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turfkopf – Wenn Kalender sprechen könnten

Oktober 22, 2010 by Hemke 

Hemke Label Kalender © turfstock.com/BaloghRolf C. Hemke – Im Zuge der Renntagsplanungen für die kommende Saison wurde bereits in der vorletzten Woche bekannt, dass die Gr.2-Europameile künftig in München-Riem ausgetragen werden soll. Bislang stellte sie zusammen mit dem Gr. 1-Preis von Europa das Herzstück des Kölner Hauptrenntages dar. Der Geschäftsführer des Kölner Rennvereins, Benedikt Fassbender, bestätigte dies auf Anfrage von turfcast.net und führte zur Begründung aus, dass der umtriebige Münchner Rennverein schlicht auf der Suche nach einem Gr. 2-Rennen gewesen sei.

„Der Kölner Europarenntag ist mit vier Listenrennen und zwei Gruppeprüfungen so gut aufgestellt, dass das Gruppe 2-Rennen an diesem Tag für Köln als verzichtbar erschien“, so Fassbender, „zudem gibt es Perspektiven, dass eines der Listenrennen in absehbarer Zeit zu einem Grupperennen aufgewertet werden könnte“. Ob es an anderer Stelle eine Kompensation durch die Übernahme eines neuen Grupperennens geben werde, stünde derzeit noch nicht fest. Durch die Neuorganisation des Frankfurter Rennbetriebes und des Frühjahrsmeetings von Baden-Baden gäbe es noch viele offene Fragen hinsichtlich der Organisation des Kalenders von Grupperennen, so Fassbender weiter.

Was sich wie eine Notiz am Rande liest, verdient doch ein kurzes Innehalten. Denn immerhin wird damit der hochkarätigste Renntag Deutschlands zerpflückt. Es gibt oder vielmehr gab hierzulande keinen anderen Renntag, an dem zwei Grupperennen der beiden höchsten Kategorien ausgetragen werden. Dem planmäßigen Rennkalender 2010 zufolge gab es ohnehin nur drei Renntage mit zwei Grupperennen – allesamt in Köln: Neben dem Europarenntag vom 26.09. wurden am 09.05. der Gr.2-Gerling-Preis und die Gr.3-Silberne Peitsche ausgetragen und am 24.05. neben dem Gr.2-Mehl-Mühlens-Rennen das Gr. 3-Schwarzgold-Rennen.

Zwei weitere außerplanmäßige Renntage mit jeweils zwei Grupperennen fanden am 06.06. in Hoppegarten (durch die Übernahme eines Gr. 2 und eines Gr.3- Rennens vom ausgefallenen Baden-Badener Frühjahrsmeeting) und am 10.10. in Düsseldorf statt (durch die Übernahme des Frankfurter Stutenpreises). Alle fünf Renntage mit zwei Grupperennen erfreuten sich eines übermäßig starken Besuchs im Vergleich zu anderen Renntagen mit jeweils nur einem Grupperennen, einer gesteigerten Medienaufmerksamkeit und eines besonders starken Wettumsatzes.

Schaut man ins Ausland, sind die hochkarätigen Renntage mit mehr als einem Grupperennen eher Regel als Ausnahme, ob in Italien, Frankreich, England oder Irland. Es sind dies die Renntage, die internationale Aufmerksamkeit generieren, die Galoppsporttouristen anziehen und die auch für Pferde entsendende Ställe um so interessanter sind, als sie ggf. nicht nur in einem, sondern in mehreren Grupperennen Starter platzieren können und Transportkosten sparen können. Bei all den Diskussionen um die Attraktivität des deutschen Galoppsports scheint die Platzierung der Grupperennen nur nach dem Gießkannenprinzip zu funktionieren und nicht unter der Frage diskutiert zu werden, welche Kombinationen von Grupperennen an einem Renntag Sinn machen könnten.

Doch Aufmerksamkeit jenseits der Galoppsportszene erreicht man insbesondere mit geballtem Spitzensport und der findet auf deutschen Rennbahnen allzu sporadisch statt. Das passende Rahmenprogramm rund um eines der sieben Gr.1-Rennen des deutschen Galoppsport-Kalenders sind eben nicht nur ein paar kleine Listenrennen, die in Anbetracht ihrer Mindestdotierung von 20.000 € international ohnehin nur Marginalien darstellen.

Wenn es dem deutschen Rennsport in mancher Saison an international wirklich konkurrenzfähigen Galoppern mangelt, ist das bedauerlich, aber wohl auch nur durch langfristige Zuchtanstrengungen zu ändern. Ein wichtiger struktureller Schritt aber wäre es, dem deutschen Rennbetrieb an sich wieder international größere Geltung zu verschaffen. Dies kann durch eine Fokussierung auf große Grupperenntage erfolgen, wie sie vom Kölner Rennverein zumindest in dieser Saison betrieben wurde. Der italienische Rennbetrieb kann insoweit als Vorbild dienen. Und wer weiß, vielleicht kann man mit einer solchen Attraktivierung bestimmter Renntage auch neue Sponsoren gewinnen, denn die unterdurchschnittliche Dotierung der deutschen Grupperennen im internationalen Vergleich ist direkt das nächste leidige Thema.

© [M] Foto: turfstock.com, München

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