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Unsere Melua lernt jetzt Französisch

September 9, 2009 by Ekbert 

melua2009_0turfcast.net – Und dann ist doch noch einer gekommen, dem unsere Stute richtig gut gefallen hat. Der nicht gleich die mitleidige Miene aufgesetzt hat – “na ja, sie ist ja schon ein bißchen klein”. Klar, Size matters, aber das sollte ja doch vor allem für was anderes gelten und nicht für ein Rennpferd.

Am späten Freitag Nachmittag hat er sich im Boxendorf der BBAG-Auktion Melua (Foto) angesehen, unsere Jährlingsstute von Sholokhov aus der Mandel Set, also eine nahe Verwandte zu Manduro. Wahrscheinlich hat den symphatischen jungen Mann genau das zur Box 191 gezogen – eine edle Lage, gleich neben den kommenden Stars von Etzean und Karlshof. Er hat sich die Dunkelbaune angesehen, einige vor ihm auch. Im Gegensatz zu allen anderen hat er sich aber sofort ein wenig in die Stute verliebt. Ghislain Bozo von Meridian International, so stellt er sich vor. 15 000 Euro hat Melua, liebevoll und kompetent aufgezogen im Gestüt Jettenhausen bei München, dann auf der Auktion gebracht. Bozo war einer von zwei Bietern und hatte die Hand am Schluss oben. Ein Preis, bei dem Monsieur Bozo normalerweise die Hand unten lässt. Er steigt bei höheren fünfstelligen Summen ein, und ist mitten drin, wenn es um die Top-Lots der Top-Auktionen geht. Bei den Arqana Sales in Deauville zum Beispiel. 2008 hat der Agent, der in der Liga Demi O’Byrne, Angus Gold oder John Ferguson spielt, einer jungen französischen Züchtergemeinschaft für 450 000 Euro einen Montjeu-Hengst aus der Midnight Angel gesichert. In diesem Jahr an gleicher Stelle einen Sinndar-Hengst aus der Valleyrose, Halbbruder zu den Gruppe-Pferden Star Valley und Kandidate für 200 000 Euro ersteigert und ihn der Marquesa De Moratalla weggeschnappt. Und ein solcher Big Player will unsere Stute?

Wir waren schon vor der Auktion eher deprimiert gewesen. Gut, Melua ist eine Halbschwester von Mancuso, den wir als Jährling zu einem anständigen Preis an Manfred Hofer verkaufen konnten (damals hatte die BBAG ihm die Papiere des Hengstes gegeben, obwohl jener noch nicht bezahlt gewesen war) und der bis zu einem Trainingsunfall einer der besten Zweijährigen im Wöhler-Stall gewesen ist. Hofer hatte ihn 2008 bei der Breeze Up in Baden Baden für 120 000 Euro nicht hergegeben. Meluas Dashing-Blade-Schwester Mandy’s Valentine ist bei Nina Bach im Training. Die hält einiges von der Zweijährigen. Aber das scheinen keine Argumente zu sein. Es ist wie auf dem Kunstmarkt: Wenn die Galerie zu klein und der Künstler nicht extrem gehyped ist, sind auch gute Bilder nichts wert. Kleine Züchter haben momentan nicht den Hauch einer Chance, wenigstens die Kosten für Sprung und Aufzucht reinzubekommen. Aber auch die großen Gestüte klagen. Das Ergebnis der Auktion in Iffezheim spricht Bände. Rückkauf folgte auf Rückkauf. Und wäre nicht Jürgen Albrecht gewesen, der Jahr für Jahr opulent für seinen Wodka-Millionär einkauft, dann sähe die Lage deutlich schlechter aus.

Bozo hat die Stute gekauft und damit für ein weiteres Jahr unsere züchterischen Aktivitäten gesichert. An Gewinn wagt man ja eh schon nicht mehr zu denken. “Glauben Sie, dass die Stute frühreif ist?”, sagt der Chef von Meridien International und lacht dabei. “Eben. Natürlich ist sie das nicht. Ich würde sie auch nicht als Agent kaufen. Aber sie gefällt mir und ich mag sie. Das wird mein eigenes Rennpferd. Ihr werdet sehen, dreijährig hat sie Black Type”. Wow. Das magische Wort, aus dem Munde eines absoluten Fachmanns. Das ist Balsam für die Züchterseele. Er will Melua zu Yves de Nicolay stellen, einen Trainer aus Deauville, der schon seit über 20 Jahren im Geschäft ist, immer mal wieder ein richtig gutes Pferd im Stall hatte und im vergangenen Jahr den Durchbruch mit 1,6 Millionen Euro Preisgeldern geschafft hat. Er ist der Trainer des klassischen Siegers Silver Frost.

Was für eine Adresse. Da schmerzt es dann gleich nicht mehr so, dass eine nahe Verwandte zum besten Rennpferd der Welt 2007 nur 15 000 Euro bringt, obwohl sie sicher ein Vielfaches wert ist. Klar, sie ist kein Riese. Aber es geht ja bei Vollblut-Jährlingen doch nicht um den Kilopreis. Oder? “Oh, so viel Geld für so wenig Pferd”, sagt Ghislain Bozo scherzhaft, als er sich die Stute nach dem Zuschlag nochmal in der Box anschaut. “Na gut, dann kaufen wir Sie eben sofort zurück, wenn sie Ihnen zu mickrig ist”, sagt mein Züchter-Kompagnon Harald Schneider. “Nein, nein”, ruft Bozo. “Die gebe ich bestimmt nicht mehr her”. Danke, noch ein Kompliment. Melua hört das und wächst im Handumdrehen um eine ganze Hand. Ist schon ein schönes Modell. Sehr ausgewogen. Gratulation, Monsieur Bozo. Der Top-Agent hat übrigens kein anderes Pferd bei der Auktion erworben. Keines für seine erlesene Klientel. Nur dieses eine für sich selber. Unsere Melua.

© Text: Michael Luxenburger, München
© Foto: Harald Schneider, München

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Comments

One Response to “Unsere Melua lernt jetzt Französisch”
  1. Anja sagt:

    Vielen herzlichen Dank für diesen schönen Bericht zu einer hübschen Stute, die auch mir schon aufgefallen ist. Es macht Spaß zu lesen, was vor und hinter so einem Auktionskauf so passiert und was die Geschichte hinter einem Pferd ist.
    Alles Gute für Melua!

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