Mittwoch im Weidenpescher Park
Juni 29, 2010 by Ekbert
Köln – Selbst an absoluten Großkampftagen hat man sie selten mal vollständig beisammen. Höchstens einmal zu den absoluten Hochfesten des Kölner Turfs. Aber auch sogar an diesen Tagen ist die Riege selten so komplett wie am kommenden Mittwoch. Einer ist meist immer irgendwo anders beschäftigt. Mal in Rom oder in Mailand. Oder oft auch in Paris, auf den Rennplätzen in Chantilly, Longchamp, Maisons-Laffitte oder Saint-Cloud. Gemeint ist jene Handvoll Spitzenjockeys, die hierzulande vorrangig den Ton angibt. Angefangen bei Terry Hellier über Filip Minarik, Eduardo Pedroza bis hin zu Andrasch Starke und Adrie de Vries. Und nicht zu vergessen: die junge Steffi Hofer. Am Mittwoch im Weidenpescher Park sind sie jedoch einmal endlich vollzählig versammelt wie selten zuvor in dieser Saison.
Übrigens: Letztgenannte reitet momentan auf einer wahren Erfolgswelle und ist in dieser Herrenrunde sogar so etwas wie die Klassenprima. Denn nach Anzahl der Siege steht sie in der aktuellen Statistik ganz obenan. Mit 43 Punkten liegt Steffi Hofer derzeit einen Zähler vor Eduardo Pedroza, der in den letzten drei Jahren immerhin dreimal hintereinander zum Champion avanciert ist.
Die Dame, die im Rennen also nicht die geringste Angst vor den großen Namen der Kollegen kennt, aber auch die erwähnten Herren müssen sich am Mittwoch freilich auf eine Spätschicht einrichten. Der Galopptermin der Rennbahngastronomie zählt nämlich schon seit vielen Jahren zu jenen Daten im Kölner Turfkalender, an die das Wort „Abendrenntag“ angefügt ist. Bei der momentan Großwetterlage ist dies natürlich ideal für Ross und Reiter. Erst um 18.00 Uhr geht’s los, allerdings mit einem Ponyrennen über 500 Meter. Danach schließen sich dann ab 18.30 Uhr sieben „echte“ Galopprennen an.
Allesamt sind sie sehr gut bestückt mit Startern. Egal, um welche Klasse oder Distanz es sich auch handelt. So mit den größten Andrang an der Startstelle wird es im Handelshof-Rennen (20.30 Uhr) mit immerhin 16 Kandidaten geben. Wobei das kopfstark besetzte Handicap zugleich jene Prüfung ist, über die die Wettchance des Tages abgewickelt wird. 10.000 Euro in der Viererwette sind dabei einmal mehr garantiert.
Nach sportlichen Kriterien sind es jedoch zwei Prüfungen für Dreijährige, die vorrangig das Bild des Renntages prägen sollten. Und zwar der ausschließlich für Stuten des Jahrgangs 2007 ausgeschriebene Preis des Hippodroms (19.30 Uhr) sowie das Sion Kölsch-Rennen (20.00 Uhr), indem sich immerhin auch 16 Dreijährige am Start versammeln werden und die Starthelfermannschaft mithin genauso viel Arbeit haben dürfte wie bei der Wettchance des Tages.
Ansonsten jedoch geht die Prägung des weiteren Abends logischerweise vor allem sehr stark in die gastronomische Richtung. Denn schon seit einigen Jahren hat die Rennbahn Gastronomie GmbH diesen speziellen Mittwoch-Renntag im Frühsommer für sich reserviert.
Auch am 30. Juni geht es gewissermaßen erst wieder mit und im Galopp immer tiefer in den Abend hinein. Im Restaurant Rennbahn, also der Alten Waage mit dem malerischen Biergarten davor, und insbesondere im Hippodrom direkt am Geläuf klingt die Turfsoiree traditionell mit einem kulinarischen Grand Prix aus. Ende offen, aber bestimmt keineswegs vor Mitternacht.
Einmal mehr haben die Kölner Rennbahnwirte dafür eigens VIP-Pakete kreiert und sich auch sonst wieder Einiges einfallen lassen. Nach so viel Fußball am laufenden Band in den letzten Tagen und Wochen sind die Kölner Galopprennen am ersten fußballfreien Tag der WM sicherlich für viele auch eine willkommene Abwechslung und verlockende Alternative zum Sitzen im Fernsehsessel mit Blick auf Südafrika.
© Text: Heinz-Josef Kammerinke, Köln
© Foto: turfstock.com, München






