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Offener Brief in Sachen Glücksspielstaatsvertrag

April 13, 2011 by  

Symbolbild Wetten © turfstock.com/BaloghHerrn
Albrecht  Woeste   persönlich-­
Direktorium  für  Vollblutzucht  und  Rennen  e.V.
Rennbahnstraße  154
50737  Köln

13.  April  2011

Offener  Brief  in  Sachen  Glücksspielstaatsvertrag

Sehr  geehrter  Herr  Woeste,

als  lebenslange  Galoppsportanhänger  haben  wir  es  sehr  begrüßt, dass  der  Galopprennsport  mit  Ihnen  eine  Persönlichkeit  mit untadeligem  Ruf und  großem  Engagement  als  Präsidenten  gewinnen konnte.

Umso  erschütterter  sind  wir  über  die  offizielle  Position des Galopprennsports  in  Sachen  Glücksspielstaatsvertrag.

Das  RWLG  war  vom  Gesetzgeber  ursprünglich  als  fairer  Interessenausgleich  zwischen  Buchmachern  und  Totalisator  konzipiert. Als Ausgleich  für  die  Belastung  mit  den  Kosten  der  Leistungsprüfungen  wurde  den  Rennvereinen  eine  Steuererstattung  gewährt.

Erst  mit  dem  Aufkommen  der  steuerumgehenden  Wettvermittlung  in das  Ausland  veränderte  sich  das  Gleichgewicht  einseitig  zu Lasten  des  Rennsports  mit  den  bekannten  Folgen:  einem  unaufhaltsamen  Niedergang  des  Sports.  Abzulesen  ist  dies  bei  den Rennveranstaltern  anhand  wesentlicher  Parameter  wie  bspw.  Totalisator-­Wettumsatz  pro  Rennen,  Ertrag  aus  der  Wette  pro Rennen,  aber  auch  am  Verhältnis  Rennpreise  je  Starter  zu  Unterhaltskosten  sowie  Anzahl  sowohl  der  Rennen  als  auch  der Pferde.  Als  erstes  großes  Opfer  dieser  Entwicklung  kann  sicher  die ehemals  bedeutende  Rennbahn  Gelsenkirchen-­Horst  gesehen werden.  Ein  ähnliches  Zeugnis  legen  die  zahlreichen  Insolvenzen bspw.  der  Rennvereine  Baden-­Baden,  Frankfurt,  Hannover, Hoppegarten,  Krefeld  ab.  Aber  auch  der  dramatische  Einbruch  an Rennveranstaltungen  fast  aller  Rennvereine  spricht  eine deutliche  Sprache

Die  Buchmacher  hätten  stets  die  Gelegenheit  gehabt  -­  im  Sinne eines  Bauern,  der  die  Kuh,  die  er  melken  will,  nicht  schlachtet  -­  verantwortungsvoll  mit  dem  sich  selbst  verschafften Wettbewerbsvorteil  umzugehen.  Dies  ist  nicht  geschehen.  Stattdessen haben  sie  jegliche  sich  bietenden  Schlupflöcher  genutzt, Firmen  in  Steueroasen  verlagert  und  den  Rennsport  ohne Skrupel sukzessive  und  sehenden  Auges  ausbluten  lassen.

Eine  Farce  ist  insbesondere  der  Verweis  auf  positive  Effekte durch  Wettvermittlung  von  Buchmachern  in  den  Totalisator. Schätzungen  zufolge  gehen  deutlich  mehr  als  die  Hälfte  der Wettumsätze am Totalisator  vorbei.  Dem  Rennsport  bleiben  nur Brotkrumen,  von  den  Buchmachern  notgedrungen  hingeworfen,  weil einzelne  Kunden  darauf  bestehen,  eine  Totowette  abzugeben.

Der  Rennsport  musste  in  höchster  Bedrängnis  verzweifelt  zu Notwehraktionen  greifen,  eine  davon  war  die  Beteiligung  an diversen  Buchmacheraktivitäten.

Diese  Beteiligungen  hatten  nur  den  einen  Sinn,  sich  gegen  das Ungleichgewicht  der  Kräfte  und  den  drohenden  Exitus  des Sports zur  Wehr  zu  setzen.  Sie  waren  nie  Selbstzweck  und  sollten  dies auch  heute  nicht  werden.

Wenn  sich  nun  heute  im  Zuge  der  Neufassung  des  Glücksspielstaatsvertrages  die  vielleicht  allerletzte  Chance  bietet,  den im RWLG  vorgesehenen  fairen  Interessenausgleich  zwischen  Buchmachern  und  Totalisator  endlich  wieder  herzustellen,  dann sollte  der Rennsport  alles,  aber  auch  wirklich  alles  in  seiner Macht  Stehende  tun,  diese  Chance  entschlossen  zu  nutzen.

Mit  Fassungslosigkeit  und  wachsender  Empörung  müssen  wir  nun tatenlos  zusehen,  wie  der  Rennsport  sich  unter  Ihrer  Führung, Herr  Woeste,  von  den  Buchmachern  instrumentalisieren  lässt  und als  deren  Beschützer  auftritt.  Der  Rennsport  torpediert  nun genau  die  für  ihn  selbst  und  die  mit  ihm  verbundenen  Aktiven so  lebenswichtige  Wiederherstellung  eines  fairen  Gleichgewichts zwischen  Buchmachern  und  Totalisator!

Die  offizielle  Begründung  für  dieses  aus  unserer  Sicht  skandalöse  und  verantwortungslose  Verhalten,  eine  Wiederherstellung des Gleichgewichts  würde  die  Gefahr  bergen,  die  Steuererstattung einzubüßen,  kann  bei  näherem  Hinsehen  nicht  überzeugen.

Das  Schreiben  zweier  Staatssekretäre  an  Herrn  Robra,  das  immer wieder  als  Beleg  dafür  herhalten  muss,  welche  Risiken  mit  der Herstellung  des  Gleichgewichts  verbunden  seien,  eignet  sich genau  dafür  nicht.  Es  steht  lediglich  darin,  dass  es  Risiken gibt, wenn  man  es  falsch  macht.  Es  steht  aber  nichts  darüber darin,  ob  man  es  auch  anders  lösen  könnte  und  ob  es  dann  noch die  behaupteten  Risiken  gäbe.

Wir  sind  der  festen  Überzeugung,  dass  man  das  Gleichgewicht zwischen  Buchmachern  und  Totalisator  im  Rahmen  eines  neuen Glücksspielstaatsvertrages  wieder  herstellen  kann,  ohne  die Steuererstattung  zu  gefährden.  Entscheidend  ist  aus  unserer Sicht, dass  sich  die  Verantwortlichen  beider  Rennsportfraktionen  an  einen  Tisch  setzen,  eine  gemeinsame  Linie  abstimmen und diese dann  zusammen  gegenüber  Politik  und  Öffentlichkeit  vertreten.  Es  ist  schon  unwahrscheinlich  genug,  dass  ein  gemeinsam auftretender  Rennsport  in  der  Politik  Gehör  finden  wird. Ein  Ding  der  Unmöglichkeit  ist  dies  aber,  wenn  die  Fraktionen zerstritten  sind.

Die  inoffizielle  Begründung  für  das  aus  unserer  Sicht  unsägliche  Verhalten  des  Galopprennsports,  man  müsse  den  Wert  der Kommanditanteile  schützen,  kann  ebenso  wenig  überzeugen  wie die offizielle.

Wir  sind  der  festen  Überzeugung,  dass  nicht  einer  der  397  Kommanditisten  seine  Beteiligung  aus  anderen  Motiven,  als  zur Rettung  des  Rennsports  beizutragen,  eingegangen  ist.  Alle  397 Kommanditisten  sind  erwachsene  Menschen,  denen  sowohl  die Risiken  einer  solchen  unternehmerischen  Beteiligung  als  auch  die von  vornherein  nur  äußerst  vagen  Erfolgschancen  im  Hinblick auf  eine  Gesundung  des  Rennsports  sehr  wohl  bewusst  waren.

Sehr  geehrter  Herr  Woeste,  es  ist  noch  nicht  zu  spät  für  einen Kurswechsel.

Herr  Woeste,  lassen  Sie  nicht  länger  zu,  dass

  • Sie  persönlich  vor  den  Karren  der  Buchmacher  gespannt werden,
  • in  Ihrem  Namen  Sachverhalte  und  Zusammenhänge  bewusst falsch  dargestellt  werden,
  • in  Ihrem  Namen  aufrichtige  Rennsportfreunde  in  unerträglicher  Weise  öffentlich  und  persönlich diffamiert  werden.

Herr  Woeste,  ergreifen  Sie  jetzt  die  sich  für  den  Galopprennsport  bietende  einmalige  Chance  und

  • setzten  Sie  sich  konstruktiv mit  den  Argumenten  des  HVT und  von  Herrn  Dr.  Reinhard Göhner  auseinander,
  • erwirken  Sie  eine  Allianz  mit  dem  HVT,
  • suchen  Sie  fachlichen  Rat  bei Personen,  deren  Interessenlage  nicht  von  einer  Beteiligung  an  Buchmacheraktivitäten beeinflusst  ist.

Sehr  geehrter  Herr  Woeste,  wir  wünschen  uns,  dass  kommende Rennsportgenerationen  sich  an  Sie  erinnern  als  Retter  des Galopprennsports,  als  den  Mann,  der  dafür  gesorgt  hat,  dass  nach jahrelanger  Agonie  wieder  ein  fairer  Wettbewerb  zwischen Buchmachern  und  Totalisator  entstehen  konnte.

Wir  wünschen  uns  nicht,  dass  man  sich  an  Sie  erinnert  als  den Mann,  der  als  Lichas  dafür  gesorgt  hat,  dass  der  Galoppsport in  Deutschland  auf  ewig  ein  Schattendasein  fristen  muss.

Sehr  geehrter  Herr  Woeste,  die  Buchmacher  verdienen  Ihren  Einsatz  für  ihre  Sache  nicht.  Die  Buchmacher  haben  jahrelang  als Trittbrettfahrer  einer  Wettbewerbsverzerrung  sehr  gut  auf  Kosten  des  Sports  gelebt.  Wenn  sie  in  Zukunft  wieder  die  ihnen vom RWLG  zugewiesene  Rolle  einnehmen  müssten,  wäre  das  mehr als  gerecht  und  voll  im  Sinne  des  Sports.  Umso  mehr  verdienen die  Züchter  und  Besitzer  von  Rennpferden,  die  Jockeys,  Trainer und  Stallangestellten  sowie  die  weiteren  dem  Sport  auf verschiedene  Weise  verbundenen  Menschen  Ihren  Einsatz.

Die  Entscheidung,  sehr  geehrter  Herr  Woeste  liegt  jetzt  bei Ihnen.

Mit  freundlichen  Grüßen

Rolf  Ostmann             Dr.  Jan  Kleeberg

Comments

2 Responses to “Offener Brief in Sachen Glücksspielstaatsvertrag”
  1. Dr. Jan Kleeberg sagt:

    Meine Kunden: Win Race Pferderenn Vermarktungs GmbH: Beratung bei den Außenwerbeaktivitäten

    Noch Fragen….

  2. h.schmelz sagt:

    sehr geehrte herren,

    so langsam muß man sich fragen, ob sie die verhältnisse noch angemessen beschreiben. totengräber des sports lautet der vorwurf an herrn wöste, öffentlich und mit viel getöse verbreitet, wenn man mal die kampagnen von herrn göhner und dem hvt mitrechnet. ich rate dringend, die kirche im dorf zu lassen und vor allen dingen nicht zu unterschlagen, daß der hvt überhaupt nischt zu sagen hat, sondern das sagt, was herr herz gutheißt. das ist ja auch in ordnung, aber der galoppsport ist nicht an herrn herz gekettet, sondern hat aus sich heraus racebets gemacht, dvr und private. da müssen sie es den anteilseignern überlasssen, welche geschäftspolitik die machen. da geht es um geld, und nicht um kohärenz mit dem hvt oder herrn herz. ihren nonchalanten hinweis auf die wahren beweggründe und die bereitschaft zum in-die-tonne-treten des investments können sie winrace/herz geben, mag sein, die hören drauf.

    ansonsten krankt ihre beweisführung wie die von herrn göhner massiv an fehlendem tatsachenvortrag; sie wünschen sich was, und stellen das als machbar dar. so kommen sie zur sabotage, wenn einer nicht mitmacht. das ist großer quatsch und unseriös. das sollten sie besser wissen. es geht nicht primär darum, was zu gestalten,sondern zu verhindern, was gestaltet werden soll. machen sie sich doch nichts vor. ich habe auch mit der staatskanzlei in magdeburg telephoniert. ich habe zwei ohren am kopf, ich kann das interpretieren. ich kann lesen, briefe und entwürfe.

    mfg,

    h.schmelz

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