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Alte Freunde darf man nie vergessen

März 17, 2011 by Luxenburger 

Ein Demonstrant kann Albertas Run nicht stoppen.© turfstock.com/BaloghMichael Luxenburger – Das kommt davon, wenn man alte Freunde links liegen lässt. Tag drei des Cheltenham Festivals rief das schmerzhaft in Bewusstsein.

Vergangenes Jahr hatte ich an Tag drei groß abgeräumt. Buena Vista und Albertas Run – ich hatte sie allen gepredigt, da der Boden ziemlich fest war und diese beiden auf guter Bahn eine Klasse besser sind. So, und wie war der Boden heute? Genau, ihr ahnt es. Und wen habe ich nicht gespielt? Richtig. Dass das noch mal geht, hatte ich den beiden nicht zugetraut.

Bei den Interviews im Führring hatte Moderator Nick Luck angekündigt, dass es heute der Tag von Tony McCoy werden könnte. Und so kam es auch. Nach dem dritten Rennen war der Champ schon zweimal auf dem besten Platz in der Winners Enclosure gestanden. Was war er nach Tag zwei sauer gewesen. Wenn McCoy sauer ist, dann sieht er aus wie ein alter kranker Mann, mit tiefen Furchen auf der Stirn. Nach Rennen drei war das ein ganz anderes Bild. Und sie feierten ihn, als er nach dem Sieg von Alberta’s Run im Triumphzug in das Amphitheater des Prestbury Tag kam.

Genau das war schon nach Rennen eins, der Jewson Novices Steeple Chase passiert. Glänzend besetzt, hielt die Prüfung, was sie versprochen hatte. Richard Johnson hatte den Favoriten Wishful Thinking (Philipp Hobbs, 4/1) immer vorne, gab ihm dann einen Breather, um im Knick noch mal loszukicken. Doch McCoy hatte den Braten gerochen und Noble Prince (Paul Nolan, 4/1) immer in der Nähe positioniert. Loosen My Load (Henry De Bromhead, 11/2) sah einen Moment gefährlich aus, musste die beiden dann aber ziehen lassen. Noble Prince setzte sich schließlich noch sicher durch. Hobbs, der ja mit Captain Chris die Arkle Chase am Dienstag gewonnen hatte, sah sich in seiner Entscheidung bestätigt, seine beiden Schützlinge nicht gegeneinander laufen zu lassen. “Es war einfach einer zu gut für mein Pferd in diesem Rennen hier”, so sein trockener Kommentar.

Das Pertemps Handicap Final war quasi ein Abziehbild des Rennens aus dem Vorjahr. Was die anderen auch versuchten, sie kamen nicht an Buena Vista (20/1) heran, auf dem sich Conor O‘Farell ungestört eine schöne Zeit machen konnte. Der Stift von David Pipe bewies ein super Tempogefühl und teilte dem zehnjährigen In The Wings-Sohn Start-Ziel alles bestens ein. Siebenmal ist der Wallach beim Festival gelaufen, zweimal war er platziert und zweimal hat er gewonnen. Pipe war total stolz auf seinen Schützling: “Das glaubt doch keiner von einem Zehnjährigen, dass er sich noch steigert, oder? Genau das hat er getan. Wir kommen nächstes Jahr wieder, wenn er gesund bleibt. Conor hat ihm heute einen großartigen Ritt gegeben.” Dahinter landeten die von weit hinten kommenden Son Amin (Tom Cooper/Paul Carberry, 16/1) und Sivota (Willie Mullins/Ruby Walsh, 9/1) vor dem Höchstgewicht Knockara Beau (George Charlton/Jan Faltejsek, 33/1), der immer in der Feuerlinie zu finden gewesen war.

Big Bucks oder Grands Crus ? Der Platzhirsch oder der junge Herausforderer? Das war die Frage vor dem World Hurdle. In einem Rennen, in dem die Form 1a stand, setzte sich der Titelverteidiger (Paul Nicholls/Ruby Walsh, 10/11) sicher gegen den hübschen Schimmel Tom Scudamore, 7/2) aus dem Stall von David Pipe durch. Eine und eine dreiviertelte Länge waren es im Ziel, der Dritte Mourad (Willie Mullins/Paul Towend, 8/1) war auch nicht weit dahinter. Es war eine reelle Steherprüfung, in der Mitte der Geraden noch das halbe Feld Platzchancen anmeldete. Big Buck’s kämpfte auf den letzten 200 Metern Grands Crus nieder, dessen Trainer David Pipe nachher sagte: “Er ist das Rennen seines Lebens gelaufen. Wir dürfen nicht enttäuscht sein, denn der Sieger ist der beste Staying Hurdler seit vielen Jahren.”

Ein komplettes Rathaus war die Byrne Group Plate, eine Handicap Chase über 2 Meilen 5 Furlongs. Dementsprechend fiel auch das Ergebnis aus. Kaum einer hatte mit Holmwood Legend (Patrick Rodford, 25/1) gerechnet, dem der junge Keiran Burke einen blitzsauberen Ritt servierte. Aimigaile (Suzy Smith/Colin Bolger, 25/1) hielt Platz zwei vor dem Favoriten Beautiful Sound (Gordon Elliott/Davy Russell, 9/2).

Im sechsten Rennen, der Fulke Walwyn Kim Muir Amasteur Handicap Chase, setzte sich der Favorit überlegen durch. Junior (David Pipe/J. Codd, 10/3) hatte im Einlauf einen kurzen Schwächemoment, setzte sich dann aber überlegen gegen den alten Kämpfer Faasel (David Pipe/R. Mahon, 20/1) und Deal Done (DessieHughes/Robbie McNamara, 20/1) durch. Da muss so viel Geld auch aus dem eigenen Team drauf gewesen sein, dass Codd dem armen Junior noch kräftig einschenkte, als er längst als Sieger hochgezogen war.

Also, vom Wetten her war dieser Tag zum Vergessen. Eigene Dummheit – siehe oben. Aber es kommt ja noch der Freitag! Und mitzuerleben, wie drei Sieger des Donnerstags 2010 ihre Titel verteidigten, war ja auch was wert. Übrigens, der große Trainer Henry Cecil hat auch ein Rennen gewonnen. Das siebte, das Charity Rennen der Amazonen. Erster Starter in Cheltenham, und gleich ein Sieger. Wahre Könner schaffen eben alles. Uuuh, ich glaube, ich hab noch was vergessen. Ist heute nicht mein geliebter Bible Lord gelaufen? Natürlich, in derByrne Group Plate. Und nicht mal so übel. Aber leider nicht gut genug. Fast fehlerfrei ist der brave Fuchs gesprungen. Den Berg hoch ging dann leider das Benzin aus. Ein ehrenvoller 8. Platz. Aber irgendwie der Sieger der Herzen.

© Foto: turfstock.com, München

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