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The Plumpton Experience

März 15, 2011 by Luxenburger 

Reiter und Pferde vor dem Start in Plumpton. © turfstock.com/Balogh Michael Luxenburger – Wahrscheinlich ist das die einzige Rennbahn auf der ganzen Welt, auf der Rennpferde mit Eisenbahnzügen Kopf/Kopf gehen. Im Schlussbogen von Plumpton Racecourse liegt der Hürden-Kurs parallel zur Bahnstrecke Owe - London Victoria, der Bahnhof ist keine zehn Meter von den Außenrails entfernt. Leider war der Zug deutlich schneller als alle Pferde, die ich an diesem Montag, dem Warm Up vor dem Cheltenham Festival, gewettet habe. Das nächste Mal setze ich auf den Zug.
Aber sonst zeigte sich die Rennbahn in East Sussex von ihrer besten Seite. Mark Cornford, Clerc of the course (etwa mit dem Geschäftsführer auf deutschen Bahnen zu vergleichen), liebt seine Bahn. In einem winzigen Sekretariat, in dem ganz offensichtlich nur freundliche und fröhliche Menschen am Werk sind, herrschte symphatisches Durcheinander. In einer hübsch herausgeputzten Ziegelbude mit winkligen Treppen finden sich neben dem Sekretariat und dem Stewards Room liebevoll hergerichtete Hospitality-Boxen, Champagner, die üblichen Lachshäppchen und Sandwiches stehen bereit. Cornford erklärt uns alles ganz genau – die Geschichte der Rennbahn, die ein lokaler Geschäftsmann Ende der 80er Jahre übernahm, sanierte und seither quasi als Hobby betreibt. 16 Renntage gibt es in der National Hunt-Saison, die Preisgelder stellen vorwiegend lokale Sponsoren oder die Buchmacher-Industrie zur Verfügung. Die Rennbahn hat ihre Bildrechte behalten und verkauft die Rennverfilmung jedes Jahr neu an Racing UK oder At The Races. Cornford sagt, dass die Souveränität in dieser Beziehung absolut wichtig für das Bestehen der Bahn ist. Neben dem Ziel steht eine Videowand, die fast so groß wie die Tribüne erscheint. Die Rennverfilmung ist erste Sahne. Cornford verschweigt aber nicht, dass es von Jahr zu Jahr schwerer wird. Seine Familie ist seit drei Generationen in Plumpton Racecourse involviert. Da ist der Clerc of the course besonders stolz drauf.

Mittlerweile hat sich die Rennbahn gefüllt. Etwa 1200 Besucher werden es sein, Durchschnittsalter 50, einige Gründungsmitglieder sind wohl auch dabei. Großartige Typen, wie man sie nur in Englands Countryside findet. Besonders die little old Ladies haben sich herausgeputzt. Rund 20 Buchmacher sind da, unter ihnen auch der große Barry Dennis, der heuer Schluss macht mit dem Geschäft – gegen die Giganten und das Internet haben auch die big old boys unter den Layers keine Chance mehr. Dennis ruft mit seiner mächtigen Stimme “9 to 4 the field”, und das kann man in jedem Winkel der Bahn hören.

Der Clerc führt uns zum Kaffee-Stand, dessen Besitzer uns gleich einlädt. Zwei Racing Journalists aus Germany, das gibt es in Plumpton nicht alle Tage. Der Kaffee ist aber auch das Einzige, was an diesem Tag kein Loch in die Kasse reißt. Da die Pferde etwa die Klasse derer haben, die früher in Herxheim ihre Runden gedreht haben, ist die Wetterei eher ein Zufallsspiel. Gleich das einleitende Novice Hurdle gewinnt mit Turtle Thomas ein 33/1-Außenseiter, trainiert von einem gewissen Lawney Hill in Watlington. Immerhin, den Reiter Harry Skelton kennt man. Danach beginnt der große Auftritt von Sam Twiston-Davies. Bis zum 5. Rennen – danach ging unser Zug – hatte er schon drei Stück gewonnen. Auf diesem Kurs, der Cheltenham sehr ähnelt: Auf und ab in der Gegengeraden, der vorletzte Sprung bergab, die Zielgerade ansteigend, und im Hintergrund eine Hügelkette wie Cleeve Hill.
Außer einem schönen Tag auf einer symphatischen Rennbahn mit netten und kompetenten Leuten steht noch auf der Habenseite, dass ich meinen Traumjob gefunden habe: Schrankenwärter am Bahnhof Plumpton. Da gibt es tatsächlich noch einen Menschen, der die Schranken (es sind in Wirklichkeit Rails, die abwechselnd die Straße oder die Schienen eingrenzen), mit einer Handkurbel bedient. Er steht in einer Turmstube, die auf einem schnuckeligen Haus an der Geleisen thront. Er hat einen großartigen Blick auf die Rennbahn, und das Häuschen, in dem er da wohnt, hat einen sehr hübschen Garten. Besser geht’s nicht.
Wir wollen jetzt den tüchtigen Leuten in Plumpton Racecourse nicht zu nahe treten, aber am Dienstag beginnt the real thing. Wenn 60 000 Leute auf der Bahn im Prestbury Park schreien, als hätte gerade Wayne Rooney das Siegtor für England im WM-Finale geschossen, dann wurde gerade das Supreme Novices Hurdle, traditionell das erste Rennen des viertägigen Cheltenham Festivals, gestartet. Seit Wochen (oder, ehrlicher, seit Monaten) werden von Lajos und mir Formen studiert, Videos angeschaut, Ante Post-Wetten abgeschlossen. Die merkwürdige Tierarzt-Geschichte rund um Binocular (schon im Vorjahr gab’s da das reinste Possenspiel) hat ja gerade Wetten im Wert von Hunderttausenden von Pfund versenkt. Komisch, dass immer bei Nicky Henderson so was passiert . . . Aber ansonsten lief wetttechnisch (bisher) alles nach Plan. Banker in den Schiebewetten wie First Lieutenant sind in der Quote stark gefallen, und außer Celestial Halo gab es keine weiteren größeren Ausfälle. Aber da gibt’s das Geld zurück – zumindest bei Totesport.
Tipps gibt’s natürlich auch noch. Im Supreme Novices Hurdle kann man den klaren Favoriten Cue Card guten Gewissens mit Spirit Son opponieren, und außerdem sollte man daran denken, dass dieses Rennen oft vom zweitmeist gewetteten irischen Kandidaten gewonnen wird. Die Spinal Research Handicap Chase ruft nach einer Außenseiterwette, hier kommen der Harzburger Fair Along (25/1) und Ogee (16/1) in Frage. Das Champion Hurdle sollte Peddlers Cross gewinnen, er dürfte einen Tick mehr Klasse als Menorah haben. Hurricane Fly? Hier ist es schwerer als in Irland. Die Cross Country Chase dagegen geht normalerweise an einen Gast von der Grünen Insel, Sizing Australia sollte es machen. Für Freunde von Außenseitern sei Oscar Bay (33/1) erwähnt. Quevega (2/1) sieht erneut wie ein sicheres Ding für das David Nicholson Mares Hurdle aus, aber Nigel Twiston-Davies erwartet von L’Accordioniste (12/1) ein sehr gutes Laufen.Ein absolutes Rathaus ist dagegen die abschließende Centenary Novices Handicap Chase. Tullamore Dew (10/1) hat einen tollen Formspiegel, aber vielleicht packen die Iren einen aus. Lastoftheleaders ist ein interessanter Aussenseiter, der bisher gut versteckt worden ist. 20/1 sollte er schon bringen.

© Foto: turfstock.com, München

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