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turfkopf – Italien – Sehnsuchtsland deutscher Galopper

Oktober 13, 2010 by Hemke 

Hemke Label Italia © turfstock.com/BaloghRolf C. Hemke – Italien ist bekanntlich für viele Deutsche das Land der Sehnsüchte. Den Galoppsportfreunden ist es aber in den letzten Jahren sicherlich nicht nur wegen Pasta, Wein, Sonne und der alten Trümmer immer mehr ans Herz gewachsen. Schließlich ist Galopper-Deutschland in Italien noch wer. Andreas Wöhlers Querari gewann völlig überraschend Mitte Mai dieses Jahres den Gr. I-Premio Presidente della Repubblica in Rom. Quijano gewann 2008 und 2009 den Gran Premio di Milano, während in diesem Jahr dort der Ullmann-Hengst Getaway bei seinem letzten Karrierestart Zweiter wurde. Und am nächsten Wochenende starten Night Magic, Scalo und Quijano aller Voraussicht nach im Mailänder Gr. I-Examen Gran Premio del Jockey Club e Coppa d’Oro über 2400 m –mit guten Aussichten.

Auch die Ergebnisse des vergangenen Wochenendes nehmen sich nicht schlecht aus: Zwei Gruppe I und zwei Gruppe III Rennen standen Samstag in Mailand auf dem Programm. Beide Gruppe I Rennen gingen an die Stakes-Sammler von Godolphin: Das Gran Criterium für 2jährige über die Meile gewann Biondetti unter Ahmed Ajtebi, vor der von Mick Channon trainierten Stute Singapore Lilly und dem von Stefano Botti trainierte Billy Budd. Der Premio Vittorio di Capua für dreijährige und ältere Pferde – ebenfalls über die Meile – ging an Rio de la Plata unter Frankie Dettori. Zweite wurde hier die von Roland Dzubasz in Hoppegarten trainierte deutsche Ausnahmestute Vanjura vor keinem Geringeren als dem von Vittorio Caruso trainierten, amtierenden italienischen 2000-Guineas- und Derbysieger Worthadd.

In den beiden Gr. III-Prüfungen sah die italienische Bilanz noch trüber aus: Kein im Stiefelland trainiertes Pferd lief hier unter die ersten drei. Im Premio Sergio Cumani für 3jährige und ältere Stuten – wiederum über die Meile – siegten Michael Jarvis Sajjha vor der Godolphin-Stute Aspectoflove. Dritte wurde die von Werner Hefter trainierte Rockatella unter Karoly Kerekes – acht deutsche Stuten gingen hier an den Start, vier italienische, zwei englische, eine tschechische. Im Premio Verziere schließlich, einem Stutenrennen über 2000 m, gab es – bei fünf deutschen, drei italienischen und einer tschechischen Starterin – einen deutschen Doppelsieg: Nachdem sie bereits ein Listenrennen in Meran gewonnen hatte, siegte die von Hans-Jürgen Gröschel betreute Irini auch in Mailand vor der von Andreas Wöhler trainierten Tech Exceed und der tschechischen Stute Sakheart. Englische Stuten waren in dieser Prüfung bezeichnenderweise nicht am Start.

Bei aller Freude über die guten deutschen Platzierungen: Böse gesprochen hat die deutsche Startermasse die Brosamen aufgelesen, die die britische Starterklasse übrig gelassen hatten. Schließlich waren im Gran Criterium wie im Premio Sergio Cumani jeweils exakt zwei englische Pferde am Start. Allein die Platzierungen der deutschen Vanjura und des italienischen Hengstes Worthadd im Premio Vittroio di Capua deuten an, dass die englische Dominanz nicht allmächtig ist. Denn dort war u.a. mit der von François Rohaut trainierten Französin Liliside und dem von Michael Jarvis trainierten, allerdings in die Jahre gekommenen Münchner Gr.I-Sieger Pressing zumindest der Papierform nach nicht unwesentliche Konkurrenz am Start. Auch wenn englische oder französische Gr.I-Rennen dieser Dotierung (297.000 €) regelmäßig ganz andere Besetzungen finden.

Immerhin bleibt zu konstatieren, dass Vanjura nach ihrem überlegenen Dreieinhalb-Längen-Sieg gegen allerdings auch nur mittelmäßige Konkurrenz in der mit 195.000 € dotierten Gr. II-Istanbul Trophy für 3jährige und ältere Stuten Anfang September nun eine Etage höher gegen ältere Hengste sehr respektabel lief. Vom aktuellen Pariser Gr.1-Prix du Moulin-Zweiten Rio de la Plata, zur Zeit tatsächlich eines der Formpferde im Godolphin-Stall von Saeed bin Suroor, trennte sie nur ein Kopf. Mit dieser Form könnte sich Vanjura nun tatsächlich auch mit berechtigten Aussichten in Gr.I-Rennen in England oder Frankreich begeben.

Dieses Ergebnis in Relation zum Resultat des am Sonntag gelaufenen Gr. III-Großen Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf über 1700 zu setzen ist nicht ganz einfach und wäre auch müßig, wenn sich der von Jens Hirschberger trainierte Ullmann-Hengst Alianthus unter Adrie de Vries nicht zum wiederholten Masse grandios in Szene gesetzt hätte. Nachdem er bereits zwei Wochen zuvor die Gr. II-Europa-Meile in Köln mit 3 Längen gegenüber Noble Alpha gewonnen hatte, war er nun mehr mit eindreiviertel Längen Vorsprung gegenüber diesem erfolgreich. Und das trotz 1,5 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber seinem Kölner Erfolg und bei 3,5 Kilo absolutem Mehrgewicht auf den von Mario Hofer trainierten dreijährigen Hengst. Bemerkenswert erscheint auch, dass Noble Alpha in Köln eindreiviertel und in Düsseldorf zwei Längen Vorsprung auf die jeweiligen Dritten hatte. Das sah jeweils nach einer Drei-Klassen-Gesellschaft aus.

Am besten lassen sich die Leistungen von Alianthus und Vanjura über die Zeit vergleichen. Da der Boden am Samstag in Mailand und am Sonntag im Düsseldorf jeweils weich war, hat dieser Wert, trotz der sehr unterschiedlichen Anlage der Bahnen, zumindest einen gewissen Nährwert: Rechnet man die 1700 m-Zeit von Alianthus, die 1:44, 34 min betrug, auf 1600 m herunter, dann liegt er auf die hundertstel genau in der Zeit von Rio de la Plata, die 1:38,20 betrug. Zieht man ins Kalkül, mit welcher Leichtigkeit Alianthus in Düsseldorf gewann, während sich Rio de la Plata gegen Vanjura mehr als strecken musste, dann dürften die Schlenderhaner Rennplaner im Nachhinein schon ein wenig hadern, mit Alianthus nicht doch den Versuch in Mailand gewagt zu haben. Der fünfjährige Ullmann-Crack agiert in der Form seines Lebens! Hirschberger deutete nun an, dass Alianthus als nächstes voraussichtlich in den Gr. II-Premio Ribot am ersten November-Wochenende in Rom gehen dürfte.

In Düsseldorf wurde an diesem Sonntag noch ein weiteres Gr.III-Rennen ausgetragen. In Anbetracht der für den gesamten deutschen Galoppsport bitteren, neuerlichen Frankfurter Capricen wurde der dortige Stutenpreis als Oberbürgermeister Dirk Elbers-Preis über 2200 m auf dem Grafenberg ausgetragen – zufälligerweise dieselbe Distanz über die an gleichem Ort auch alljährlich die deutsche Diana, das Stutenderby, ausgetragen wird. Das Rennen gewann die französische Favoritin Pearl Banks für ihren Trainer Francois Rohaut leicht mit anderthalb Längen, der bei diesem Einsatz mehr Fortune hatte als mit Liliside, die Tags zuvor gut vier Längen hinter Rio de la Plata zurück in Mailand nur Achte wurde. In Anbetracht des strahlenden Wetters ließen sich immerhin 10800 Menschen das Düsseldorfer Saisonfinale nicht entgehen. Von mangelnder Attraktivität des Rennsports mochte man da nicht mehr reden.

© Foto: turfstock.com, München

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