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Im Zeichen des Z

März 9, 2014 by  

turfstock_daszeichenMichael Luxenburger – Es trägt sich immer in der ersten Woche des Monats März zu, da geht es dem Fotografen ebenso wie dem berüchtigten koptischen Patriarchen Schenouda III.: Er hat Erscheinungen. Während sich dem Ägypter aus El Warak regelmäßig die Jungfrau Maria visualisiert, handelt es sich beim transzendentalen Date des Fotografen um ein Pferd, das umso intensivere Signale aussendet, je näher das Cheltenham Festival rückt.

Stammleser dieses Blogs werden jetzt wissend mit dem Kopf nicken: Ja, das ist natürlich Zarkandar. Das Pferd, das wie früher seine Artgenossen Mousebird und Monkerhostin das rationale Denken des Fotografen ausschaltet, wenn es ums Wetten geht. Gut, der Autor hat auch solche Ikonen wie weiland Bible Lord und zuletzt den göttlichen Nozic, doch diesem Gesamtpaket aus Mystizismus, Nibelungentreue und Heldenverehrung, das der Fotograf jenem Zarkandar entgegenbringt, hat er nichts gleichwertiges entgegenzusetzen. Und er fürchtet auch, dass er während des gesamten Meetings das Zarkandar-Amulett tragen muss, dass ihm der Fotograf 2013 in einer rituellen Seance umgehängt hatte, einige Mantras dabei murmelnd.

Die Zahl 3
Und so kam es, dass der Fotograf tagelang nach Gründen oder besser Zeichen suchte, warum besagtes Pferd das World Hurdle am dritten Tag des Festivals gewinnen wird. Im vergangenen Jahr hatten wir ja schon in unserem Quartier mit dem bezeichnenden Namen Dark Barn ein Zeichen bekommen, das wir aber, wie der Fotograf neulich erklärt hat, falsch gedeutet hatten. Auf dem Parkplatz standen drei Lieferwagen mit einem großen Z auf der seitlichen Schiebetüre, woraus der Fotograf schloss, dass das das Zeichen dafür sei, dass Zarkandar das Champion Hurdle beherrscht. Das tat jener dann nicht, womit er ein großes Loch ins Budget seines Verehrers riss. Fairerweise ist anzumerken, dass Binocular, das Pferd, das der Autor gewettet hatte, ebenfalls keine Rolle spielte.

Die Zeichen sind immer da, man muss sie nur richtig deuten. Mit etwas Abstand, also fast ein Jahr später, glaubt der Fotograf, er habe das Zeichen jetzt richtig gedeutet. Denn die Tatsache, dass es drei Z gewesen sind, bedeute, dass Zarkandar an Tag drei des Meetings über drei Meilen gewinnen wird, zumal er Startnummer dreizehn hat. Drei Meilen ist die Distanz des World Hurdle, dem Rennen, in dem er beim diesjährigen Cheltenham Festival antreten wird. Beim extended English Breakfast, zu dem der Judge Autor und Fotograf am Samstag eingeladen hatte und bei dem die restlichen Sausages vom Hennessy Gold Cup und das überständige Bienenbier – auch als Boddington Ale bekannt – verzehrt wurden, sprach der Fotograf kaum von etwas anderem. Er wollte dann sogleich den Zarkandar zum Festkurs 10/1 wetten, nachdem er erfahren hatte, dass sein Reiter Noel Fehily sein wird.

Wenn das kein Zeichen ist, ihn nicht zu wetten, meinte der Autor dazu in seiner üblichen süffisanten Art. Erneut aus Fairnessgründen muss er aber gestehen, dass er bereits vor zwei Wochen Zarkandar ein paar Euronen mitgegeben hat. Nicht, weil er ein Zeichen bekam, sondern weil er sich eine mittelfristige Wettervorhersage für Cheltenham angeschaut hat. Die vermeldete eine überwiegend trockene Woche mit frühsommerlichen Temperaturen. Zarkandar braucht guten Boden, Annie Power, die Favoritin, ist bisher nur auf Boden schwer und weich gelaufen. Es gibt Zweifel, dass sie die Distanz stehen kann. Big Bucks ist wohl zu alt und hatte im Cleeve Hurdle ein sehr hartes Rennen. At Fishers Cross springt zu schlecht. Rule The World fehlen vielleicht ein paar Pfund zur Spitze. Bleibt Zarkandar. Sieg/Platz bei 10/1 ist sicher nicht die schlechteste Wette des Festivals.

turfstock_guinnessBier, Bier, Bier und Ante P(r)ost?
Womit wir schon mitten in der Vorschau auf diese großartigen vier Tage im Prestbury Park sind, das Olympia des National Hunt Sports.Rund 250 000 Zuschauer werden kommen und nebenbei das Guinness Village leer trinken. Traditionell findet der geneigte Leser in diesem Blog traditionell schlechte Tipps, die aber manchmal überraschend gut sind. Der Autor wird also einige der Rennen ansprechen und einige seiner Ante Post Wetten samt der erhaltenen Kurse offenlegen. Dabei sei jetzt schon angemerkt, dass spätere Bettelbriefe vergeblich sein werden. Huldigungen und Danksagungen sind allerdings immer willkommen.

Das einleitende Supreme Novice Hurdle lassen wir links liegen. Wer hier dennoch sein Geld abladen will, ist traditionell mit dem am zweitmeisten gewetteten irischen Pferd gut bedient. Die Arkle Chase wird in der Vorschauen auf Champagne Fever und Dodging Bullets reduziert, mein Geld geht auf Grandouet (12/1). Er ist der beste Hurdler von allen, und seine Tendenz, die festen Hindernisse zu luftig zu springen, sollte sich beim zu erwartenden schnellen Rennen legen. Auch mein Pferd für das nächste Rennen kommt aus dem Henderson-Quartier. Hadrian’s Approach (12/1) ist ein relativ geschontes Pferd. Der dritte aus der letztjährigen RSA-Chase wurde im Hennessy Goldcup zwar reiterlos, doch rückte er das drei Wochen auf der selben Bahn zurecht. Wenn er in diesem Rennen läuft, sollte Tap Night der Gegner sein.

Wow, was für ein Champion Hurdle
Das am besten besetzte Rennen des gesamten Meetings ist das Champion Hurdle. An einen neuerlichen Sieg von Hurricane Fly glaube ich nicht. The New One ist ein großartiges junges Pferd und mag Cheltenham, aber er hat bisher in jedem Rennen einen Fehler gemacht, und das kann er sich in diesem Champion Hurdle nicht leisten. Our Conor hat das letztjährige Triumph Hurdle in atemberaubenden Stil gewonnen und sollte auf dem zu erwarteten guten Boden erste Chancen haben. Meine Stimme gebe ich My Tent Or Yours, dessen Kurs mit 4/1 in einem derart offenen Rennen aber zu dünn ist. Ich habe ihn aber in diverse Schieben gepackt, da er ein absolut schneller und sicherer Springer ist und beim Vorbereitungsrennen auf der Sandbahn in Kempton auf den letzten 300 Metern eine Zeit hingelegt hat, mit der er in einem Sprintrennen hätte mithalten können. Solo gewettet habe ich Jezki, nachdem ich erfahren hatte, dass dieses etwas nervige Pferd zum ersten Mal mit einem Hood antreten wird. Die 10/1 sind absolutes Value für ein Pferd, das mit einem dritten Platz beim Festival schon gezeigt hat, dass ihm der Kurs liegt.

turfstock_quevegaSchon wieder Quevega?
Alle sagen, dass Quevega der Banker des Meetings ist, aber ich riskiere im Mares‘ Hurdle etwas mit Alan King’s Frankreich-Import L’Unique (25/1), die endlich wieder passende Bodenverhältnisse antreffen wird. Ihr Sieg im Vorjahr in Aintree auf gutem Boden hat viel Eindruck gemacht. Alles andere als ein Sieg von Shutthefrontdoor in der Terry Biddlecombe Chase für die Amateure würde mich schon sehr wundern. Die 9/1, die ich vor einer Woche bekommen habe, gibt es längst nicht mehr. Etwas Kleingeld ist auf Suntiep (20/1) unterwegs. Der Ungaro-Sohn aus dem Mullins-Quartier ist zwar ein Novice, aber ein sehr sicherer Springer, der ewig stehen kann. In der abschließenden Novice Handicap Chase ist eine Überraschung nicht aus der Welt. Vielleicht kommt sie von Ohio Gold (25/1), denn Trainer Colin Tizzard hat diesem Pferd geschickt seine gute Handicap-Marke erhalten. Den dritten Platz aus dem Vorjahr sollte er verbessern. Mein Geld hat er im Sattel.

Da die tollen Tage in Cheltenham sicher die eine oder andere Geschichte abwerfen, wird der Autor ab Dienstag jeden Abend hier in diesem Blog berichten, das Ganze mit Ergebnissen, Analysen und Trainerkommentaren zu den Rennen aufwerten und weitere schlechte Tipps geben. Der Fotograf ist jetzt schon ganz aufgeregt. Der Autor aber auch. Cheltenham, wir kommen!

© Fotos: turfstock.com, München

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