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Ruby Rules

März 15, 2011 by Luxenburger 

Peddlers Cross im Champion Hurdle 2011. © turfstock.com/Balogh Michael Luxenburger - Es musste ja so kommen – ich bin wieder in Cheltenham. Der Festival-Junkie hat sich seinen Stoff geholt: Rennen, Aufregung, Wetten, Guinness, 60 000 Leute mit dem gleichen Ziel.

Die irischen Bands spielen im Village, die Biere kreisen, und die Trainer sehen gestresst aus. Alan King hat tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Klar, seine Besitzer (und nicht nur seine) haben Hunderttausende investiert, und jetzt wollen sie Rendite. Vor allem Anerkennung – nichts zählt so viel wie ein Sieger beim Cheltenham Festival. Ausnahmezustand herrscht im Prestbury Park. Und auch wenn die Iren kaum mehr Geld haben, für Cheltenham werden die letzten Reserven verflüssigt. Auch wenn dieses Jahr nicht mehr so viele Fans von der Grünen Insel gekommen sind wie in den Jahren zuvor: Dunguib und Hurrycane Fly werden für das Champion Hurdle gewettet, dass es nur so kracht. Heute, Dienstag, ist Tag eins der Weltmeisterschaft im National Hunt Sport. Und das ist heute alles passiert. Zuerst mal ist im Presseraum im Guinness Village (sehr praktisch gelegen), in dem man etwa so viel Platz hat wie eine Legehenne in der Batterie, das W-Lan ausgefallen. Wahrscheinlich hat jemand ein Guinness über den Router geschüttet.

Dann hat Paul Nicholls heute wohl das Finish seines Lebens geritten. Zumindest als Zuschauer an den Rails. Der Trainer ging ab wie ein Quarterhorse aus der Maschine im Sunland Park, als sein Al Ferof (Ruby Walsh, 10/1) erst Cue Card einfach stehen ließ und dann auch noch 50 Meter vor dem Ziel an Spirit Son (11/2, Nicky Henderson, Barry Geraghty) vorbeirauschte. Das Supreme Novice Hurdle war exzellent besetzt und eine flott gelaufene, relle Prüfung. Der 11/4-Favorit Cue Card hatte schon unterwegs Probleme gehabt, Colin Tizzard musste ihn schieben und auffordern. Er war zwar etwas früh an der Spitze, aber an diesem Tag wohl nicht gut genug, so dass er sich mit Platz vier zufrieden geben musste. Platz drei ging an Sprinter Sacre (Tony McCoy, Nicky Henderson, 11/1). Die irischen Pferde hatten erwartungsgemäß nichts zu melden. “Das war ein toller Start für Ruby”, freute sich Trainer Nicholls. “Du brauchst ein Pferd, das stehen kann, um dieses Rennen zu gewinnen”, meinte er. Ruby Walsh war glücklich, da viele angezweifelt hatten, dass er nach seinem komplizierten Beinbruch und dem schlimmen Sturz in Naas vor einer Woche fit genug sei. Er lobte seinen Trainer: “Ich wollte Al Ferof eigentlich unter den ersten drei halten, aber Paul meinte, reite ihn von hinten, das Pferd kann ohne Ende stehen.” Cue Card’s Trainer Colin Tizzard war natürlich enttäuscht, aber er trug die Schlappe mit Fassung: “Er ist gut gelaufen, aber eben nicht so gut wie die drei Pferde, die vor ihm gelandet sind.”

Die Arkle Chase hatte die englische Fachpresse zuvor etwas runtergeschrieben, doch entwickelte sich ein schnell gelaufenes, spannendes Rennen, in dem der Favorit Medermit (Alan King/Robert Thornton) in keiner Phase eine echte Chance hatte, ebenso wie Rock Noir (Jonjo O’Neill/Tony McCoy), der bald den Anschluss komplett verlor. Schließlich landete Medermit auf Rang vier, 9 Längen hinter dem Sieger. Immer ausgezeichnet ging dagegen Finian’s Rainbow (Nicky Henderson/Barry Geraghty, 7/2), der sich nur dem aus guter Position im Finish gewaltig anziehenden Captain Chris (Philipp Hobbs/Richard Johnson, 6/1) geschlagen geben musste. Realth Dubb (Noel Meade/Paul Carberry, 17/2) hielt dahinter Platz drei. Der Sieger ist ein reell gutes Pferd, und Johnson zeigte einen exzellenten Ritt. Nach Cue Card war also der zweite Favo untergegangen. Die Bookies waren nicht unglücklich. “Er ist während der Saison immer besser geworden, und ich denke, er wird noch besser”, sagte ein glücklicher Philip Hobbs nach dem Rennen. “Sein Stehvermögen hat ihm geholfen, ebenso der gute Boden und eine Atemwegsoperation.” Jockey Richard Johnson ging noch weiter im Lob für Captain Chris: “Der könnte was ganz besonderes werden.” Medermit’s Trainer Alan King ärgerte sich über sich selber: “Ich habe das falsche Rennen für ihn ausgesucht. Ich hätte mich für die Jewson Novices Chase über den längeren Weg entscheiden sollen. Er kam nie richtig mit. Medermit wird definitiv nicht mehr über zwei Meilen laufen.”

Eine richtige Schlacht war die Spinal Research Handicap Chase über drei Meilen. Auch hier ging das Feld ein Höllentempo, für das Rare Bob verantwortlich war. Bis ihn sein Reiter Paddy Flood nach etwa zwei Drittel des Rennens anhalten musste, hatte die heftige Pace schon für mehrere Ausfälle gesorgt. Bis drei Sprünge vor dem Ziel hatte der zweite Favorit Great Endeavour (David Pipe/Timmy Murphy) noch wie der Sieger ausgesehen, doch wurde er sichtlich müde und musste am vorletzten Sprung hart zu Boden. Jetzt war der Weg frei für den Favoriten Bensalem (Alan King/Robert Thornton, 6/1), der im Vorjahr noch mit dem Sieg in der Hand gefallen war. Er verwies Carole’s Legacy (Nicky Henderson/Barry Geraghty, 9/1) und Reve De Sivola (Nick Williams/Daryll Jakob, 9/1) auf die Plätze zwei und drei. Auf Rang vier raufte sich noch ganz sicher der treue Harzburger Fair Along (Philip Hobbs/Rhys Flint, 25/1), der schon 60 Längen hinter der Spitze war, aber sich dann wie erwartet den Cheltenham Hill brav heraufkämpfte. Das gab bei 25 Pfund EW eine sehr schöne Rendite auf Platz.

Das erwartete heiße Rennen war das Champion Hurdle. Overturn legte eine stramme Fahrt für seinen Stallgefährten, den zweiten Favoriten Peddler’s Cross (Donald McCain/Jason Maguire, 9/2) vor, Ruby Walsh hielt sich mit dem Favoriten Hurricane Fly (Willie Mullins, 11/4) dezent im Mittelfeld. Immer unter den ersten drei lag Oscar Whisky (Nicky Henderson/Barry Geraghty, 7/1), der seinerseits das ganze Rennen lang den dritten Favoriten Menorah immer im Griff und auch im Ziel zwei Ränge hinter sich hatte. Die Vermutung, dass Menorah der letzte Schuss Klasse fehlen würde, hat sich also bestätigt. Als Ruby Walsh den Favo, mit dem er sich in seiner typischen Art ans führende Trio herangeschlichen hatte, am letzten Sprung an Peddler’s Cross vorbei hatte, konnte der trotz toller Kampfkraft nicht mehr kontern. Hurricane Fly ist heuer der echte Champion. Er hat alle wichtigen Rennen gewonnen. Schade nur, dass Binocular aus den bekannten Gründen nicht am Start war. Der Trainer von Peddler’s Cross, Donald McCain, war mit den Nerven fertig: “Ich bin kein schlechter Verlierer, aber es tut mir wirklich leid für das Pferd. Jason sagte mir, dass sein Pferd alles richtig gemacht habe, aber heute war eben leider einer besser. Mein Pferd hat heute das härteste Rennen seines Lebens gehabt. Jetzt müssen wir abwarten, wie Peddler’s Cross das überstanden hat.” Ruby Walsh enthüllte, dass er Hurrycane Fly nie richtig im Rennen Parken konnte: “Aber ich musste mir nie Sorgen machen. Er ist einfach ein Pferd mit viel Flachklasse, und die haben wir heute wieder ausgespielt.” Die Cross Country Chase wird ja nicht so richtig Ernst genommen, bringt aber Jahr für Jahr ein spannendes Finale. Auch diesmal stürmten fünf Pferde den Hill hinauf, wobei der immer unter den ersten zwei galoppierende Sizing Australia (Henry De Bromhead/Andrew Lynch, 13/2) nach einem energischen Ritt am Schluss noch deutlich gegen die stark gewetteten Garde Champetre und A New Story siegte. Der Favorit Maljimar musste sich mit Rang vier vor Quezac de la Roque zufrieden geben.

Zum dritten Mal Ruby rules hieß es im Navid Nicholson Mares Hurdle, das die 6/4-Favoritin Quevega zum dritten Mal gewann – und wieder völlig überlegen. Als Walsh Mitte der Geraden Ernst machte, war es um den Rest geschehen. Sparky May lief ein feines Rennen auf Platz zwei und hatte die Riesenaußenseiterin Ocean Transit immer im Griff.

Auch im letzten Rennen, der Handicap Chase für die Novices über 2 Meilen und viereinhalb Furlongs, saß Walsh auf dem Favoriten. Doch nach einem frühen Rumpler, den der Jockey nur mit Mühe aussitzen konnte, war es auch schon um die Chancen von Definity (Paul Nicholls, 3/1) geschehen. Lange sah es nach einer Überraschung aus, denn Vino Griego (Gary Moore/Jamie Moore, 20/1) führte bis kurz vor dem letzten Sprung, wurde dann aber noch überlaufen und landete auf Rang vier. Den Sieg holte sich der sehr sauber springende Divers (Ferdy Murphy/Graham Lee, 10/1), womit traditionell ein Handicap des Tages an Murphy ging. Quantitativeeasing (Nicky Henderson/Tony McCoy, 7/1) hielt Rang zwei vor dem stark aufkommenden zweiten Favo Tullamore Dew (Nick Gifford/Liam Treadwell, 13/2).

Vier zweite und ein dritter Platz: Trainer Nicky Henderson wird sich schon auch geärgert haben. Aber die Stallform ist ganz groß. Die Rennen waren durchwegs superschnell, und Clerk of the course Simon Claisse wird sicher das Gras ordentlich wässern, da für Mittwoch Sonne angesagt ist. Also, die dunklen Gläser aufsetzen und die Gläser mit dem Dunklen ansetzen! Das Guinness schmeckt wieder extrem gut. Da es aber bei zwei Bechern blieb, hier noch mit gutem Gewissen ein paar Tipps für Mittwoch. Im Neptun Hurdle müsste auf dem guten Boden First Lieutenant (Mouse Morris) gute Chancen haben, der aber mit Oscar Well und So Young zwei starke Gegner aus dem eigenen irischen Lager hat. Die RSA Chase wird Time For Rupert nicht gewinnen, wenn sich die Reihe der Favoritenstürze in den novice races fortsetzt. Jessies Dream (Gordon Elliott) wird den guten Boden lieben. Die Queen Mother Champion Chase ist großartig besetzt. Vielleicht kann ja Golden Silber (Willie Mullins) seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Der irische Trainer hat auch mit Ballyhaunis einen interessanten Kandidaten im Coral Cup am Start.

© Foto: turfstock.com, München

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