Lady Alida zum Saisonstart in Köln
März 31, 2010 by Ekbert
Köln – Kölns Galopprennbahn im Weidenpescher Park ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten und am meisten frequentierten Anlaufpunkte für Vollblüter aus den unterschiedlichsten Nationen. Die zahlreichen Starter aus benachbarten Ländern wie Belgien oder den Niederlanden werden dabei schon gar nicht mehr mitgezählt. Sie gehören inzwischen fast schon zur Stammbesetzung. Wie auch auf jeder anderen Rennbahn an Rhein und Ruhr. Doch sind zudem Pferde aus Frankreich, Großbritannien und Irland oder den skandinavischen Ländern viel häufiger in Köln am Start als anderswo. Wie ein schlagendes Beispiel hierfür steht das Gastspiel von zwei französischen Stuten am Ostermontag im WETTEN XXL-Stutenpreis (17.05 Uhr), dem wichtigsten Rennen zum Saisonstart 2010.
Sie heißen Pearl Banks und Lady Di. Erste wird von Trainer Francoise Rohaut in Pau vorbereitet und von Francoise-Xavier Bertras geritten. Er gehört zu den durchaus bekannteren Jockeys im französischen Galopprennsport und war auch beim jüngsten Sieg von Pearl Banks auf der Pariser Großbahn in Saint-Cloud im Sattel. Lady Di’s Trainer heißt Jean de Roualle. Er zählt zu den führenden Namen der Zunft in der Region direkt um Paris herum. Allerdings ist Lady Di eigentlich nur in diesem einen Punkt eine Vertreterin französischer Interessen. Denn die Stute gehört dem süddeutschen Gestüt Karlshof. Sie wird lediglich nur in Frankreich trainiert. Und das Karlshofer Lager baut im mit 20.000 Euro dotierten ersten diesjährigen Kölner Listenrennen auch auf die Reitkunst eines deutschen Jockeys, und zwar die von Andreas Helfenbein.
Eines ist klar, beide Stuten können im WETTEN XXL-Stutenpreis auf jeden Fall konditionelle Vorteile in die Waagschale werfen, zumal noch auf einer Distanz von 2.200 Meter. Ob dies reichen wird, um sich ganz groß in Szene zu setzen, bleibt jedoch abzuwarten. Ein deutlich besseres Kaliber als Pearl Banks und Lady Di repräsentiert nämlich Lady Alida (Foto), eine Stute aus München-Riem. Sie ist längst international profiliert und auch bereits Gruppe-Siegerin. Lady Alida gewann während des letzten Sommers u. a. den Premio Mario Incisa della Rocchetta in Mailand. Und ganz nebenbei ist sie eine Trainingsgefährtin von Night Magic, der Paradestute ihres Trainers Wolfgang Figge, die unlängst erst zum „Galopper des Jahres 2009“ gewählt wurde. Der Ungar Karoly Kerekes ist Night Magics ständiger Reiter und am Ostermontag selbstverständlich genauso im Sattel von Lady Alida. Sollte die Kondition schon stimmen, dann dürfte es für alle anderen schwer werden, sie zu schlagen.
In diesen Wochen und Monaten hat sich wiederholt aber schon die alte Turfweisheit bewahrheitet, dass im ausklingenden Winter oder im zeitigen Frühjahr die Kondition oft mehr zählt als die Klasse. „Kondition schlägt Klasse“, sagen die Galoppleute kurz und knapp. Und sicher ist etwas dran, an dieser These. So gesehen sollten Lunduv (Jockey: Eduardo Pedroza) und Sina (Andrasch Starke) ebenfalls zwei nicht zu unterschätzende Kandidatinnen sein. Denn an mangelnder Luft werden sie nach zahlreichen Starts in den vergangenen Wochen bestimmt nicht scheitern.
Vor ihrem ersten Saisonstart stehen dagegen wiederum Ephigenie (Eugen Frank), Bella Amica (Filip Minarik) und Paradise Beauty (Alex Pietsch). Das deutlich beste Format besitzt hiervon zweifellos Ephigenie, die sogar fast auf Augenhöhe mit Lady Alida steht. Paradise Beauty hingegen ist eine krasse Außenseiterin, aber immerhin die einzige am Platz trainierte Kandidatin. Wenn auch voraussichtlich mit einem allzu schweren Stand.
Summa summarum weist der erste Höhepunkt der noch jungen Kölner Turfsaison also eine sehr interessante Konstellation auf: ob der Internationalität seiner Besetzung einerseits – und natürlich auch wegen der durch die Jahreszeit bedingten Fragestellung, ob sich nun Kondition oder Klasse durchsetzen wird.
Bei einer Saisoneröffnung zieht sich genau diese Frage logischerweise wie ein roter Faden durch das gesamte Programm mit insgesamt acht Rennen. Welches nebenbei auch zwei qualitativ bestens besetzte Prüfungen für Dreijährige beinhaltet. Gleich in der ersten Programmhälfte sind dies das Cagliostro-Rennen (14.00 Uhr) und der Preis der Firma Elektro Jakobs (15.00 Uhr) mit Distanzen von 1.600 Meter bzw. 1.400 Meter.
Bei der TRALOPPO WETTCHANCE DES TAGES im Preis der Robert Christ GmbH (16.35 Uhr) sind es vor allem die üblichen 10.000 Euro, die als Auszahlung in der Viererwette garantiert sind, die alle Wetter vorrangig interessieren werden. Vier aus 14 Startern – die natürlich in der richtigen Reihenfolge – herauszufinden, heißt einmal mehr die Parole.
Und da zu guter Letzt im BKS-Rennen (17.35 Uhr) der 15-jährige Dennis Schiergen auf dem zu erwartenden heißen Favoriten Duellant seinen zweiten Ritt in einem „richtigen“ Rennen absolviert, werden alle Besucher auch am Schluss des Tages noch einmal besonders genau hinschauen. Bis dato hatte sich der junge Mann seine sämtlichen reiterlichen Meriten ausschließlich in Ponyrennen erworben. Dass aber der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, hat der Sohn des einstigen Rekordjockeys und nunmehrigen Spitzentrainers Peter Schiergen schon hinlänglich bewiesen, als er am letzten Sonntag in Düsseldorf immerhin schon zu einem dritten Platz kam.
Vor Dennis Schiergen könnte also durchaus noch eine recht erfolgreiche Karriere liegen, gleichwohl zunächst einmal als Amateurrennreiter. Hartmut Steguweit hingegen hat inzwischen seinem Trainerjob ade gesagt. Zwar kam er erst auf der Schlussgeraden seiner sportlichen Karriere nach Köln, aber nichtsdestotrotz schloss ihn das Weidenpescher Publikum gleichsam sofort ins Herz. Vor allem auch, weil er nach so manchem gesundheitlichen Schicksalsschlag nie die Flinte ins Korn geworfen und stets tapfer weitergekämpft hat. Sein langjähriges Trainerdasein prägte kein anderes Pferd so sehr wie der Hengst Philipo. Vor seinem legendären Derby-Sieg hatte der als Jährling fast für ein Kleingeld erworbene Sohn des Europa-Preis-Siegers Prince Ippi schon das erste Kölner Mehl-Mülhens-Rennen gewonnen. Im Rahmen seiner offiziellen Verabschiedung am 5. April wird sicherlich daran noch einmal erinnert werden. Und mit Applaus werden die allgemein erwarteten zahlreichen Besucher dann sicherlich nicht geizen. Ostermontag zur Rennbahn zu gehen hat nämlich beim vielen Kölnern Tradition und ist schon immer eine bevorzugte Alternative zum klassischen Osterspaziergang gewesen.
© Text: Heinz-Josef Kammerinke, Köln
© Foto: turfcast.net, München





