Spitzenturf zum Ausklang der Saison 2007
Oktober 31, 2007 by Ekbert
Köln – Zugegeben, die Floskel mit der Tradition und dem Brauchtum ist etwas abgegriffen. Aber irgendwie passt sie doch fast immer, wenn in Köln etwas passiert. Vor allem wenn es mit Karneval zu hat, dem „Fastelovend“, wie man hier sagt. Und wenn mal eine Tradition oder ein Brauchtum gebrochen wird, ist das Gejammer meist groß. Wie etwa vor zwei Jahren, als das karnevalistische Tätärätätä, welches seit etlichen Jahren jeden letzten Saisonrenntag auf der Kölner Galopprennbahn begleitet hatte, aus zwingenden Gründen einmal ausfallen musste.
In der Tat ein unhaltbarer Zustand. Die domstädtische Renngemeinde maulte, und die Karnevalisten sahen sich ihres traditionellen „Aufgalopps“ für den 11.11. und die schon hinter dem letzten Kalenderblatt des noch laufenden Jahres auf sie wartende neue Session beraubt. Die 2008 im Übrigen so kurz ist, wie sie seit Menschengedenken nicht mehr war. Das aber nur nebenbei.
Wichtig ist in Köln nur eines, dass man „Fründe hätt“, also gute Freunde besitzt. Die muss man aktivieren, und dann ist meist ganz schnell die Welt wieder in Ordnung.
Nachdem im letzten Jahr beim Saisonfinale zum Abschluss schon wieder ein erster karnevalistischer Hauch über den Weidenpescher Park geweht war, präsentiert sich der Kölner Galoppkehraus 2007 wieder in gewohnter karnevalistischer Pracht. Vor allem aber auch mit einem Programm von gleichermaßen hohem sportlichen wie internationalem Niveau.
Denn kaum, wenn die Klänge des ab 11.00 Uhr beginnenden karnevalistischen Showprogramms verklungen sind, geht’ s schon los. Nach Musik der Gruppen „Kölsche Adler“, „Jraduss“ und „Loss mer fiere“ warten bereits zwei höchst interessante Rennen für Zweijährige auf das Publikum, der Preis der Altstädter Köln 1922 e.V. (12.30 Uhr) und der Preis der Kölner Funkenartillerie Blau-Weiß von 1870 e.V. (13.00 Uhr).
Der erste Höhepunkt des Tages ist dann der UBS Sprint-Preis (14.35 Uhr), ein mit 20.000 EUR dotiertes Listenrennen über 1400 Meter mit Startern aus Dänemark, den Niederlanden und Frankreich.
Höchst international präsentiert sich danach auch das letzte Weidenpescher Gruppe-Rennen der Saison 2007, die Kölner Herbst-Stuten-Meile, welche mit 50.000 EUR dotiert ist. Hier sieht es in der Tat danach aus, als wanderte der Löwenanteil der Preissumme nach Frankreich. Denn kein Geringerer als der französische Spitzentrainer Henri Alex Pantall schickt ein schon ganz beachtliches Kaliber nach Köln. Es ist eine dreijährige Stute namens Vincennes, die im Besitz von Sheikh Mohammed al Maktoum aus Dubai ist.
Dass weder Kosten noch Mühen gescheut wurden, lässt sich schon daran erkennen, dass die hochnobel gezogene Stute erst über eine 7.500 EUR teuere Nachnennung ins Rennen gelangte. Ihr Vater King’s Best vertrat ebenso wie ihre Mutter Park Appeal auf der Rennbahn wahre Ausnahmeklasse.
Wie es scheint, steht Vincennes kurz vor dem Wechsel ins Gestüt. Nachdem sie vor zwei Wochen den Prix de Saint-Cyr in Chantilly derart überlegen gewonnen und damit vielleicht sogar ihren Trainer einigermaßen verblüfft hat, traut man ihr in der jetzigen Hochform wohl auch noch einen Gruppe-Sieg zu. Was natürlich Vincennes Wert als Zuchtstute noch deutlich erhöhen würde. Geritten wird die Dreijährige von Johan Victoire, einem der besten französischen Nachwuchsjockeys.
Aber nicht nur die Frankreich/Dubai-Connection möchte noch Gruppe-III-Meriten. Das Umfeld der englischen Stute Contentious (Jockey Pat Dobbs) hat solche wohl genauso im Sinn. Doch das deutsche Aufgebot wegen Vincennes und Contentious von vornherein als chancenlos einzustufen, scheint dennoch kaum gerechtfertigt. Zumal es angeführt wird vom Formpferd Laeya Star (Andreas Boschert), das noch am vergangenen Kölner Renntag äußerst überzeugend ein Listenrennen gewann.
Da ihr Jockey Ende der Saison die Rennstiefel an den sprichwörtlichen Nagel hängt, ist der 4. November für Andreas Boschert zugleich ein Abschiednehmen vom Kölner Publikum.
Neben Laeya Star werden aus hiesigen Ställen außerdem noch gesattelt: Tanja Belle (Jiri Palik), Highness (Andrasch Starke), Ledicea (Torsten Mundry), Prianca (Alessandro Schikora), Sasphee (Pascal van De Keere) und Scoubidou (Jean-Pierre Carvalho)
Wenn die 9 Stuten durchs Ziel gegangen sind, wird zugleich Klarheit darüber bestehen, wer die neuen Lokalchampions sein werden. Bei den Besitzern ist das Gestüt Ittlingen ähnlich deutlich vorne wie Andrasch Starke bei den Reitern. Spannung verspricht allein noch die offene Angelegenheit bei den Trainern, wo derzeit der Warendorfer Peter Rau mit einem Zähler vor dem Kölner Peter Schiergen führt, der übrigens der Vorjahressieger und damit der Titelverteidiger ist.
Wie es übrigens Jane Witte von der Kölnischen Karnevalsgesellschaft 1945 e.V. ebenfalls ist. Sie natürlich im Karnevalistenrennen der Reiterkorps. Mit der fünfjährigen Kaltblutstute Sabrina will sie am Sonntag den Vorjahressieg wiederholen. Das diesjährige Rennen über gut 500 Meter, in dem wieder Kölns schnellstes „Rosenmontagspferd“ gefunden werden soll, ist als Memorial dem vor kurzem verstorbenen Hans-Horst Engels gewidmet, dem langjährigen Präsidenten und späteren Ehrenpräsidenten des Festkomitees Kölner Karneval.
Insider geben allerdings der Stute Sabrina nur bedingt Chancen. In karnevalistischen Reiterkreisen werden mehr die Namen Nanuk, Fritz und Stella gehandelt. Alle Amazonen und Reiter sitzen selbstverständlich wieder in komplettem Ornat oder vollständiger Uniform auf. Anschließend erklingen dann noch einmal „kölsche Tön“ von der Band „Die Cöllner“ und gibt es noch die Siegerehrung mit Moderator Wolfgang Rosendahl.
Danach waltet dann schon Rennbahnverwalter Otto Möde seines Amtes. Mit seinem großen Schlüssel schließt er die Tore des Weidenpescher Parks für das Jahr 2007 zu. Um sie dann zum Kölner „Saison-Aufgalopp 2008“ am 24. März, also Ostermontag nächsten Jahres, erst wieder zu öffnen.
© Elke Reisdorff, Köln





