Luxis Reisen – Hennessy Gold Cup 2008
November 30, 2008 by Ekbert
turfcast.de – Sie sind ja immer da, die Zeichen, aber man erkennt sie meistens nicht. Als ich am Samstag, 29. November, so um 14.30 Uhr am Eingang zum Führring in Newbury mit Martin Pipe zusammenstieß, hätte es mir dämmern müssen: Natürlich, nur Madison Du Berlais kann den Hennessy Gold Cup gewinnen. Schließlich wird er ja von Martin Pipe’s Sohn David trainiert. Dieses Pferd hatte ich allerdings wie fast alle anderen auch nicht auf der Rechnung. 25:1 bei den Buchmachern, 320:10 am Toto: Wie geht denn sowas. Zuletzt in Ascot klar geschlagen, noch nie auch nur annähernd über die Gold Cup-Distanz erfolgreich gewesen. Alle hatten wir vergessen, dass er letztes Jahr in genau diesem Rennen Vierter war – gewonnen hatte ein gewisser Denman. Dass dieser Hennessy Gold Cup als epische Schlacht in Erinnerung bleiben wird, dafür sorgte auch ein Pferd aus deutscher Zucht: Air Force One . Mit 5:1 als zweiter Favorit gehandelt, lieferte dieser Bulle von einem Pferd dem Sieger einen Kampf die ganze Gerade herunter. Die 40 000 Zuschauer hatten sich gerade vom Schock erholt, dass der Favorit Big Buck`s am letzten Hindernis einen solchen Rumpler hinlegte, dass Sam Thomas aus dem Sattel musste, als sie sofort umstiegen. Sie wollten den Schützling von Charlie Mann ins Ziel brüllen, den Lando-Sohn, der niemals aufgibt. Aber auf dem ziehenden Boden musste er sich mit drei Längen dem Außenseiter geschlagen geben. Trainer Mann sagte nach dem Rennen: „Ich bin begeistert. Er hat den Boden gehasst, und ist trotzdem so ein tolles Rennen gelaufen. Das ist mein Gold Cup-Pferd für Cheltenham“. David Pipe gab sich überrascht: „Ich kann es nicht glauben, ich war nicht davon überzeugt, dass Madison gut laufen wird“. Tom Scudamore servierte ihm ein Rennen nach Maß.
Natürlich muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass es auch erwartete Ergebnisse gab. Etwa den Ausgang des alljährlichen Fish & Chips-Tests, der wieder zur vollsten Zufriedenheit ausfiel. Das Personal in der altehrwürdigen Bretterbude hinter der neuen Tribüne sieht auch schon so aus, als würde es die eigenen Produkte nicht verschmähen. Der Fisch ist knusprig, und schwimmt schmeckbar genauso gerne jetzt im Fett, wie er früher im Wasser geschwommen war. Die Chips sind goldgelbe Kalorienbomben. Damit, und ein oder zwei Guinness dazu, ist man gut vorbereitet für den nervenaufreibenden Nachmittag am Hennessy Day in Newbury.
Erstaunlich sind da mehrere Dinge. Zum einen, wie der englische Rennsport trotz Finanzkrise boomt. Es gehört zum guten Ton, auf die Rennbahn zu gehen. Das männliche Jungvolk schmeißt sich in die dunklen Anzüge, und die Mädels laufen bei drei Grad mit kurzem Rock, einem Hauch von Oberteil und ohne Strümpfe rum. Mäntel – nein danke, Die Zuschauer sind genauso hart drauf wie die Pferde im National Hunt – nur dass letztere nicht so viel Bier und Champagner trinken. Alleine der Umsatz der französischen Bubbles in der zentralen Bar dürfte höher sein als der Tagesumsatz auf einer deutschen Rennbahn.
Bis zum dritten Rennen musste man warten, um ein Pferd zu sehen, das in einem Stil gewann, der seiner Quote, 5/4 on, entsprach. Petit Robin aus dem Stall von Nicky Henderson, der vier Rennen gewann, canterte unter Tony McCoy (ebenfalls vier Siege) vor dem gewiss nicht schlechten It’s Crucial (7:1) aus dem Formstall von Nigel Twiston-Davies in der Handicap Chase über 2 Meilen 1 Furlong nach Hause. Die verlockende Handicapmarke ist jetzt natürlich ruiniert, aber der Handicapper muss da schon gewaltig aufladen, damit ihm dieses Pferd nicht weiter davon läuft.
Ein Aufschrei ging ein Rennen später durch die Menge, als Denis O’Reagan im Schlussbogen den Hürdler-Star Inglis Drever anhielt. Dreimal hatte er das Long Distance Hurdle Race schon gewonnen, und er ging noch sehr gut. Der Assistenztrainer von J. Howard Johnson, Ray Hawkey, sagte nachher, dem Pferd sei eine Sehne herausgesprungen. Wenn das so ist, wird der Held dreier World Hurdles in Cheltenham seinen verdienten Dauerurlaub in einem schönen Paddock antreten. Um seine Nachfolge wird sich, das kündigte Trainer Nicky Henderson an, der Sieger des Rennens in Newbury, Duc De Regniere (9:1), bewerben. Der sollte eigentlich in Zukunft über die Jagdsprünge antreten, aber jetzt will man die langen Hürdenrennen mit ihm gewinnen.
Was war sonst noch wichtig? Die alte Weisheit „Horses for Courses“ bestätigte Helens Vision im abschließenden Hürden-Handicap nach tapferem Kampf als 11:1-Chance gegen den Favoriten Khyber Kim, dessen Reiter Paddy Brennan allerdings im Endkampf Zügel und Bügel verlor. Und die schicke Trainerin Venetia Williams hielt mir mal die Türe zur Members Suite auf. Danach hatte ich eines ihrer Pferde gewettet. Das wurde letzter. Es gibt also auch Zeichen, die man nicht wahrnehmen sollte.
© Text: Michael Luxenburger, München
© Foto: turfcast.de, München





