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Irland über alles

März 16, 2011 by Luxenburger 

Irland dominiert den Tag 2 in Cheltenham. © turfstock.com/BaloghMichael Luxenburger – Mitten in einer diesigen Wolke steckte am Mittwoch der Prestbury Park. Doch eines war klar an Tag zwei des Festivals: Irland hat das Sagen. Nach sechs Rennen lagen die Gäste von der Grünen Insel 6:0 vorne. Und das einen Tag vor dem St. Patrick’s Day.

Chicago Grey (Gordon Elliott/Derek O’Connor, 5/1) holte sich die erstaunlich sauber gelaufene Amateur-Steeplechase über vier Meilen. Immer vorne dabei, machte der hübsche Schimmel nur einen Fehler und setzte sich im Finish gegen Beshabar (Tim Vaughn/Tom David, 9/1) und Be There In Five (Nicky Henderson/Sam Waley-Cohen, 20/1) durch.

Mein Tipp des Tages, First Lieutenant (Mouse Morris/Davy Russell, 7/1) holte sich dann in einer tollen Kampfpartie mit einem kurzen Kopf das Neptun Novices Hurdle. Kopf/Kopf mit Rock On Ruby (Paul Nicholls/Daryl Jakob, 13/2) ging es den Cheltenham Hill hinauf, auch der Favorit So Young (Willie Mullins/Ruby Walsh, 2/1) schien noch kurz Chancen anzumelden, landete dann aber fünf Längen dahinter auf Rang drei, nachdem er am letzten Hindernis einen Fehler gemacht hatte. Russell hielt den Presenting-Sohn in einem sehr langsamen Rennen immer unter den ersten drei, und schon bald war abzusehen, dass der auf dem guten Boden sehr flüssig galoppierende Sechsjährige im Endkampf sein wird. Ein gewisser Peddlers Cross, zweiter am Dienstag im Champion Hurdle, hatte dieses Rennen im Vorjahr gewonnen, so dass man dem Schützling von Mouse Morris eine gute Zukunft voraussagen kann. Morris kündigte an, dass First Lieutenant in der kommenden Saison über die großen Sprünge gehen wird. Der irische Trainer, der zuletzt zweimal hier in den großen Novices-Prüfungen mit War Of Attrition und Velnamar einen kurzen Kopf geschlagen war, war natürlich überglücklich, zumal der Rennverlauf seinem Schützling eigentlich nicht gepasst hatte: “Er kann unterwegs jedes Tempo mitgehen, hat aber keinen Endspeed. Aber er hat den Kopf im richtigen Moment runtergekommen und groß gekämpft.” Für die RSA Chase im kommenden Jahr steht Flight Lieutenant bei 12/1.

Vier Pferde machten dann die RSA Chase aus, die Wltmeisterschaft für die Staying Novices über die großen Sprünge. Die Enttäuschung des Rennens war der klare Favorit Time For Rupert, der eigentlich nie richtig in der Partie war undschon früh Notsignale sendete. Immer gut ging dagegen Jessies Dream (Gordon Elliott/Timmy Murphy, 10/1), der sich in einem packenden Finale nur Bostons Angel (Jessica Harrington/Robbie Power 16/1) knapp geschlagen geben musste. Auch dahinter waren die Abstände minimal, denn dem drittplazierten Wayward Prince (Ian Williams/Tony McCoy, 15/2) rückte noch Maganimity (strong>Dessie Hughes/Davy Russell, 20/1) auf den Pelz, der ein wenig weiter vielleicht sogar gewonnen hätte. Was die RSA Chase diesmal wert war, lässt sich noch nicht sagen, doch stand die Form bis auf den Flop des Favoriten gut. Der hatte den Start verpasst, und Trainer Paul Webber meinte, dass sich Time For Rupert davon nicht erholt habe. Außerdem sei er an seiner Unerfahrenheit gescheitert.
Das war der richtige Appetizer für das Hauptrennen, die Queen Mother Champion Chase. Auch hier gab es eine Überraschung, denn weder der Favorit Master Minded, der das vorletzte Hindernis schwer blunderte und auf Rang acht landete, noch sein alter Rivale Big Zeb (Colm Murphy/Barry Geraghty, 4/1) hatten eine Antwort auf den Sieger Sizing Europe (Henry De Bromhead/Andrew Lynch, 10/1). Der Cheltenham-Spezialist, Vorjahressieger im Arkle, hatte eine interessanten Preparation bekommen – unter anderem lief er gegen Kauto Star über drei Meilen und wurde Zweiter. Immer im vorderen Trio, spielte er sein Stehvermögen aus und konnte auch den Angriff von Big Zeb leicht abwehren. Captain Cee Bee (Eddie Harty/Tony McCoy, 14/1) machte heuer nur einen Fehler, bekam auch kein Nasenbluten und hielt dahinter Platz drei gegen den stark endenden Golden Silver. Der Trainer des Siegers meinte nach dem Rennen: “Sizing Europe kann nicht beschleunigen, er galoppiert immer einen Strich. Andrew hat ihn großartig geritten und ihn in einen idealen Rhythmus gebracht. Das Pferd hat die Hindernisse überflogen, außer einem kleinen Fehler am letzten. Guter Boden ist einfach total wichtig für Sizing Europe.” Paul Nicholls, Trainer von Master Minded, will seinen Star jetzt über längere Distanzen aufbieten: “Die zwei Meilen sind ihm mittlerweile zu kurz, die Rennen zu schnell.”

Überhaupt keine Probleme hatte im Coral Cup Carlito Brisante (Gordon Elliott/Davy Russell, 16/1) und stellte das Match Irland-England auf 5:0. Als der lange führende Dantari ausgespielt hatte und sich das Feld am Knick formierte, war schon früh abzusehen, dass es gegen den fünfjährigen Haafhd-Sohn kein Ankommen geben würde. Er setzte sich mit deutlichem Vosprung gegen die um das dritte Geld kämpfenden Bothy (Brian Ellison/Danny Cook, 12/1) und Orsippus (Michael Smith/Davy Condon, 33/1) durch.

Dann kam Rennen sechs, und mein Placepot war mit 40 Cent immer noch am Leben, obwohl dreimal die Favos unplaziert gewesen sind. Die drei Favoriten hatte ich jetzt drin, einer sollte doch ankommen! Allerdings hatte sich das Fred Winter Juvenile Handicap Hurdle bereits als Überraschungsbringer erwiesen. Die hätte es dann auch fast gegeben, doch Kumbeshwar (Alan King/Charlie Huxley,33/1) hatte überall gewonnen, nur nicht im Ziel. Paul Towend hatte in einem großen Finish What A Charm (A.L.T. Moore, 9/1) noch vorbeigebracht. Dhaafer (Alan King/Robert Thornton, 16/1) hielt dahinter den Favoriten Plan A (Gordon Elliott/Paul Carberry, 4/1) sicher in Schach. Damit war der Placepot drin (er zahlte knapp 1000 Pfund), und ich hatte auch noch den Sieger mit 25/25 getroffen. Der englische Trainer Milton Harris hatte ihn mir vor dem ersten Rennen in der Waage empfohlen (“den haben sie gebremst“), als er mit dem deutschen Championtrainer Christian Freiherr von der Recke auf dem Weg in die Owners&Trainer-Bar war.
Ausgerechnet den abschließenden Festival Bumper, lange Zeit eine Domäne der Iren, hoilte sich mit Cheltenian (Philip Hobbs/Richard Johnson, 14/1) ein in Großbritannien trainiertes Pferd, was an diesem Tag sozusagen das Ehrentor war. Der gewann überlegen gegen zwei Riesenaußenseiter. Mal sehen, was dieses Rennen wert ist.
Fazit von Tag zwei: Spannende Rennen, schöne Gewinne, tolle Stimmung, exzellentes Guinness – was will der Festival-Junkie mehr.

Tipps für den Donnerstag:
Meine Hauptwette wird Jy Vole in der Ryanair Chase sein. Im vergangenen Jahr landete sie im gleichen Rennen hinter Albertas Run und Poquelin, die sie auch diesmal schlagen muss, auf Platz drei. Allerdings wurde die eisenharte Stute vor dem letzten Sprung stark behindert und kam ziemlich aus dem Schwung. Das konnte sie nicht mehr aufholen. Albertas Run hatte zuletzt noch unter den Folgen eines schweren Sturzes zu leiden, zudem scheint die Stallform bei Jonjo O’Neill nicht so prickelnd zu sein. Poquelin ist klarer Favorit, doch wurde sein Sieg über Great Endeavour von diesem nicht bestätigt, den er war schon geschlagen, als er am Dienstag am vorletzten Hindernis fiel. Jy Vole dürfte so um die 8/1 zahlen.
Philip Hobbs scheint extrem gute Novice Chaser im Stall zu haben, und er schätzt Wishful Thinking nicht schlechter ein als Captain Chris, der ja die Arkle Chase in gutem Stil gewann. Deshalb ist er für die Jewson Novices Chase ein gutes Ding, auch wenn er sicher nicht mehr als 4/1 bringen wird.

Schließlich noch für unerschrockene die unvermeidliche Anmerkung, dass der wundervolle Bible Lord am Donnerstag läuft. Er ist in der Byrne Group Plate sogar Rechnungsfavorit, Nick Scholfield reitet (guter Mann), und es würde mich ebenso sehr überraschen, wenn Bible Lord weniger als 33/1 steht, wie ich darüber verwundert wäre, wenn er dieses Rennen gewinnen würde. Aber Andy Turnell’s Fuchs mit dem schicken Stern ist nun mal mein Held, und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

© Foto: turfstock.com, München

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