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Ein Weltrekord wackelt

September 26, 2008 by Ekbert 

logo_koeln_neu.pngKöln – Irisches Jagdfieber grassiert jetzt auch in Köln. Die O’Brien-Troika soll im IVG – Preis von Europa entscheidende Punkte machen.  Aber die deutschen Chancen sehen im Höhepunkt der Weidenpescher Saison auch gut aus.  Der 45. Europa-Tag verspricht eine Turf-Gala. 

Dass das Ergebnis des IVG – Preis von Europa jedes Jahr auch in den USA mit Interesse verfolgt wird, liegt schon in der Natur der Sache. Schließlich handelt es sich beim alljährlichen Höhepunkt der domstädtischen Turfsaison um ein durchaus wichtiges europäisches Galoppereignis. Doch am Sonntag wird die Aufmerksamkeit noch um Einiges größer sein als sonst. Besonders bei Herrn Bobby Frankel. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer jenseits des Atlantiks, nahezu eine Institution in Amerikas Galopprennsport. Vor Jahren hat er einmal das Kunststück fertiggebracht, 25 Grade-I-Rennen zu gewinnen und damit zugleich einen Weltrekord aufgestellt. Grade-I-Rennen sind das Pendant zu den europäischen Gruppe-I-Rennen. Und dass diese sensationelle Zahl einmal zu Disposition stünde, daran glaubte in den USA lange Zeit kein Mensch. Es schien ein Rekord für die Ewigkeit zu sein. Aber von wegen. Inzwischen kratzt  bereits einer mächtig daran, und das ist  sogar noch ein Europäer. Ein Ire namens: Aidan O’Brien.

Am Sonntag greift das Jagdfieber von der grünen Insel herüber bis nach Köln. Jagdgrund ist der IVG – Preis von Europa (17.15 Uhr). Kölns alljährlichen Saisonhöhepunkt zu gewinnen brächte natürlich wieder einen der heißbegehrten Punkte, und zwar den bereits 21. für Aidan O’Brien in diesem Jahr. Nur noch vier bräuchte er dann noch, um zumindest schon einmal mit Bob Frankel auf  Gleichstand zu gelangen. Der noch vergleichsweise junge Ire ist zurzeit Europas absolute Trainerkoryphäe. Er beherrscht die Szene nahezu allerorten. Auch in Großbritannien und Frankreich lösen die Starts seiner vierbeinigen Schützlinge zuweilen Albträume bei der Konkurrenz aus. Nach Köln schickt er am Sonntag sogar eine Troika. Es sind die dreijährigen Hengste Bashkirov, Hindu Kush und King Of Rome. Der Perfektionist überlässt also nichts dem Zufall. Denn wie es aussieht, wird  Bashkirov das Führpferd für Hindu Kush und King Of Rome sein, wenn es am Sonntag auf die Distanz von 2400 Meter und um eine Gesamtdotierung von 155.000 EUR geht. Zumindest lässt sich die Reiterverteilung dahingehend interpretieren. 

Denn der Jockey Sean Levey, der Bashkirov reitet, ist hierzulande so gut wie unbekannt, während hiesige Insider David McCabe, der sich auf Hindu Kushs  Rücken schwingen wird, und King Of Romes Reiter, Colm O’Donoghue,  schon wesentlich besser kennen -  und vor allem  King Of Rome  für sie eine feste Größe darstellt. Anfang Juli hat er nämlich schon einmal in Deutschland gastiert, doch landete der Braune im Deutschen Derby in Hamburg-Horn lediglich auf Platz sechs. Nicht viel, könnte man meinen. Allerdings wusste King Of Rome danach seine Form deutlich zu steigern, wie zwei spätere Erfolge unterstreichen. Er gewann die Royal Whip Stakes und die Meld Stakes auf der Rennbahn Leopardstown nahe Dublin, und das sind schon recht renommierte Prüfungen.

Poseidon_Adventure_Homola.jpgNichtsdestotrotz werden ihn die Lokalmatadore aber kaum sonderlich fürchten müssen. Der von Peter Schiergen in Köln trainierte dreijährige Ostland (Jockey: Andrasch Starke) war schließlich in Hamburg als Derby-Zweiter deutlich vor ihm. Ebenso sah man Satier (Christophe Patrice Lemaire) am ersten Sonntag im Juli auf dem Horner Moor immerhin auf noch Platz fünf. Dreijährig ist im 10-köpfigen Starterfeld neben den bereits genannten Hengsten außerdem noch die gute Stute Baila me (Dominique Boeuf). Sie erlebte das Kölner Publikum schon als Siegerin des Diana-Trials im Frühjahr, während es Dickens (Johan Victoire) noch als Zweiten des diesjährigen Gerling-Preis in bester Erinnerung hat und bei Poseidon Adventure (Foto) bestimmt auch nicht vergessen haben dürfte, dass er bei der Vorjahrsentscheidung für einen Moment höchst gefährlich nahe am Sieger Schiaparelli dran war.

Ganz so schlecht aufgestellt ist die Heimmannschaft also wirklich nicht, während die an sich deutsche Stute Avanti Polonia (Davy Bonilla) aus dem westfälischen Gestüt Ebbesloh ausnahmsweise für Frankreich in die Partie geht und Appel Au Maitre (Eduardo Pedroza), der Zweite des vorjährigen Union-Rennens, wieder norwegische Interessen vertritt und zugleich die Internationalität der 45. Kölner Europa-Entscheidung um eine nordische Komponente erweitert.

Auch wenn der IVG – Preis von Europa seit seiner Erstaustragung in der Saison 1963 mit dem legendären Sieger Opponent und dem in Kürze 88 Jahre „jung“ werdenden Hein Bollow als Jockey so repräsentativ wie kein anderes Kölner Rennen für den domstädtischen  Turf steht, ist er am Sonntag beileibe keineswegs der einzige sportliche Leckerbissen.

Klaus_Goentzsche_Portrait.jpgErstklassigen wie  internationalen Turf kann Moderator Klaus Göntzsche (Foto) darüber hinaus in der Großen Europa Meile (Gruppe II, 65.000 EUR) ankündigen. Hier wird nebenbei der Winterfavorit und klassische Mehl-Mülhens-Sieger Precious Boy seit längerem erstmals wieder gesattelt, Auf dessen Comeback-Vorstellung um 15.45 Uhr blickt ganz Galopp-Deutschland bereits höchst gespannt. Äußerst hochinteressante Listen-Rennen mit internationaler Besetzung sind ferner der Preis des Union Gestüts (14.00 Uhr), der IVG-EuroSelect-Sprint (15.05 Uhr) und der Preis der Spielbank Bad Neuenahr (16.40 Uhr).

Im Jahr seines 111-jährigen Bestehens gibt der Kölner Renn-Verein außerdem seinen treuen Wettkunden noch einen ganz speziellen Bonus, wenn er im Preis des Gestüts Haus Hahn (16.10 Uhr) in allen Kombinationswetten ausnahmsweise einmal keine weiteren Abzüge als die gesetzlich vorgeschriebenen 16,66 Prozent der Rennwettlotteriesteuer vornimmt. Im Klartext heißt das: Er verzichtet hierbei auf einen erheblichen Teil seiner Gewinne und lässt sie als Bonus den Wettern zugute kommen. In einem Rennen im Übrigen, welches zugleich die Wettchance des Tages ist und 20.000 EUR Auszahlung in der Viererwette in Aussicht stellt.

Da die Wetterprognosen einen schönen Herbsttag versprechen und  ganz Köln und die Menschen aus der Umgebung erfahrungsgemäß zu keinem anderen Renntag in so großen Scharen erscheinen wie zum Europa-Tag, müsste es einmal mehr wieder das größte Galoppfest des Jahres im Weidenpescher Park mit allem Drum und Dran werden. Wozu natürlich – wie immer in Köln – auch ein großes Kinderprogramm gehört. Und die irischen Gäste, die setzten übrigens schon im Vorfeld außergewöhnliche Akzente. Denn mit Rössern und Tross fliegen sie  erst am Sonntagmorgen in Köln ein und düsen abends bereits wieder zurück in Richtung Irish Sea. Dann vielleicht sogar mit einen kleinen Mehrgepäck: einem Sieg samt großem IVG-Silberpokal – und einem weiterem Punkt für Aidan O’Brien bei der Jagd auf Bob Frankels Weltrekord.

© Text: Elke Reisdorff, Köln
© Foto: turfcast.de, München

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