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Die Basis macht mobil

Februar 24, 2009 by Ekbert 

volker-Linde-by-ruehl.jpgturfcast.net – Es rumort an der Galopprennsport-Basis. Volker Linde (Foto), Gestütsleiter des Gestüts Lindenhof, hat am 14. Februar einen schriftlichen Antrag auf einen Untersuchungsausschuss bei der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen e.V. (BV) gestellt. Dieser Untersuchungsausschuss soll Klarheit in die möglichen wirtschaftlichen Verstrickungen und die eventuell damit verbundenen persönlichen Interessen einiger Unternehmen und Personen aufdecken, die an der so genannten Strukturreform mitwirken. Die Mitglieder der BV stehen am 28. Februar 2009 auf ihrer Mitgliederversammlung vor einer wichtigen Entscheidung.

In der deutschen Galopperszene werden die Spekulationen über Interessenskonflikte und auch eine Vorteilsannahme einiger Personen und Unternehmen immer lauter. Gerade die jüngsten Werbeaktionen der deutschen Buchmacherfirma Racebets GmbH, mit Sitz in Düsseldorf, sorgten in der Galopperszene für reichlich Gesprächsstoff. Als die jährliche DVD mit den Saisonhöhepunkten 2008 auf den Markt kam, lag darin ein Wettgutschein über € 20 der RaceBets GmbH. Diese Marketingaktion ist schwer mit dem Konzept der so genannten Strukturreform vereinbar, so die Meinung von kritischen Beobachtern der Strukturreform. Kenner der Szene machen für die seit fünfzehn Jahren anhaltende Talfahrt der Wettumsätze in erster Linie die Buchmacher mit verantwortlich. Diese privaten Wettanbieter haben ihr Wettangebot in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut und in ihre Unternehmen investiert. So entstanden in der Vergangenheit immer bessere Wettportale im Internet. Das Angebot dieser Portale ist beachtlich. Von umfangreichen Informationen zu den einzelnen Rennen, bis hin zu Live-Übertragungen der Rennen im Internet, ist fast alles im Angebot. Dass die Wettkunden nun zwangsläufig weniger auf die Rennbahn zum Pferderennen gehen und lieber von zuhause bequem ihre Wetten über das Internet platzieren, war die logische Konsequenz. Im gleichen Zeitraum hatten die Führungskräfte des Kölner Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V. (DVR) die Entwicklung eines eigenen Wettportals komplett verschlafen. Ein Angebot für die Realisierung einer eigenen Wettplattform lag dem Kölner Dachverband jedoch vor.

“Das Direktorium hatte 2005 das Angebot von uns,“ erzählt Guido Schmitt, Aufsichtsrat der bet-at-home.com AG, „sich mit € 500.000 an der Entwicklung einer damals noch namenlosen Wettplattform zu beteiligen. Für die Einzahlung hätte es im Gegenzug Aktien der bet-at-home.com AG zu einem günstigen Preis je Aktie von ca. € 7-8 erhalten. Die Aktien wurden drei Monate später für € 70 gehandelt. Der Deal kam damals nicht zustande. Heute heißt die namenlose Wettplattform RaceBets und hat einen Marktwert von ca. € 5 Millionen. Der einzige, der das Potential dieser Idee zu diesem Zeitpunkt erkannt hat, war Paul von Schubert“, berichtet Guido Schmitt in einem Telefonat mit turfcast.net weiter.

Mit der Werbeaktion Wettgutschein der RaceBets GmbH in Kooperation mit dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V. werden aus Sicht von Volker Linde die Kunden noch mehr zu den privaten Wettanbietern getrieben. „Die Wettkunden werden von den Rennbahnen entwöhnt, wenn sie ihre Wetten nur noch über Wettportale der Buchmacher abgeben,“ erklärt Linde gegenüber turfcast.net. Viele hätten es gerne gesehen, wenn ein Wettgutschein von dem Tochterunternehmen der Betriebsgesellschaft Galopp (BGG) der German Tote GmbH & Co. KG (GT) mit direktem Sitz im Hause des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V. in Köln, darin enthalten gewesen wäre. „Es hat wohl eine Anfrage von Seiten der RaceBets GmbH beim DVR gegeben für diese Kooperation,“ sagt der Geschäftsführer der GT Riko Luiking auf unsere Nachfrage. Luiking schließt auch gleichzeitig aus, dass die Initiative vom DVR ausgegangen ist.

Anfang Februar verkündete die Onlineausgabe der Sport-Welt, GaloppOnline.de, dass in Kooperation mit dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V. eine weitere Marketingmaßnahme etabliert wird. Jeder Kunde, der an vier Dortmunder Winterrenntagen mindestens € 1.000 Euro über die Wettplattform von RaceBets.com in den Rennbahntotalisator platziert, erhält einen persönlichen Ausweis vom DVR für das Rennjahr 2009. Dieser Ausweis berechtigt zu freiem Eintritt auf allen deutschen Rennbahnen. Volker Linde sieht darin einen weiteren Interessenkonflikt. Engelbert Halm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied DVR in Köln, der auch gleichzeitig eine treibende Kraft in den Verhandlungen innerhalb der Strukturreform ist, soll doch gerade die an die Buchmacher verlorenen Wettumsätze und die Wettkunden zurückerobern. Mit dieser weiteren Werbeaktion für „Viel Spieler“, -der Direktoriumsausweis trägt das Kürzel „VS“- werden die Kunden noch mehr an das moderne Wettportal der RaceBets GmbH in Düsseldorf gebunden.

von-schubert20080907Bad-0096.jpgIn den immer enger werdenden Kontakten zwischen der RaceBets GmbH und dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V., sowie den beteiligten Personen wie z.B. Paul von Schubert (Foto), Geschäftsführer der Gundlach Holding GmbH & Co. KG in Bielefeld und Mitglied im Präsidium der Besitzervereiniung, der zusammen mit Andreas Tiedtke die Interessen der Besitzervereinigung in den Verhandlungen der so genannten Strukturreform vertritt, erkennt Norbert Rumstich (Mitglied der Besitzervereinigung und Geschäftsmann, Düsseldorf) eine Interessenkollision. Er stellt mehrere Anträge, die bei der Klärung der Situation helfen sollen.

Paul von Schubert hat eine gewisse Omnipräsenz im Rennsport. 2000 erwarb die Gundlach Gruppe die DSV Deutscher Sportverlag GmbH (DSV). Ein Jahr später wurde Paul von Schubert der Geschäftsführer der DSV Deutscher Sportverlag GmbH in Köln. 2005 übernahm von Schubert dann den Posten des Geschäftsführers der Gundlach Holding GmbH & Co. KG in Bielefeld. Der DSV ist u.a. der Herausgeber der einzigen Weiss-Sebastian20080524Bad-0088.jpgüberregionalen Zeitung für den Galopprennsport, die Sport-Welt und des Magazins Vollblut. Unter dem Dach der DSV Deutscher Sportverlag GmbH werden auch die Onlinedienste GaloppOnline.de und Stallions-Online.de betrieben, die von dem Jungunternehmer Sebastian Jonas Weiss (Foto) ins Leben gerufen wurden. 2001 wurde die Fusion von GaloppOnline.de und der Sport-Welt besiegelt. Paul von Schubert, damals Geschäftsführer der DSV Deutscher Sportverlag GmbH, legte den Grundstein für diese Zusammenarbeit, wie in den Archiven von GaloppOnline zu lesen ist.

2004 gründete das Gestüt Ebbesloh, im Besitz der Familie von Schubert, zusammen mit Sebastian J. Weiss und einem Münchner Züchter und Besitzer die Royal Dragon GbR. Das geschah, um den Deckhengst Royal Dragon gemeinsam zu vermarkten.

2006 wurde der Internet-Buchmacher RaceBets GmbH ins Leben gerufen, die ein Tochterunternehmen der Bettertainment GmbH in Düsseldorf ist. Die Geschäftsführer der RaceBets GmbH und der Bettertainment GmbH sind Patrick Byrne und Sebastian J. Weiss. Auf der Bettertainment Hompage verweist die GmbH auf ihren Geschäftspartner, die bet-at-home.com AG, ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf. Bei der bet-at-home.com AG handelt es sich um einen Anbieter von Sportwetten, die nach eigenen Angaben 2007 einen Gamblingumsatz von ca. € 490 Millionen erzielt hat, für 2008 einen Umsatz von € 700 Mio. anstrebte und 60% der RaceBets GmbH hält. Die restlichen 40% der RaceBets GmbH hält die Bettertainment GmbH.

Firmennetzwerk.jpgZu den weiteren Geschäftspartnern der Bettertainment GmbH (siehe Grafik: Firmennetzwerk) gehören auch die DSV Deutscher Sportverlag GmbH und das Onlineportal des deutschen Rennsports GaloppOnline.de (Sebastian J. Weiss, Managing Director & Onlinechefredaktion). Die DSV Deutscher Sportverlag GmbH hat 2006 eine Einlage von € 28.550 in das Stammkapital der Bettertainment GmbH eingezahlt. Damit ist die DSV mit 50,89% an der Bettertainment GmbH, wie die Jahresbilanzen der DSV 2006 und 2007 ausweisen, beteiligt.

Im Dezember 2008 wurde der ehemalige Geschäftsführer der DSV, Paul von Schubert, noch als Consultant bei GaloppOnline.de unter der Rubrik Team geführt. Durch seine verschiedenen Funktionen in diesem Firmennetzwerk sowie den offiziellen Gremien des DVR und des ebenso omnipräsenten Sebastian J. Weiss, ist es nachvollziehbar, dass dies den Nährboden für Spekulationen über eine Bevorteilung bzw. einen Interessenkonflikt bildet.

Auf unsere schriftliche Anfrage, wie Paul von Schubert die Sachlage einschätzt, bekamen wir die folgenden Antworten im Rahmen unserer Emailkorrespondenz vom 23.02.2009, die im Folgenden wortgenau wiedergegeben ist.

Turfcast.net: Waren Sie bei der Gründung der RaceBets GmbH bzw. Bettertainment GmbH beteiligt? Wenn ja, in welcher Form waren Sie daran beteiligt?

Paul von Schubert: „Ich war als Gesellschafter an der Gründung beider Gesellschaften beteiligt.“

T.: Seit wann sind Sie nicht mehr als Consultant für GaloppOnline tätig? Im Dezember waren Sie noch als Teammitglied auf der Interseite aufgeführt.

P.v.S.: „Seit Oktober 2005. Die Teammitglied-Seite wurde seither nicht aktualisiert.“

T.: Sie waren von 2001 bis 2005 als Geschäftsführer der DSV Deutscher Sportverlag GmbH tätig. Heute sind Sie als Geschäftsführer der Gundlach Holding GmbH & Co. KG tätig, zu der auch DSV Deutscher Sportverlag GmbH gehört. Die Bettertainment GmbH pflegt nach deren Angaben wirtschaftliche Kontakte zum DSV und zu GaloppOnline.de. Sehen Sie in Ihrer Funktion als Vertreter der Verhandlungskommission darin einen Interessenskonflikt? Warum ja oder warum nein?

P.v.S.: „Formal besteht ein Interessenskonflikt. In Interessensvereinigungen, wie der Besitzervereinigung e.V., ist das die Regel, wenn es zu ehrenamtlicher Gremienarbeit kommt. Konkret zu meiner Funktion als ein Vertreter von vier Mitgliedern der Verhandlungskommission sehe ich keine tatsächliche Kollision der Interessen. Jede Entscheidung wird im 17-köpfigen Vorstand des Direktoriums getroffen.“

Ostermann_2008_12_01_Newmarket_0560.jpgVolker Linde fordert in einem weiteren Antrag endlich klare Worte über den Fortschritt der Verhandlungen mit den Investoren und über den Abfluss der Geldmittel, die aus dem Zukunftsfonds gespeist werden. Ein Fonds, in den seit Juli 2006 Jockeys, Trainer und Besitzer einzahlen, in dem sie auf einen Teil ihrer Gewinnprozente aus den von ihnen gewonnen Rennpreisen verzichten. Auch die Rennvereine beteiligen sich mit einer pauschalen Abgabe von € 81.000 pro Jahr bzw. 0,15% vom Wettumsatz. Insgesamt laufen so pro Jahr ca. € 400.000 in diesem Zukunftsfonds zusammen, wie Manfred Ostermann (Foto), der Präsident der Besitzervereinigung, auf die Frage von Volker Linde in einem Offenen Brief dazu Stellung nahm (siehe dazu die Homepage des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V.). Die Mittel, wie es in der Antwort heißt, werden in erster Linie für Rechtsberatungskosten, Personalkosten und Aufwendungen, die im direkten Zusammenhang mit der Ausarbeitung der Verträge stehen, verwendet.

Die Mitgliederversammlung der Besitzervereinigung hat am 28. Februar 2009 mit diesen Anträgen eine wichtige und einmalige Chance, die Situation des deutschen Galopprennsports zu klären, die offenen Fragen beantwortet zu bekommen und einen Weg im Sinne aller Beteiligten einzuschlagen, der der Zukunft des edlen Sports noch eine echte Chance einräumen kann.

Anbei die Anträge zum Download. Download-Antraege-GSB.png

© Foto Volker Linde: Marc Rühl, Bedburg
© Text, Foto & Grafik: turfcast.net, München

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