Verzaubert Night Magic Berlin?
Juni 2, 2010 by Ekbert
Hoppegarten – Night Magic („Zauber der Nacht“), wenn das kein traumhafter Name für ein Rennpferd ist. Die vierjährige Vollblutstute, die ihn trägt, wurde vor kurzem „Galopper des Jahres 2009“. Und der Mann, dem sie gehört, hat die in Hessen geborene Braunschimmelstute vor drei Jahren zum Teil auch wegen ihres Namens ersteigert. Denn der Zauber der Nacht hat Hans-Gerd Wernicke (Foto, mitte) schon immer Glück gebracht: Der 79 jährige Unternehmer hat sein Vermögen zwar nicht im, aber mit dem Schlaf verdient. Seine Salzburger Firma Wenatex sorgt in zahlreichen Ländern auf verschiedenen Kontinenten für innovativen, orthopädisch optimalen Schlafkomfort. Zu den 1400 Mitarbeitern des Familienbetriebes gehören mehrere Dutzend bestens ausgebildete „Schlafberater“.
Wernicke – kein großes Wunder bei dem Namen – kommt aus Brandenburg, hat jahrelang in Berlin gelebt. Auch nach Jahrzehnten in Österreich und Süddeutschland schlägt sein Herz immer noch auch für die eigentliche Heimat. So führte ihn der Weg 2009 einmal nach Hoppegarten. Der Galopprennsport, seine vor einigen Jahren entdeckte Leidenschaft, hatte ihn dorthin gelockt, denn das Diana-Trial Ende Mai war eine der Stationen seiner damals dreijährigen Night Magic auf dem Weg zum großen Ruhm. Nach ihrem dritten Platz in bester Gegnerschaft in Hoppegarten gewann sie zunächst ein großes Rennen in Hamburg und danach in atemberaubendem Stil das zweitwertvollste Rennen Deutschlands, den Düsseldorfer Henkel Preis der Diana.
So wurde Night Magic zur „Stutenkönigin“. Vom Start bis ins Ziel dominierte sie das Rennen, ein ungefährdeter Vorsprung von viereinhalb Längen trennte sie vom Rest und das überwältigte Publikum hatte das Gefühl, ein Pferd von einem anderen Stern gesehen zu haben. Danach kam es zwar zu einem Patzer in Paris, aber das rückte sie gründlich zurecht bei ihrem Saisonabschluss in Rom, im Premio Lydia Tesio (Gruppe I), wo ihr der Sieg nur denkbar knapp entging.
Trainiert wird die Superstute in München-Riem von Wolfgang Figge, der sie vor drei Wochen zum Jahresauftakt wieder in ein Spitzenrennen in die italienische Hauptstadt schickte. „Dass sie dort nur Siebte war, darf man Night Magic nicht zu stark ankreiden“, kommentiert ihr Betreuer. „Konditionell war sie noch nicht voll da. Das wird jetzt in Hoppegarten schon anders aussehen.“ Genau 387.600 Euro hat die Stute bei ihren erst 11 Starts schon verdient (genau 19,57 Euro pro gelaufenen Meter).
Unter dem aus Ungarn stammenden Jockey Karoly Kerekes, ihrem ständigen Reiter, soll Wernickes Lieblingspferd am Sonntag an quasi heimischer Stätte für ihn siegen. Im Großen Preis der Haupstadtregion geht es über 2200 Meter um 70.000 Euro und die Gratulation durch den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Zauber der Nacht schon am Nachmittag? Für Hans-Gerd Wernicke, den pferdebegeisterten Schlafexperten, würde sich damit ein ganz besonderer Traum erfüllen.
© Text: Franziska Laskowsk, Hoppegarten
© Foto: turfstock.com, München






