Saisonstart mit dem Handicapper des Jahres 2009
Januar 1, 2010 by Ekbert
Dortmund – Er ist eine Lichtgestalt des deutschen Galopprennsports: Christian Freiherr von der Recke (Foto, 49). Vielumjubelt war am Silvestertag der Erfolg seiner Aufholjagd bei der Verteidigung seines Titels als “Champion” der Trainer in Flachrennen.
Weniger als eine Stunde vor dem Ende des Rennjahres 2009 gelang es ihm, mit dem zuvor lange führenden Andreas Wöhler aufzuschließen: Drei Recke-Galopper siegten in Neuss, der Gleichstand war geschafft und beinahe hätte sich “der kleine Baron” im letzten Rennen des Jahres mit einem Sieg sogar alleine in Führung geschoben. (Nur eine Länge fehlte.) Am Sonntag um 14 Uhr läuft in Wambel nun das erste Galopprennen der Saison 2010 und bei diesem “Neujahrsspringen” aus den Startboxen trägt die Satteldecke mit der Nummer 1 schon wieder ein Starter aus dem Recke-Stall. Favorit ist der Wallach namens American Life auch, es bestehen gute Chancen für den ersten Punkt auf dem Weg zur Titelverteidigung.
Diesmal ist von der Recke in Dortmund aber nur mit zwei Pferden dabei. An den letzten Renntagen der Saison hatte er aus Weilerswist bei Köln jeweils 10 und mehr Pferde ins Rennen um die Championatspunkte geschickt, während sein Widersacher Wöhler sich die Entwicklung von seinem Urlaub in Neuseeland aus per Internet ansah. Von der Recke, Sohn einer im Rennsport fest verwurzelten Kölner Anwaltsfamilie, hat seinen Weg an die Spitze Schritt für Schritt selbst gemacht. Nach einer Lehre als Pferdewirt im Gestüt Röttgen absolvierte er mehrere Stationen als Assistenztrainer im In- und Ausland, bevor er sich im elterlichen Betrieb seiner damaligen Ehefrau mit dem Export von Schinkenprodukten beschäftigte und nur nebenher einige Pferde als Amateur (“Besitzertrainer”) hielt. Bis zu seiner jetzigen Rolle als Spitzenmann unter den gewerblichen Trainern, mit mehr als 100 Pferden im Stall, mußte er einen langen Weg zurücklegen, und auch heute noch ist er mehr ein Trainer der “kleineren” Besitzer, ohne Pferde der absoluten Spitzenklasse. Doch der Mann will noch weiter nach oben.
In der mit Garantieauszahlung ausgestatteten “Wettchance des Tages” ist von der Reckes Starter Call for Liberty ungeachtet des sympathischen Namens aber Außenseiter. Einer der prominentesten Starter des Tages ist stattdessen Little Millenium. Der fünfjährige Hengst wurde auf Grund seiner 5 Siege in 2009 von Fachjournalisten kürzlich zum “Handicapper des Jahres” gewählt. Henk Grewe wird den Gast aus Neuss diesmal reiten.
Daß es im Galoppsport immer wieder zu äußerst verblüffenden Phänomenen kommt, bewahrheitet sich in Dortmund übrigens im vierten Rennen des Tages. Es gehört zur untersten Kategorie (F), aber sieht unter seinen sechs Startern nicht ein, sondern zwei Pferde am Start, die mit den anderen vier nicht einmal annähernd in derselben Liga spielen: Trainer Kevin Woodburn, Ex-Championjockey, schickt unter Alexander Pietsch seinen Hengst Libon an den Start. Dieser gewann in Dortmund am 27. Dezember, also erst vor einer Woche, in respektabler Gegnerschaft mit 11 Längen Vorsprung und wie ein Pferd vom anderen Stern.
Der zweite Knaller: Deutschlands Erfolgsadresse Nummer eins im Galoppsport der letzten 35 Jahre, das Gestüt Fährhof, entsendet einen Starter unter seinen weltberühmten gelb-schwarzen Rennfarben hierher: Löwenherz unter Eduardo Pedroza. Dieser hochklassige Galopper hat im vergangenen Jahr nach einer langen Kastrationspause und behutsamem Wiederaufbau drei Rennen nacheinander gewonnen und auch ansehnliche Handicapformen gezeigt. Sein Auftreten in diesem Rennen um einen Siegpreis von 2000 Euro ist allein schon eine echte Sensation. Durch das Aufeinandertreffen mit Libon wird die Sache noch erheblich erlebnisträchtiger. Fährhof nimmt die Sache jedenfalls ernst. Andreas Wöhler, mit von der Recke nun im toten Rennen Co-Champion der Trainer, hat Löwenherz kürzlich sogar eine Art Generalprobe verordnet. Von Gütersloh wurde der Wallach nach Wambel zu einem Trainingsgalopp beordert, um ihm die Bahn zu zeigen und sich zu vergewissern, ob ihm dort alles liegen wird. Diese Teilnahme von Löwenherz an diesem Tag ist für jeden Turfanhänger eine Aktion, die sehr neugierig macht.
Es wird also wieder viel geboten in Wambel. Der Eintritt ist auch diesmal frei, auch auf den beheizten Glastribünen. Von Turffreunden allgemein anerkannt ist dazu das qualitätvolle Angebot der zünftigen Dortmunder Rennbahn-Gastronomie
© Text: Peter Brauer, Köln
© Foto: turfcast.net, München





