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Luxis Reisen – Epsom Derby 2010

Juni 5, 2010 by Ekbert 

20100605epsom_uk_490_cropturfcast.net – Das war das Epsom von Ryan Moore. Beide Klassiker gewonnen, mit Snow Fairy die Oaks und mit Workforce im Derby einen neuen Bahnrekord aufgestellt. 140 000 Zuschauer feierten.

Endlich Sommer. Ein Münchner muss dazu nach London fliegen. 26 Grad zeigte das Thermometer am ersten Tag des Investec Derby Meetings in Epsom. Die Zugfahrt nach Tattenham Corner erinnerte an eine in Kalabrien: Hitze! Doch die sieben Rennen und die Stimmung in der Volksfest Area in the dip waren die im Schneckentempo rollende Sauna absolut wert. Zum einen durfte man die Show von Fame And Glory (Johnny Murtagh, Aidan O’Brien, 5/6 on) genießen, der auch von der groß kämpfenden Sariska (Jamie Spencer, Michael Bell, 5/2) nicht zu gefährden war. Dahinter sorgte die Stute High Heeled (William Buick, John Gosden, 25/1) für eine Überraschung auf Platz drei. Der alte Kämpe Youmzain brach Kieran Fallon weg, als es im dip zur Sache ging, und landete auf dem 4. Platz. Der Rest spielte auf dem recht festen Boden keine Rolle. Fame And Glory’s Reiter Johnny Murtagh meinte nach dem Rennen, immer ein sehr gutes Gefühl gehabt zu haben: “Mein Pferd hat den ganzen Weg lang gecantert.“

In den Oaks gab es fast eine Sensation, denn die Dynaformer-Stute Meeznah (Ted Durcan, D.R. Lanigan, 25/1) war eigentlich das besser gehende Pferd, aber die grandiose Jockeyship von Ryan Moore gab dann mit einem Hals den Ausschlag für die für 20 000 Pfund nachgerannte Snow Fairy (E.A. Dunlop, 9/1), die ihren Vorteil zäh nach Hause brachte. Bei beiden Stuten von Henry Cecil, Aviate und Timepiece, musste man vom Pedigree her Sorgen um ihr Stehvermögen haben, was sie dann auch im Rennen bestätigten. Erstere, die Favoritin des Rennens, kam auch laut ihrem Reiter Tom Queally nicht mit dem Gefälle in der Zielgeraden zurecht. Auch Sajjhaa (Frankie Dettori, Michael Jarvis) lief wie ein nonstayer und wurde früh nicht mehr von ihrem Jockey bemüht.

Im Rahmenprogramm machte der Dreijährige Shakespearean (Frankie Dettori, Saeed Bin Suroor, 11/4) großen Eindruck, als er die Surrey Stakes sehr leicht vor Yaa Wayl (Philip Robinson, Michael Jarvis, 15/2) gewann. Auch Bushman (William Buick, David Simcock, 11/1) konnte in den Diomed Stakes (Gruppe 3) ebenso wie sein Jockey sehr gefallen, als er nach Kampf Alexandros (Frankie Dettori/Saeed Bin Suroor, 9/1) niederrang. Kieran Fallon holte sich mit Tartan Gigha (Mark Johnston, 6/1) und dem verblüffend leicht siegenden Fiery Lad (Luca Cumani, 12/1) zwei Handicaps. Nach monatelangem Formtiefreitet er wieder wie in alten Zeiten. Seit er in Ayr einen Fourtimer hingelegt hat, läuft es wieder. Man sieht: Selbstvertrauen ist alles.

Das nutzte Kieran Fallon allerdings nichts am Derby Day, als er im Verkehrschaos auf den Straßen rund um London stecken geblieben war. Bis zum Derby musste er deshalb alle Ritte aufgeben, weil er erst um 15.30 Uhr auf die Bahn gekommen war. Im Rennen der Rennen selbst spielte sein Pferd Al Zir (Saeed Bin Suroor) keine Rolle. Es sah lange nach einer Sensation aus, denn der Pacemaker für den 9/4-Favoriten Jan Vermeer (Johnny Murtagh, Aidan O’Brien), At First Sight (Seamus Heffernan, Aidan O’Brien, 100/1) sprang etwa 1000 Meter vor dem Ziel um zehn Längen vor das Feld und marschierte immer weiter. Schon da war abzusehen, dass der Favorit nicht gewinnen würde, zumal Murtagh aus der schlechten Startbox ganz außen nie eine richtige Lage fand. Als Ryan Moore mit dem im Führring blendend aussehenden Workforce ernst machte, war es auch um den tapferen Piloten geschehen. Der nachgenannte Rewilding (Frankie Dettori, Mahmood Al Zarooni, 9/2) hatte Rang drei vor Jan Vermeer immer sicher.

Die von Godolphin in Deutschland erworbene Platini-Tochter Antara musste unter Frankie Dettori hart kämpfen, um als 2/1-Favoritin die Princess Elisabeth Stakes (Gruppe 3) nach Hause zu bringen. Reggae (Gerald Mosse, Alain de Royer Dupré, 9/4) brachte seine Stute zu spät auf freie Bahn und kam nur noch bis auf einen Hals heran. Antara zeigte tolle Fighter-Qualitäten und wird sicher einen guten Platz in der Mutterstuten-Herde von Godolphin bekommen. Viel Eindruck machte in den Woodcote Stakes der von Thommy Stack trainierte High Award. Der Dreijährige löste sich als 7/1-Außenseiter unter Johhny Murtagh leicht von Dubawi Gold (Philip Makin, Michael Dodds, 5/2) und Premier Clarets (Paul Hanagan, R. Fahey, 11/2). Makin zeigte dann noch im abschließenden Handicap einen absoluten Glanzritt, als er mit Flipando (T.D. Barron, 10/1) vom letzten Platz am ganzen Feld vorbeiflog und Fol Hollow (Michael Geran, David Nicholls) sicher auf den Ehrenplatz verwies. Den Dash über 5 Furlongs schnappte sich mit Bertoliver (Jack Mitchell, S.C. Williams, 25/1) ein großer Außenseiter – ene der wenigen großen Überraschungen dieser zwei tollen Tage in den Epsom Downs.

Ob das noch jeder auf der Bahn mitbekommen hat, darf bezweifelt werden. Schließlich war der Dash schon das 4. Rennen auf der Karte, und die Besucher der Volksfestabteilung – im Bahninneren ist eine Art Oktoberfest aufgebaut – hatten da schon mehrere Zugladungen Bier, Wein und Champagner vernichtet. Irre, was da alles unterwegs war. Und da es etwa 27 Grad hatte, konnte man auch großartige Tätowierungen bewundern, die anscheinend jeder Engländer jeden Alters besitzt. Die Damen hatten sich sehr gewagte Kleider angezogen, und die Kombination aus Alkohol und High Heels sorgte für einige Niederbrüche glücklicherweise nur bei den Zweibeinern. Ein paar junge Typen flashten dann nach dem letzten Rennen nackt die Zielgerade runter, was die Tribüne mit großem Hallo begrüßte, bis die Jungs von der Security eingefangen waren. Man muss das einfach mal miterlebt haben. So eine Party gibt’s auf unseren Rennbahnen leider nicht.

© Text: Michael Luxenburger, München
© Foto: turfstock.com, München

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