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Luxis Reisen – Hennessy Gold Cup 2007

Dezember 4, 2007 by Ekbert 

graham_lee_bierkrug.jpgturfcast.de -  Na gut, ich geb’s ja zu. Einer der Gründe, warum ich jedes Jahr zum Hennessy Gold Cup Day nach Newbury pilgere, sind die sensationell guten Fish & Chips, die es dort auf der Rennbahn gibt. Sie werden immer noch in der alten Bretterbude frittiert, die gegenüber der neuen Tribüne ihr Dasein fristet, mit der herrlich altmodischen Bar hintendran, wo schon drei Stunden vor dem ersten Rennen von altgedienten Zockern die Racing Post studiert wird – zum Pint of Lager natürlich, das mittlerweile auch schon 3.60 Pfund kostet.

Wir hatten uns, um das Frühstück komplett zu machen, ein pint frisches Guinness im Zelt gegenüber geholt, und uns so gestärkt an das Ausfüllen des Placepot-Scheins gemacht. Auch wenn man da mit schöner Regelmäßigkeit spätestens im vierten Rennen rausfliegt (so war’s auch diesmal), ist das eine tolle Wette, die Spannung über den Renntag garantiert.Die Rennbahn in Newbury ist eine der schönsten in England, und die Tribüne der Members Enclusure (40 Pfund Eintritt kostet der Spaß) bietet jeden Komfort, den man sich nur denken kann. Eine Bar neben der anderen, ein vieving balcon, von dem aus man einen großartigen Blick auf die Bahn hat, und oben drin die private boxes, die man (falls eine ausnahmsweise mal frei ist) für rund 10 000 Pfund inclusive Champagner, Wein, Brandy und einem fünfgängigen Essen mieten kann. 20 Gästen kann man dann einen schönen Nachmittag bereiten. Wir blieben bei Guinness und den schon erwähnten Backwaren, denn man ist ja sowieso den ganzen Tag unterwegs. Da kommt keinen Moment Langeweile auf, denn alles ist sehr professionell, informativ und unterhaltsam aufgezogen. Ex-Jockey Luke Harvey, der schon seit langem für den BBC-Radiosender Five Live arbeitet und auch der Anchorman des sensationell guten Cheltenham Festival Radio ist, macht in der Winners Enclusure exzellente Interviews nach den Rennen mit Jockey, Besitzer und Trainer, und man spart sich die überflüssige Tipgeberei, die auf deutschen Rennplätzen statt substanzieller Information die Leute nur verunsichert. In einem Zelt spielt dazu eine knackige Rockband, und natürlich sind ein paar Dubliner-Clone über die Bahn verteilt. Alle 50 Meter kann man Rennsport-Devotionalien erwerben, und das Angebot an traditioneller Bekleidung ist auch nicht übel.

Aber natürlich gab’s auch sehr guten Sport, der allerdings diesmal unter den extremen Bodenverhältnissen litt. Offiziell zwar als weich bezeichnet, zog das dicke Gras extrem. Auch wenn kaum die Stücke flogen, mussten sich die Pferde doch arg durch die Bahn quälen – in der Novices Chase zum Beispiel lagen zwischen den ersten vier Pferden 15 bis 49 Längen. Es hatte sich wohl noch nicht bis nach England herumgesprochen, dass der erstmals von Trainer Jonjo O’Neil aufgebotene Donaldson weichen Boden hasst. Er startete im einleitenden Novices Hurdle als 2/1-Favorit und ging nur bis zum Schlußbogen gut. Anfangs der Geraden sendete er Notsignale, und nachdem Tony McCoy ihn ein paar mal energisch aufgefordert hatte, stellte er richtigerweise seine Bemühungen ein und pullte den deutschen Listensieger auf. Da er nicht übel gesprungen war, sollte das auf guter bis fester Bahn schon ganz anders aussehen. Das Rennen ging an die von Miss H. Lewis trainierte vierjährige Alflora-Stute Helens Vision, die auf der Bahn als gutes Ding kursierte und entsprechend überlegen Start-Ziel gewann. Nachwuchsreiter Paddy Merrigan konnte sie schon weit vor dem Ziel aufnehmen. 27 Längen dahinter rette sich der Ex-Franzose Pasco (Paul Nichols/Sam Thomas) auf Rang zwei vor dem 25/1-Außenseiter Pagano (Alan King/ J A McCarthy) ins Ziel.

Es folgte eine eindrucksvolle Demonstration alter Klasse, als Inglis Drever (Howard Johnson/Denis O’ Regan) das Grade 2 Long Distance Hurdle zum dritten Mal hintereinander gewann. Blazing Bailey (Alan King/Sam Thomas) machte lange die Pace und sah auch eingangs der Geraden noch sehr gut aus, machte dann aber am drittletzten Hindernis einen Fehler, der ihm die Nase ins Gras drückte. Das nahm dem Fünfjährigen komplett den Mumm. Da sollte aber noch was drin sein. Special Envoy, der zuletzt zweimal in hoch dotierten Handicaops am letzten Sprung fiel und dafür dennoch jedesmal 12 Pfund Aufgewicht bekam, kam diemal über den Kurs und wurde unter Paddy Merrigan zweiter vor dem Franzosen Kasbah Bliss, der den Boden absolut nicht mochte.

Höhepunkt des Nachmittags war natürlich der Hennessy Gold Cup, das nach dem Grand National höchst dotierte Handicap der englischen National Hunt Saison. Hier konnten wir die atemberaubende Demonstration der Klasse eines Pferdes sehen, von dem sein Mitbesitzer Harry Finlay nach dem Rennen sagte, dass es auf weicher Bahn im Cheltenham Gold Cup Kauto Star schlagen wird. Wenn man gesehen hat, wie dieser Denman mit 11 Stone 12 Pfund ein zugegeben nicht übermäßig qualitätvolles Feld auf dem klebrigen Boden geradezu abcanterte, dann kann man diese Zuversicht teilen. Immer unter den ersten sechs, schickte Jockey Sam Thomas den mächtigen Siebenjährigen zu Beginn der letzten Runde in die Spitzengruppe, um sich dann vom letzten Sprung in der Gegenseite an vom Feld zu verabschieden. Das war eine Vorstellung, an der man absolut nicht rummaulen kann, zumal Denman auch noch absolut fehlerlos sprang. Alleine dieses Pferd zu sehen, das nun mit 6/4 in klarer Favoritenstellung für den Gold Cup steht, war schon die Reise wert. Elf Längen dahinter war Dream Alliance unter Jamie Moore ungefährdeter zweiter vor dem erwartet gut laufenden Character Building (JJ Quinn/Denis O’Regan). Ein Pferd, das man sich merken sollte, ist Andrew Turnell’s Bible Lord. Als sein Reiter am viertletzten Hindernis die Peitsche verlor, ging der Sechsjährige noch sehr gut. Möglicherweise mangelt es ihm aber auch am Stehvermögen für die 3 Meilen 2 1/2 Furlongs auf dem klebrigen Boden. Er scheint noch lange nicht erfasst und sollte sich ein oder zwei Handicaps über Distanzen von 2 Meilen 4 Furlongs bis 3 Meilen schnappen können. Von den Wettgewinnen kann man sich dann sicher wieder Fish & Chips und ein paar Guinness leisten.

© Foto & Text: Michael Luxenburger, München

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