann auch so interessant sind, dass man sich dort engagiert, bleibt abzuwarten.

12. Haben Sie einen Tipp für die Arkle-Chase am 16. März in Cheltenham?

Will denn wirklich jemand von einem Buchmacher einen Tipp bekommen?!

© Text & Fotomontage: turfcast.net, München
© Foto Simon Springer: Offiziell

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One Response to “Turfcast fragt im Dutzend – Simon Springer”

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  1. Turfcast fragt im Dutzend – Simon Spinger…

    Einer der renommiertesten Buchmacher des Landes mag nicht mehr. Seit dem 01. März gibt es auf oneXtwo keine Bilder mehr von deutschen Galopprennen. Warum, wieso und weshalb? Simon Springer gibt turfcast.net ein exklusives Interview. Ein Interview was m…



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