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Einlauf für Andreas Wöhler im 142. Deutschen Derby

Juli 4, 2011 by  

Hemke Label Derby2011 © Frank Sorge/GERMAN RACINGRolf C. Hemke – „Leicht“ – so das Urteil der Stuarts – und mit zwei Längen Vorsprung gewann der vom Gestüt Ravensberg gezogene Dubawi Sohn Waldpark aus der vierfachen Gruppesiegerin Wurftaube das 142. Deutsche Derby unter dem Slowaken Jozef Bojko. Zweiter wurde zwei Längen zurück der ebenfalls von Andreas Wöhler trainierte Earl of Tinsdal unter seinem Stalljockey Eduardo Pedroza. Die Klasse der beiden Hengste unterstreicht, dass es erst danach eng wurde: weitere zwei Längen zurück wurde der von Peter Schiergen trainierte Ittlinger Saltas unter Andrasch Starke Dritter mit einem Kopf vor der ersten Schlenderhaner Farbe Mawingo unter Stalljockey Adrie de Vries. Dieser behielt wiederum mit einem kurzen Kopf die Oberhand vor dem einzigen ausländischen Gast im Feld, dem aus England angereisten Brown Panther unter Richard Kingscote und aus dem Training von Tom Dascombe.

Der im Besitz des englischen Fussballprofis Michael Owen stehende Shirocco-Sohn hatte zuletzt hochüberlegen ein Handicap in Royal Ascot gewonnen und war als 31:10-Favorit ins Derby gegangen. Vom Start weg führte er das Feld an, doch Richard Kingscote hatte die Kräfte seines Partners auf dem weichen Geläuf (4,5 cm) wohl überschätzt, denn 150 Meter vor dem Ziel musste eher zunächst Earl of Tinsdal und dann dem außen nachsetzenden Waldpark Tribut zollen, um im Endkampf letztlich auch Saltas und Mawingo passieren lassen zu müssen.

Anderthalb Längen hinter Brown Panther zurück folgte die fünfte Schlenderhaner Farbe Tahini unter Miki Caddedu. Als siebter, nochmals zweieinhalb Längen zurück, folgte der Ebbesloher Lindenthaler unter dem englischen Shooting-Star William Buick. Danach klaffte eine Lücke von sechs Längen zum geschlagenen Feld. Als bemerkenswert ist hier insbesondere das Abschneiden des Mitfavoriten Gereon (62:10) unter dem genialischen Iren Johnny Murtagh als Zehntem zu nennen, der zum dritten Mal in Folge den Rennverlauf gegen sich hatte und angaloppiert wurde. Murtagh äußerte nach dem Rennen allerdings auch Bedenken hinsichtlich des Bodens.

Auf dem letzten Platz kam der mit dem höchsten GAG-Gewicht (95,5 kg) eingeschätzte Schlenderhaner Arrigo ein, als 56:10 auch von den Wettern am Höchsten eingeschätzte deutsche Pferd. Er wurde sogar noch von dem in sieben kleinen Rennen erfolglosen Hoseo eingesackt und kam acht Längen hinter dem sechzehnten Pferd, Ordensritter, ein. Diese Leistung des kampfstarken Kölner Gr.2-Union-Siegers (der wichtigsten Derbyvorprüfung) unter dem irischen Starjockey Kieren Fallon bedarf dringend einer Erklärung seitens des Gestüts. Obwohl er sich im Führring noch eindrucksvoll präsentierte, muss er indisponiert gewesen sein.

Während also die Deutlichkeit der Niederlage des Schlenderhaner Quintetts doch etwas überraschte, bestätigte der Einlauf der Wöhler Pferde diejenigen, die das Formbuch genauer analysiert hatten: Die Bilanz von Waldpark ist nach wie vor makellos, er ist ungeschlagen. Mitte Mai hatte er mit einem überlegenen fünf Längen-Sieg in einem Ausgleich III in Krefeld gegen die älteren Pferde erstmals auf sich aufmerksam gemacht. Handicap-Siege dreijähriger Pferde früh in der Saison lassen zumindest immer auf eine gewisse Klasse schließen – ein derart deutlicher Sieg aber deutet großes Potential an. Der zweieinhalb Längen-Sieg über den späteren Derby-Dreizehnten Sommernachtstraum im Iffezheimer Derbytrial Anfang Juni fiel ebenfalls allzu leicht aus, als das dieser Listensieg einen wirklichen Prüfstein dargestellt hätte. So ging Waldpark also als versprechendes, aber fast noch dunkles Pferd ins Derby. Ähnlich wie der Royer-Dupré Schützling Reliable Man das diesjährige französische Derby, den Gr.1- Prix du Jockey Club in Chantilly Anfang Juni, nach zwei Siegen in kleinen Rennen überlegen gewann und bislang ungeschlagen ist.

Diese nicht ganz leichte Einschätzbarkeit des späteren Derbysiegers dürfte die Entscheidung von Wöhlers Stalljockey Eduardo Pedroza für den Gruppesieger Earl of Tinsdal befördert haben und ist auch der Grund für die relativ hohe Siegquote von 115:10 für Waldpark. Und dies, obwohl der Hengst in Fachkreisen schon nach seinem Krefelder Sieg zum Talking Horse geworden war. Dies dürfte allerdings wiederum der Grund dafür gewesen sein, dass sein Kurs niedriger war, als der der offiziell ersten Wöhler-Farbe Earl of Tinsdal, der mit 126:10 am Toto stand. Auch dieser war die ersten drei Rennen seines Lebens über ungeschlagen geblieben und siegte – die Derbyplatzierungen zwei bis vier exakt vorwegnehmend – im Frankfurter Gr.3-Metzler-Preis Anfang Mai mit einer halben Länge vor Schiergens Saltas (unter Andrasch Starke) und Schlenderhans Mawingo (unter Adrie de Vries). Die einzige scheinbar schwächere Leistung zeigte der Earl als Vierter im Gr. 3-Bavarian Classic am 22.05. in München als er u.a. hinter den beiden Schlenderhanern Arrigo und Mawingo blieb. Doch verlor der Black Sam Bellamy-Sohn in diesem Rennen ein Hufeisen, was seine schwächere Platzierung fast vier Längen hinter dem Sieger nachvollziehbar erklärt. Vielleicht wäre Earl of Tinsdal ohne dieses Pech auch ungeschlagen ins Derby gegangen. So aber täuschte sein vierter Platz viele Wetter über seine eigentliche Form hinweg, was eine Einlaufquote von 1041:10 zur Folge hatte.

Die größte Überraschung unter den ersten fünf Pferden aber war sicherlich der Ittlinger Saltas, der nach seinen Vorformen (zuletzt Vierter in der Kölner Gr.2-Union zwei Längen hinter dem Sieger) nicht unbedingt soweit vorne zu erwarten war, auf dem weichen Boden aber anscheinend besser zurecht kam als die zum Teil höher eingeschätzte Konkurrenz (obwohl man einen Ritt des vierfachen Derbysiegreiters Andrasch Starke niemals außer acht lassen darf).

Einige Aspekte scheinen an dem Derbyergebnis 2011 besonders bemerkenswert: Die Plätze eins bis vier haben in Deutschland tätige Jockeys belegt. Die Buchung der ausländischen Prominenz von Kieren Fallon über Johnny Murtagh bis Stéphane Pasquier ist lange kein Erfolgsgarant. Mit dem Slowaken Jozef Bojko saß ein Jockey im Sattel des Derbysiegers, der diesen auch immer wieder in der täglichen Arbeit reitet. Die Kenntnis von Typ und Charakter eines Pferdes und das Vertrauen in seine Leistungskraft kann im entscheidenden Moment Ausschlag gebend sein.

Besonders erfreulich ist mit Blick auf den heimischen Galoppsport, dass nicht die Pferde im Vordertreffen gelandet sind, die schon im Vergleich mit der englischen oder französischen Konkurrenz das nachsehen hatten (wie etwa Ibicenco bei seinen Frankreich-Starts, Lindenthaler (bei aller Sympathie!) im Pariser Gr. 2-Prix Hocquart oder die Starter im Kölner Gr 2-Mehl Mühlens-Rennen German 2000 Guineas, die von dem Botti-Hengst Excelebration mit sieben Längen stehen gelassen wurden). In Anbetracht der Leichtigkeit des Sieges von Waldpark können er – aber auch sein Trainingskollege Earl of Tinsdal – Anlass zu neuen Hoffnungen für eine Präsenz von in Deutschland trainierten Pferden auf international höchstem Gruppeparkett geben. Earl of Tinsdal hat eine Meldung für den Gr.1-Rheinland-Pokal in Köln. Gemeinsam sind sie zum Großen Preis von Baden gemeldet. Gut möglich dass wir Waldpark vorher schon auf einer Bahn im Ausland wieder sehen. Es hat viele schöne Orte für erfolgreiche Spaziergänge.

Foto: Frank Sorge/GERMAN RACING

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  1. […] Apelt, das sei „Lottopech“ gewesen. Derbyfavorit Arrigo, erklärt er unter Hinweis auf die im Turfkopf-Derbybericht aufgeworfene Frage, sei wie die anderen Schlenderhaner Cracks am Rennverlauf gescheitert. Der habe […]



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