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Im Frankel-Stil: Danedream siegt im Großen Preis von Baden

September 6, 2011 by  

Hemke Label Danedream © turfstock.com/BaloghRolf C. Hemke – Auf dem Laufsteg, ach so Führring heißt es, war die Show schnell entschieden. Die Titelverteidigerin ließ der Konkurrenz keine Chance: Mit ihrem bis auf halbe Höhe sorgsam geflochtenen Pferdeschwanz und dem kleinteilig rautierten Schachbrettmuster auf dem glänzenden Schimmelfell hätte Night Magic auch Heidi Klum und ihre Adeptinnen in den Schatten gestellt. Wow! Nach dem Rennen salutierte der geneigte Zuschauer dann aber doch eher der Girlpower ihrer mehr als würdigen Nachfolgerin, nicht nur im Großen Preis von Baden, sondern auch als First Lady: Gestüt Burg Ebersteins Danedream, ein 9000 € BBAG-Kauf aus dem Vorjahr. Galoppsport kann so undankbar sein.

Ähnlich wie schon Ende Juli im Gr.1-Großen Preis von Berlin in Hoppegarten deklassierte die dreijährige Stute unter Andrasch Starke die Konkurrenz mit sechs Längen. Night Magic wurde bei ihrem angekündigter Maßen letzten Karriereauftritt Zweite. Die populäre Diana-Siegerin von 2009, im selben Jahr auch zur Galopperin des Jahres gewählt, hatte lange Zeit auf dem weichen (4,5 cm) Geläuf in bester Haltung die Pace gemacht, in ihrem Windschatten allerdings schon ständig von Danedream verfolgt. Ausgang des Rastätter Bogens suchte Starke bereits die Entscheidung, führte Danedream nach außen auf den festeren Boden an den Rails und hatte Night Magic und Karoly Kerekes alsbald hinter sich gelassen.

Der Stil in dem Danedream ihren Strich durchzog erinnerte ohne Übertreibung an Henry Cecils immer noch ungeschlagenen Wunderhengst Frankel. Night Magic wiederum distanzierte den Rest des kleinen, aber von der Papierform her durchaus hochklassigen Feldes ihrerseits nochmals um satte sieben Längen. Das war also eine Dreiklassen-Gesellschaft an diesem undankbar verregneten Sonntagnachmittag in Iffezheim.

Die Verhältnisse zwischen den beiden führenden Damen blieben dabei unverändert. Denn Night Magic blieb auch bei ihrem vierten Platz im Großen Preis von Berlin gut sechs Längen hinter Danedream. Das Badener Feld scheint also – ohne die Berliner Nummern zwei und drei Scalo und Superstition – zumindest formschwächer besetzt gewesen sein. Auch wenn das im Vorfeld nicht unbedingt so ausgesehen hatte. Denn erst sieben Längen hinter Night Magic kam als Dritter der englische Gast Joshua Tree unter William Buick und aus dem Training von Newmarket-Trainer Mario Botti ein. Buick gab nach dem Rennen auch prompt zu verstehen, dass sein Partner mit dem klebrigen Geläuf gar nicht zurecht gekommen sei.

Um eine Nase schlug Joshua Tree, Sieger des letztjährigen Gr.1-Canadian International von Woodbine, die französische Stute Maria Royal aus dem Training von Startrainer Alain de Royer-Dupré, die ihrerseits Siegerin des Gr.2-Prix de Royallieu am letztjährigen Arc-Wochenende in Longchamp war, und als ausgesprochene Spezialistin für weichen Boden gilt. Als Fünfter weitere viereinhalb Längen zurück folgte der in diesem Klassefeld wohl eher überforderte Winterfavorit des letzten Jahres Silvaner unter Filip Minarik.

Dann als Letzter einen weiteren Kopf zurück kam der Favorit des Rennens ein – zur großen Enttäuschung seiner Fans: Der aktuelle deutsche Derbysieger Waldpark unter Eduardo Pedroza. Hatte sein sechster Platz im Gr.2-Prix Guillaume d´Ornano von Deauville vor drei Wochen durch einen Eisenverlust noch eine Entschuldigung gefunden, so hinterließ die Iffezheimer Leistung des Dubawi-Sohnes einen sprachlosen Trainer Andreas Wöhler. Hatte der ebenfalls aus dem Wöhler-Stall stammende Derby-Zweite Earl of Tinsdal seine Leistung im Gr.1-Rheinland-Pokal von Köln mit einem standesgemäßen vier Längen-Sieg Mitte August untermauern konnte, scheint Waldpark seine Frühsommer-Form erst mal verloren zu haben. Oder kam das Rennen nach dem anstrengenden Deauville-Start doch noch zu früh? Jedenfalls legte die Leistung des Derbysiegers nahe, ihn erst mal in eine etwas vorgezogene Winterpause zu schicken.

Vergleicht man die Leistungen von Danedream in Baden und Earl of Tinsdal in Köln, kann man dies über zwei Ellen messen: Rechnet man über Silvaner, der siebeneinhalb Längen hinter dem Earl aber fast 18 Längen hinter Danedream einkam, scheint auch ein Klassenunterschied zwischen der Schiergen-Stute und dem Wöhler-Hengst zu bestehen. Schaut man aber auf Bodenverhältnisse (beide weich, Baden: 4,5 cm, Köln aber 5,6 cm) und die Zeit (bei gleicher Distanz von 2400 m), dann stellt sich die Rechnung auf den Kopf: das Kölner Rennen war bei schwierigerem Boden um 2, 23 sec schneller und Eduardo Pedroza musste seinen Partner zu keinem Zeitpunkt ausreiten. Der Badener Rennverlauf war demgegenüber deutlich verschleppter.

Der Vergleich muss also letztlich offen bleiben, auch wenn man nicht umhin kommt, die Vorstellung der dreijährigen Lomitas-Tochter optisch vorzuziehen. In Berlin und Baden sah es wirklich danach aus, als hätte Peter Schiergen da mindestens die beste deutsche Stute seit den Glanzzeiten der Derbysiegerin von 1997, Borgia, im Stall stehen. Vielleicht ist Danedream gleichzeitig der beste, in Deutschland trainierte Galopper seit Schiergen Baron von Ullmanns Manduro Ende 2005 ins Training zu Andre Fabre geben musste.

Eigentlich hätte es keiner weiteren Bestätigung der Sonderstellung von Danedream mehr bedurft. Doch das Wochenende lieferte sie frei Haus. Etwas früher am Nachmittag hatte der Schlenderhaner Derby-Achte Ibicenco, Ende Mai in einer Pariser Listenprüfung dem späteren eindrucksvollen Gr.1-Grand Prix de Paris-Sieger Méandre um nicht mal eine halbe Länge unterlegen, seinen ersten Auftritt nach Hamburg. Im über 3000 m führenden Gr. 3-Prix de Lutèce von Longchamp kam der Hengst wiederum knapp mit einer halben Länge geschlagen auf den dritten Rang. Ein ohne weiteres respektables Ergebnis, das allerdings durchaus nahelegt, dass das Schlenderhaner Management den Shirocco-Sohn nicht ohne Grund bei der Starterangabe zum Großen Preis von Baden aus dem Rennen genommen hatte.

Auch das Badener Wochenende lieferte Vergleiche frei Haus. Bereits am Samstag maßen sich im Gr.3-Stutenpreis von Baden über 2200 ein Teil der besseren dreijährigen Stuten mit den älteren Damen. Mit Andreas Löwes doppelter Gruppesiegerin Djumama und Schiergens Aigrette Garzette traten die beiden besten deutschen Stuten aus dem von der Engländerin Dancing Rain überlegen gewonnen deutschen Stutenderby u.a. auf die letztjährige Diana-Dritte Nicea und die wenig geprüfte Royer-Dupré-Stute February Sun. Die setzt sich doch etwas überraschend mit einem Hals gegen Djumama durch, während die launische Aigrette Garzette im hinteren Feld verschwand und letzte wurde. Ähnlich erging es dann am Sonntag der ebenfalls von Andreas Löwe trainierten Lips Poison: In dem gar nicht einmal allzu stark besetzten Listenrennen Baden-Baden Cup über 1400 m wurde die Siegerin der diesjährigen klassischen 1000 Guineas nur Sechste, fast dreieinhalb Längen zurück hinter der vierjährigen Röttgenerin Diatribe.

Danedream wird nun nach ihren deutschen Gr. 1-Triumphen den internationalen Topvergleich antreten. Nach ihrem dritten Platz im italienischen Derby, dem überlegenen Sieg in den Oaks d´Italia (beide Gr.2) und einem Patzer im Gr.2- Prix de Malleret von Saint-Cloud stehen nun verschiedene Optionen offen: Der Eigentümer selbst äußerte nach dem Rennen, über eine Nachnennung im Prix de l´Arc de Triomphe nachdenken zu wollen, die € 100.000 kosten würde. Zudem hat Schiergen schon seit geraumer Zeit den Breeder´s Cup Fillies and Mare Turf Anfang November im Visier, quasi die offenen amerikanischen Meisterschaften. Zudem verfügt der Sieger des Großen Preis von Baden automatisch über eine Einladung zum Japan Cup. Alles Möglichkeiten, jetzt endlich mal Millionen abzusahnen. Unmöglich erscheint das seit Sonntag nicht mehr.

© Foto: turfstock.com, München

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