Das Rennen des Jahres in München-Riem ist entschieden
Juli 28, 2008 by Ekbert
turfcast.de – Bis zum siebten Rennen waren bereits einige Liter Kaffee durch Mund und Rachen der etwa 17.500 Besucher des Riemer Gruppe-I-Renntags geflossen. Die Stimmung war, trotz des schlimmen Sturzes im Führring von Gerlinde Mühlbichler von der Stute Dietlinde, wieder sonnig und auch die Pferde konnten sich wieder in dem, zunächst durch ein aufgescheuchtes Wespennest frequentierten Führring, den Zuschauern präsentieren. Die unvorgesehene Situation, die durch ein bis dato gut getarntes Wespennest entstanden war, konnte, dank des beherzten und besonnenen Ein- und Angreifens der Verantwortlichen, rasch entschärft werden.
Gerlinde Mühlbichler brach sich bei ihrem Sturz einen Oberarm, drei Rippen und zog sich außerdem noch eine Schulterverletzung zu. Turfcast.de wünscht gute und schnelle Besserung!
Acht Hengste und eine Stute waren angetreten um sich im Großen Dallmayr-Preis die Siegprämie von 91.000 € zu sichern. Die Gesamtdotation dieses Gruppe-I-Rennens, übrigens dem einzigen der sieben in Deutschland gelaufen Rennen dieser Klasse, das über die Distanz von 2000 m führt, betrug 155.000 €, Besitzerprämien nicht mit einberechnet! Kein Wunder also, dass sich auch internationale Elitepferde in die Starterliste eintrugen. Zwei von der Insel angereiste Gruppe-I-Pferde gaben sich die Ehre. Einmal der von Gary Tanaka unter Andreas Suborics ins Rennen geschickte Pressing, der auch gleich die Favoritenrolle einnahm. Und der 6-jährige Indian Ridge Sohn Linngari, der sich bereits in einige Siegerlisten von Gruppe-II und -III-Rennen eingetragen hatte, mehrfach Gruppe-I-platziert war und im Oktober 2007 den Premio Vittorio di Capua in Mailand sicher für sich entscheiden konnte. Das Fragezeichen bei diesem Hengst bildete die Distanz. Auch wenn er bereits gute Leistungen über 2300 und 2000m abgeliefert hatte, feierte er seinen größten Triumph über die Meile. Das wird der Grund gewesen sein, warum Fair Breeze, Egerton und Wiesenpfad von den Wettern den Vorzug erhielten. Linngari belehrte sie alle eines Besseren. Als wenn er nie eine andere Distanz gelaufen wäre, zog er mit einem phänomenalen Schlussakkord zwei Längen in Front und ließ seinem englischen Landsmann Pressing, der unter Andreas Suborics ein starkes Rennen lief, nur den Ehrenplatz. Der englische Top Jockey Ryan Moore verlieh diesem Hengst regelrecht Flügel und wenn man sich das Rennen nochmals ansieht und sich die nun aktuelle GAG Marke von 100 kg betrachtet, kann man nur zustimmend mit dem Kopf nicken. Das Riemer Publikum hatte einen Gruppe-I-Sieger gesehen. Aber auch Ryan Moore hat seinen Teil zu diesem Erfolg beigetragen, indem er dem Hengst ein perfektes Rennen ermöglichte und punktgenau den Turbo zündete.
Auch wenn das Herz von so manchem Riemer Fan für Egerton, Axxos, Santiago oder Wiesenpfad schlug, muss man die Klasse dieser beiden Erstplazierten neidlos anerkennen.
Trotz des englischen Einlaufs müssen sich die deutschen Pferde keinesfalls verstecken. Die einzige Stute im Feld Fair Breeze aus dem Quartier von Mario Hofer unter Andreas Helfenbein ins Rennen gestartet, zeigte, dass sie in dieser Klasse beheimatet ist. Nachdem sie die Grupperennklassen, wie so manches Pferd zwei Handicapmarken durchschritt (sie gewann im April in Chantily ein Gruppe-III-Rennen und im Mai in Saint-Cloud ein Gruppe- II-Rennen), konnte ihre Vorstellung in diesem Gruppe-I-Rennen besser nicht sein. Sie kann nun auf eine GAG Marke von 97 kg verweisen.
Shrek zog sich als Vierter sehr ordentlich aus der Affäre, während Egerton Mitte der Geraden den Rückzug antrat. Axxos, der für die Pace gesorgt hatte, verabschiedete sich ebenso sang und klanglos nach hinten, während Wiesenpfad nie richtig im Rennen war. Das Pferd für das die Distanz tatsächlich etwas zu weit gewesen sein dürfte ist Santiago.
Auch das Rahmenprogramm an diesem Renntag glänzte durch Klasse. Das Listenrennen, die Dallmayr Prodomo Trophy über 1400 m, schnappte sich die “Briefmarke” im Feld Lips Arrow, die unter Jean-Pierre Carvalho, ein Rennen nach Maß serviert bekam. Key to Pleasure meldete sich als Zweitplatzierter erfreulich zurück.
Im zweiten Listenrennen des Tages konnte der französische Gast Turning for Home unter dem Nachwuchstalent Maxime Guyon punkten, der die lange führende Waky Love noch in Schach hielt. Diese lief wieder ein starkes Rennen. Erneut zeigte auch Adolfina, dass bei ihr noch Luft nach oben ist.
Als einziger Münchner Trainer konnte Gerald Geisler zweimal punkten. Er stellte Senorita Lomita, sein Mummpferd dieses Jahr (siehe “Turfcast fragt im Dutzend”) im Stutenrennen siegreich vor. Kenneth Pattinson stellte mit ihr schnell die Weichen auf Sieg. Zudem holte sich das Quartier das beste Handicap des Tages, den Ausgleich II. Hier steuerte Jean-Pierre Carvalho erneut die “Briefmarke” im Feld, Winsome Imp, zum Sieg.
Ein Ritt- ein Sieg hieß für Bettina Streu das Motto des Tages, indem sie Lindquist mit einem Kopf Vorsprung, als erste über die Ziellinie brachte. Stolze 369:10 zahlte der Kornadosohn auf Sieg und ließ die für dieses Rennen angedachte Viererwette ins Wasser fallen.
Die Stimmung war gut am Grupperenntag in München Riem und der Dank gilt besonders der Familie Wille, die durch ihren Einsatz und ihr Engagement diesen Tag zu dem machte was er war – ein tolles Event mit Spitzensport.
Besonders erwähnt werden muss noch der Besuch des berühmten Pferdemalers Klaus Philipp auf der Riemer Rennbahn. Der Mann, der nicht nur durch seine wunderbaren Bilder imponiert, sondern auch durch sein herzliches und patentes Wesen, gab sich die Ehre und geizte nicht mit seinen Drucken- handsigniert natürlich.
© Text & Foto: turfcast.de, München





