Topfavoriten locken in Dortmund
Dezember 25, 2009 by Ekbert
Dortmund – “Pferderennen sind keine mündelsichere Geldanlage.“ Dieser im Grunde wenig überraschende Satz soll vor einigen Jahren in einem Urteil des Landgerichts Köln gestanden haben. Hin und wieder gibt es aber Fälle, in denen man einen anderen Eindruck bekommt: Als „Elfmeter ohne Torwart“ wurde am letzten Dortmunder Renntag ein Sieg des vierjährigen Wallachs König Shuttle angekündigt, Rennkommentator versprach dem Publikum bei seiner Moderation im Führring: „Dieses Pferd wird das Rennen komfortabel gewinnen“ und so kam es denn auch: Schon im Schlußbogen des 1200 Meter-Rennens übernahm König Shuttle unter Alexander Pietsch die Führrung und lief von da an weiter, als wären die Gegner gar nicht da.
Am kommenden Sonntag wird es vielleicht noch toller in Wambel, denn gleich dreimal sieht es so aus, als könnte man sich als Zuschauer von vornherein auf die Suche nach den Platzierten konzentrieren. Charitonas, ein Sohn des führenden europäischen Deckhengstes Monsun, ist schon im zweiten Rennen des Tages derjenige Akteur, auf den alle blicken werden. Zwei Starts auf der Sandbahn, zwei Siege – so lautet seine bisherige Ausbeute, jeweils auf der Dortmunder Bahn. Schwer vorzustellen, daß dem Schützling des Neusser Trainers Axel Kleinkorres diesmal jemand paroli bieten könnte. Zu Optimismus berechtigt auch die Reiterfrage, denn der Star der Szene, Eduardo Pedroza, wird sich in den Sattel schwingen. Der Panamese, der unmittelbar vor seinem dritten Jockeychampionat steht und diesen Hattrick als erster Ausländer überhaupt zustandebringen wird, ist ein zusätzlicher Pluspunkt für Charitonas.
Ähnlich klar ist im vierten Rennen die Favoritenstellung von Barosch, obwohl es sich dabei um ein Handicaprennen handelt. Steffi Hofer, die Tochter des Spitzentrainers Mario Hofer und gleichzeitig seine Auszubildende, wird ihn wie schon bei seinem Sieg beim letzten Start steuern. Er scheint ein Talent mit Zukunft auf der Sandbahn zu sein. Vor drei Wochen siegte er in passabler Gesellschaft gleich mit 11 Längen Vorsprung. Daher rührt der Respekt, dem man ihm jetzt entgegenbringt.
Der dritte Topfavorit ist im fünften Rennen Classical Song, der Vierjährige, der im vergangenen Jahr sogar das niederländische Derby gewann. Sein Trainer Christian von der Recke kehrt mit ihm nach Starts in sportlich größeren Rennen in Frankreich nun auf ein Niveau zurück, auf dem er voraussichtlich kaum Gegner zu fürchten hat, obwohl – kurios – mit The Lemonpie auch der vorjährige Derbysieger Belgiens mit von der Partie ist.
Wer gerne herzhafte Wetten auf Favoriten macht, für den könnte es also der Tag der Tage sein in Wambel, vor allem in Anbetracht der für die Wintersaison erheblich angehobenen Quotenauszahlung in der Sieg- und Platzwette. Aber, siehe oben, um mündelsichere Geldanlagen handelt es sich dennoch nicht. Auch beim Pferderennen gilt: Das Wesentliche am Unwahrscheinlichen ist, daß es manchmal eintritt. Anderenfaalls wäre es nicht das Unwahrscheinliche, sondern das Unmögliche…und unmöglich ist beim Pferderennen nun einmal gar nichts.
Wen kleine Quoten nicht reizen, für den ist das achte der neun Rennen das Richtige, denn in diesem 14 Pferde-Handicap ermöglicht ein hoher Jackpot (8729,16 Euro) vom letzten Renntag eine Garantieauszahlung in der Viererwette von 20.000 Euro. Wer da den richtigen Riecher hat, kann sich leicht selber noch ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk machen.
Es ist der vorletzte Renntag der Galoppsaison, die am Silvestertag in Neuss endet. Christian Freiherr von der Recke versucht mit einem Gewaltangriff von 12 Startern seinen Rückstand von fünf Punkten im Trainerchampionat zu verkürzen. Andreas Wöhler aus Güterloh liegt mit 70 Siegen in Führung, läßt den Renntag in Wambel aber aus. Dem ehrgeizigen Freiherrn, der 65 Siege auf dem Konto hat, verbleibt damit durchaus eine kleine Chance, seinen Titel zu verteidigen. Aber dafür müssen die Recke-Galopper punkten, punkten, punkten.
Den Rennsportfreunden wird an diesem „dritten Weihnachtsfeiertag“ also sehr viel geboten, zumal die Wambeler Rennbahn eine spürbare Verbesserung auch des gastronomischen Angebots für die Besucher vorweisen kann. Und: Der Eintritt ist auch diesmal frei, auch auf den beheizten Glastribünen.
© Text: Peter Brauer, Köln
© Foto: turfcast.net, München





