Jockeys sind wie guter Wein: Im Alter werden sie besser
April 26, 2010 by Ekbert
Mülheim – Er ist wieder da: Andreas Helfenbein (Foto), 42 Jahre, einer der besten deutschen Jockeys, kehrte vor wenigen Tagen zu seinem alten Arbeitgeber Uwe Ostmann (69) in dessen Diana-Trainingsquartier an den Mülheimer Raffelberg zurück, ist Ostmanns neuer Stalljockey. Das Duo hatte bereits von 1990 bis 1993 zusammengearbeitet. Am kommenden Sonntag, 2. Mai, können die Freunde des Galopprennsports den Familienvater – Helfenbein hat mit Ehefrau Katja einen vierjährigen Sohn (Tim) – beim beliebten Sparkassen-Volksrenntag zum Saisonstart auf der Galopprennbahn am Mülheimer Raffelberg in Aktion erleben. MSWP sprach mit dem Wahl-Kölner aus dem Stadtteil Blumenberg.
MSPW: Hallo, Andreas Helfenbein! Sie sind seit einigen Tagen wieder Stalljockey bei Uwe Ostmann. Wie kam es zu diesem Engagement?
Helfenbein: „Die Entscheidung ist kurzfristig gefallen. Ich wollte mich nach meinem Engagement bei Mario Hofer in Krefeld verändern. Deshalb habe ich immer schon mit Uwe Ostmann, den ich sehr gut kenne, geliebäugelt. Ich habe schon einmal für ihn gearbeitet und schätze ihn sehr. Als ich mitbekommen habe, dass er noch keinen Stalljockey hat, habe ich angefragt.“
MSPW: Sie haben gesagt, es sei für Sie wie eine „Rückkehr nach Hause“. Wie haben Sie das genau gemeint?
Helfenbein: „Man könnte sagen: So schließt sich der Kreis. Vor 17 Jahren habe ich zuletzt für Ostmann gearbeitet und sehr viel von ihm gelernt.“
MSPW: Ans Aufhören denken Sie aber sicher noch nicht. Wie lange wollen Sie diesen Sport noch ausüben?
Helfenbein: „Solange der Körper fit ist kann man diesen Sport auch im höheren Alter noch betreiben. Man sagt ja auch: Jockeys sind wie Wein. Im Alter werden sie immer besser. Ich bin jetzt 42 Jahre und denke noch lange nicht ans Aufhören, weil es mir immer noch sehr viel Spaß macht.“
MSPW: Mit welcher Zielsetzung haben Sie Ihre Arbeit im Ostmann-Stall angetreten? Sind die Championate ein Thema?
Helfenbein: „Zielsetzung ist es, eine vernünftige Saison hinzulegen. Wenn es geht, dann möchte ich das eine oder andere Gruppe-Rennen gewinnen. Die Championate als Zielsetzung ins Auge zu fassen, das wäre doch vielleicht etwas zu weit hergeholt.“
MSPW: Wird es auch Auslands-Auftritte von Ihnen geben?
Helfenbein: „Ich habe in Frankreich schon viel gewonnen, war auch in Macao und in anderen Ländern unterwegs. Ausschließen will ich es nicht, aber ich habe auch eine Familie. Es ist kein Muss, aber wenn ich gefragt werde, gehe ich gerne ins Ausland.“
MSPW: Seit vielen Jahren leben Sie in Köln. Welche Beziehung haben Sie zu der Domstadt?
Helfenbein: „Köln ist meine Heimat. Ich lebe im Stadtteil Blumenberg, der nur neun Kilometer von der Rennbahn in Weidenpesch entfernt ist. Ich lebe gerne in Köln, werde auch dort wohnen bleiben. Ich kenne Mülheim gut, habe hier auch drei Jahre gelebt, aber mein Freundeskreis befindet sich in Köln.“
MSPW: Als Jockey muss man bekanntlich sehr auf sein Gewicht achten. Ist der tägliche Gang auf die Waage Pflicht?
Helfenbein: „Mein Grundgewicht ist 53 Kilo. Ich habe auch schon einmal etwas mehr gehabt, aber im Alter lernt man, besser damit umzugehen. Den täglichen Gang zur Waage gibt es nicht, aber alle zwei bis drei Tage muss ich mein Gewicht kontrollieren. Deshalb wird Ernährung und Sport bei mir ganz groß geschrieben.“
MSPW: Welche anderen Ausgleichssportarten betreiben Sie?
Helfenbein: „Ich jogge gerne und gehe regelmäßig zum Spinning. Zusätzlich mache ich auch Krafttraining.“
MSPW: Sie haben bereits über 1.360 Erfolge auf Ihrem Konto. An welche Siege erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
Helfenbein: „Meinen ersten Sieg werde ich nie vergessen. Mit Masaro habe ich in Frankfurt für meinen Lehrherrn Andreas Hecker gewonnen. Damals war ich gerade einmal 17 Jahre. Ich erinnere mich auch gerne an Hondomondo, meinen ersten Gruppe-Sieger in Iffezheim bei Baden-Baden, den ich damals für Uwe Ostmann geritten habe. Etwas Besonderes war auch mein 1000. Sieg mit Raba Cui in Macao. Diesen Erfolg auf der anderen Seite der Erde zu erleben, das wird mir immer in Erinnerung bleiben.“
© Text & Foto: MSPW, Mülheim





