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Nach Hongkong mit dem neuen Praktikanten

Dezember 10, 2013 by  

20120601Travel_0001.JPGM. Luxenburger – Hongkong ist nicht einfach nur eine Weltstadt wie London, nur eben mit Chinesen. Hongkong ist unvorstellbar anders. Autor und Fotograf haben sich in den Horst des Drachen gewagt und sich mit Unterstützung des Praktikanten Flo an die Fersen der deutschen Galopper Feuerblitz, Neatico, Nymphea und Seismos geheftet, die dort bei den Longines International Races viel Geld verdienen wollten. Leider blieb es beim Versuch.

20121204Tibet_0002.JPGDer Hinflug mit einem Airbus 320-600 der Lufthansa ist nur insofern erwähnenswert, dass der Fotograf nach etwa neun Stunden ganz aufgeregt zum dösenden Autor rüber kam und ankündigte, dass wir gerade das Hochplateau von Tibet (Foto) überfliegen würden. Tatsächlich hatten wir jenes aber etwa 300 km westlich links liegen gelassen. Immerhin: Aus dem Fenster waren auch Berge zu sehen und eine Art Plateau. Praktikant Flo hatte derweil ein angeregtes Gespräch mit einer hübschen jungen Augsburgerin laufen, die unterwegs zum Westernreiten in Neuseeland war. Sein Interesse an Hochplateaus hielt sich deshalb in Grenzen. Das Mittagessen im Flugzeug war erste Klasse gewesen – Rinderlendenstreifen mit Reis und Gemüse, dazu einen Chablis ­- wie man überhaupt sagen kann, dass Langstrecken fliegen mit der Kranich-Airline ein Vergnügen ist, soweit man von Vergnügen sprechen kann, wenn man 13 Stunden in einem Flugzeug unterwegs ist.

In Hongkong angekommen – der Flughafen ist unvorstellbar größer als alles, was dem Autor bisher an Flughäfen untergekommen ist ­ strebte der Fotograf zielsicher zu einem der trillionen Schalter. Er war nicht das erste Mal in Hongkong und sicherte uns in perfektem Hongkong-Englisch (man macht so viele Grammatik-Fehler wie möglich und spricht in einem charmanten Singsang) einen Shuttle-Bus zum Hotel Renaissance, einem 5-Sterne-Monster am Hafen. „Lennesans, Lennesans, follo mi“, sagte einer der Anzugchinesen am Desk begeistert und machte ein Handzeichen, wobei der Arm wie die Klinge eines Springmessers aus der Schulter zuckte. Diese Handzeichen sollten uns die ganze Reise über begleiten. Chinesen lieben sowas. Der Autor hätte die Reisegesellschaft üblicherweise ja lieber in einer maximal Zwei-Sterne-Absteige gesehen (das ist einfach authentischer), aber da uns der Hong Kong Jockey Club (HKJC) eingeladen hatte und die Hotelrechnung bezahlte, verzichtete der Autor dann auch gerne mal auf die einfache Ausführung. Dass die Entscheidung richtig war, zeigte später ein Ausflug in die gefährlichen Gegenden, in denen solche Billig-Absteigen üblicherweise situiert sind.

Fahrt zum Hotel by turfstock.comDie Fahrt vom Flughafen in die etwa 30 Kilometer entfernte City bereitete das Münchner Trio schon mal darauf vor, was dann für die ganzen fünf Tage einer der umwerfendsten Eindrücke bleiben sollte. Denn die Schnellstraße war von Hunderten von Hochhäusern gesäumt, gegen die Neuperlach eine Reihenhaussiedlung ist. Diese Wohnsilos fangen bei 40 Stockwerken an und erreichen schon auch mal 90 davon. Da die Wohnungen meistens winzig klein sind, sind die Kleiderschränke scheinbar außen angebracht. Wer wie der Autor gedacht hatte, dass das Nonplusultra in Sachen Wäsche mit Straßenblick Neapel sei, musste schnell umdenken. Die Hochhäuser recken sich schmal wie riesige Schokoladenriegel in den Himmel, und sie stehen so eng beieinander, dass die Feuerpolizei bei uns in permanentem Alarmzustand wäre. Dieses Bild zog sich durch die ganze Fahrt, und man bekam jetzt die Erklärung, wie man es in Hongkong schafft, sieben Millionen Menschen auf einer Fläche unterzubringen, die ungefähr München entspricht. Wobei ja ein großer Teil des verfügbaren Platzes durch Geschäfts- und Bürogebäude sowie Hotels verbraucht wird. Als wir uns der City näherten, begann der Verkehr immer langsamer zu fließen, bis uns der große Stau in die Arme nahm. Zehntausende von Autos, Lastwagen und Bussen pusteten Abgase in die Luft, um den berüchtigten Smog in Hongkong auch ja nicht verschwinden zu lassen.

Am Hotel so gegen 17.30 Uhr Ortszeit angekommen, sprangen uns sofort vier Pagen an und schnappten sich die Koffer. Wie sie es schafften, dann jedem unserer Zimmer den richtigen zuzuordnen, ist eines der vielen Mysterien Hongkongs. Auch hier traten sofort einige Handzeichengeber auf den Plan, wobei der Fotograf schnell das Wegzeigemädchen (WzM) erkannte, das er im Vorjahr schon mal vergeblich zu einem Ausflug (nennen wir es mal so) hatte überreden wollen, nachdem er sich mit mehreren Tsingtao-Bieren Mut angetrunken hatte. Das WzM grüßte sehr freundlich und zeigte uns den Weg zum Lift. Die Zimmer waren sehr schön, wenn auch der Teppichboden wohl der Renovierung des Hotels vor einigen Jahren entgangen sein musste. Er wies ein Camouflage-Muster auf, als hätte sich in ihm der Jahresausstoß einer Brauerei verewigt.

Die Reisegesellschaft hatte im Flugzeug kaum geschlafen. Eigentlich war es ja 11 Uhr deutscher Zeit, Hongkong liegt sieben Stunden voraus. Noch war allerdings vom Jetlag nichts zu spüren. Unternehmungslustig zog das Trio los. Mit der Fähre ging es in einen anderen Stadtteil, und am Celebrity Walk an der Uferpromenade wurde das Ankunftsritual vollzogen. Stammleser dieses Blogs kennen das: Dose Bier, Underberg, Zigarette. Die Kippen darf man hier nicht auf den Boden werfen, das ist streng verboten und mit Geldstrafe bewehrt. Es stehen aber alle 100 Meter rote Mülleimer mit Aschenbecher obendrauf, so dass man die Kippen nicht runter schlucken muss. Auch Spucknäpfe stehen an den Straßen, was auch nötig ist: Die Hong Kong Chinesen sind beständig damit beschäftigt, mächtige Lungenheringe heraufzukeuchen, was sicher auch damit zu tun hat, dass der Smog hier beständig die Bronchien verklebt. Außerdem rülpsen sie gerne laut und vernehmlich. Der Westeuropäer findet das eher befremdlich, doch wie heißt es so schön? Genau. Andere Länder, andere Sitten.

Praktikant Flo hat Hunger © turfstock.comDer Hunger trieb uns durch die vollen Straßen, immer weiter, in immer hektischer werdendes Treiben. Jeder noch so kleine Laden hat hier eine riesige Leuchtreklame. Energie sparen ist kein Thema, schließlich kommt ja genügend Strom in zwei gewaltigen Überlandleitungen über die Bergkette hinter Hongkong in die Stadt. Dem Autor, der am liebsten Meeresfrüchte auf dem Teller hat, sprang eine riesige blinkende Garnele ins Auge, und deshalb nötigte er die anderen dazu, in den zweiten Stock eines eher unscheinbaren Hauses zu steigen. Wie sich schnell zeigen sollte, war die Wahl goldrichtig, denn so gut hat das Trio in keinem anderen Restaurant in Hongkong mehr gegessen. Es handelte sich um einen all you can eat-Laden auf höchstem Niveau, in dem nur gut gekleidete Einheimische saßen. Wir waren die einzigen Langnasen. Man zahlt 268 Hong Kong Dollar (etwa 26 Euro), und dann kann man zwei Stunden lang speisen, bis nichts mehr reingeht. Man nimmt Platz an einem Tisch mit einem Gasgrill in der Mitte, jeweils für vier Personen eine Flamme. Im Handumdrehen kam ein Kellner, der augenscheinlich einem Manga Comic entsprungen war, und brachte uns Soßen, Wasabi und einen Tray mit Garnelen, Muscheln, Streifen und Stücken vom Kobe-Rind und magerem Wildschwein-Speck.

Das ging also gut los. Wir bestellten japanisches Bier (sehr süffig) und begannen zu chinesischer Popmusik mit dem Grillspaß. Wenn der Tray leer war, versah man den Kellner mit Bestellungen, die man auf zweisprachig gedruckten Zetteln ankreuzte. Der Platz reicht hier nicht aus, um alles zu erwähnen. Und wir schafften es auch nicht, alles zu probieren. Unter anderem brutzelten Streifen von Abalone-Muscheln, Sea Brass, Seeteufel, Honigmakrele, Lammkoteletts, große Venusmuscheln und Garnelen aller Art auf dem Grill. Zwischendrin orderten wir Krebs in einem herrlich fluffigen Bierteig, Suppen und natürlich immer wieder Kobe-Rind. Das ist sauteuer und schmeckt grandios, bei uns kostet das Kilo etwa 150 Euro. Durch die feine Fett-Marmorierung ist es das ideale Grillfleisch. Möglicherweise führte unsere Vorliebe für diesen Leckerbissen dazu, dass der Kellner immer seltener kam. Wir belohnten ihn aber mit einem Trinkgeld und das Restaurant mit unserer Bierrechnung, die genauso hoch war wie die für das Essen und freundlicherweise sozusagen als Einstand vom Praktikanten übernommen wurde, während sich Fotograf und Autor die Essensrechnung teilten. Noch ein Tsingtao auf dem Heimweg, und dann ging’s ins Bett.
Schlafen konnte aber keiner. Schließlich war es ja eigentlich erst 18 Uhr. Mehr demnächst in diesem Blog.

© Fotos: turfstock.com, München

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