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Die Iren kennen keine Gnade

März 15, 2018 by  

15.03.2018 - Cheltenham; Winners presentation with a overjoyed Michael O'Leary (CEO of the Irish airline Ryanair and racehorse owner) after winning the Ryanair Chase (Registered As The Festival Trophy Steeple Chase) Grade 1 with Balko Des Flos at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.comMichael Luxenburger – Sechs irische Siege und nur einer für die Hausherren: Tag drei des Cheltenham Festivals sorgte für lange englische Gesichter. Und auch die Buchmacher bekamen ein paar üble Schrammen ab. Ebenso Fotograf und Autor, die den Auszahlschalter nicht belästigten.
Wir wollen jetzt hier wirklich nicht angeben, aber es sieht so aus, als würde das Management des Mary Arden Inn unsere kleine Kolumne intensiv verfolgen. Oder warum war heute der Frühstückstisch samt Tellerunterlage penibel gewischt, klebte nicht und hatte keine Krümel oder Schlieren als Zugabe? Warum sagte die Managerin/Köchin etwas zerknirscht: “I know you don’t like our sausages?” Sie servierte folglich Spiegelei mit gebackenen Bohnen und Tomate (Autor) sowie Rüherei mit gebackenen Bohnen und Kartoffelpuffer (Fotograf), was man durchaus essen kann. Das Beste sind aber die kleinen Kellogg’s-Schächtelchen beziehungsweise ihr Inhalt, den man in ein Gefäß mit der vorzüglichen frischen Milch schüttet und gefahrlos genießen kann. Wir werden uns auch heute Abend nicht trauen, dort zu essen, zumal wir ganz in der Nähe einen überfahrenen Dachs erspäht haben. In einer Location ein paar Meilen weiter, in der wir früher residiert hatten, drängte sich ja anhand des Geschmacks und der Konsistenz einiger dort servierter Fleischgerichte der Verdacht auf, dass man in der dortigen Küche nicht nein sagt, wenn ein toter Dachs in der Nähe liegt.
Damit aber genug Bösartigkeiten über englisches Essen. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Dennoch werden wir heute Abend beim Indian Takeaway in Stratford bestellen, mit dem wir im vergangenen Jahr schon gute Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht schafft es der Fotograf ja heuer, die Tüte mit dem Essen nicht auf den Boden fallen zu lassen. Was aber durchaus wieder passieren könnte, denn beim Frühstück erspähte er eine gut aussehende, alleine reisende junge Dame und wurde sofort sehr nervös. Wenn die dann abends an der Bar sitzt . . . Ich werde euch morgen berichten. Schließlich möchte ich noch ein Sonderlob an den Fotografen aussprechen, der bei der Anfahrt zur Rennbahn früh einen Mega-Stau erspäht hatte und deshalb einen Weg wählte, den am Vortag der Fahrer eines Pferdetransporters – wahrscheinlich aus dem ganz in der Nähe unserer Bleibe gelegenen Stall von Olli Murphy – gewählt hatte. Die Jungs kennen eben die Abkürzungen. Der Fotograf ist weiter gereift und macht kaum mehr Eseleien. Zum einen ist das natürlich dem reibungslosen Ablauf der Reisen sehr zuträglich. Doch zum anderen gibt es dann deutlich weniger zu schreiben. Um mal wieder Oma zu zitieren: keine Rose ohne Dornen.

Aber gab es da nicht auch noch Pferderennen?
Ja klar. Zum Beispiel gleich zum Start des dritten Tages im Prestbury Park die JLT Novices Chase. Eigentlich war sich die Fachwelt ja darin einig, dass die verlangten 2m3f für Gordon Elliott’s mächtige Stute Shattered Love zu kurz seien. Doch der tiefe Boden sorgt in diesem Jahr dafür, dass die Rennen gefühlt gute 100 Meter länger werden, und das kam dem von 8/1 auf 4/1 herunter gewetteten Yeats-Tochter zu gute. Nach einem schweren Fehler etwa auf der Hälfte der Strecke war der Mitfavorit Invitation Only aus der Partie, auch Modus machte einen bösen Rumpler. Vorne zogen Bigmatre, Terrefort (Daryl Jakob/Nicky Henderson, 3/1) und Benatar (Jamie Moore/Gary Moore, 10/1) ihre Kreise, auch Finian’s Oscar war mit von der Partie. Doch dann brachte Jack Kennedy Shattered Love in die vordere Linie, und es war schnall zu sehen, dass sie am Besten ging, zumal Terrefort an den letzten drei Hindernissen ziemlich schlampig sprang. Die Stute wanderte zwar ein wenig in der Geraden, doch ihr Steuermann hatte keine Probleme, sie zu einem überlegenen Sieg zu führen. Zwölf Längen hinter der Siegerin landete Benatar auf Rang drei. Die sieben Pfund Stutenerlaubnis waren auf dem tiefen Boden natürlich mit entscheidend.
Das sah auch Terrefort’s Reiter Daryl Jakob so: “Einer so guten Stute auf diesem Boden in einem Grade one so viel Gewicht zu geben, das macht die Sache sehr, sehr schwer.” Trainer Nicky Henderson bescheinigte seinem Pferd “ein fantastisches Rennen, jetzt bekommt er die verdiente Pause”. Der Trainer der Siegerin, Gordon Elliott, meinte: “Sie galoppiert, sie springt, sie hat Stehvermögen. Sie ist wie ein großer Wallach. Sie war sensationell heute.”

15.03.2018 - Cheltenham; Winners presentation with a irish flag holding jockey Jack Kennedy after winning the JLT Novices Chase (Registered As The Golden Miller Novices Chase) Grade 1 with Shattered Love at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

15.03.2018 – Cheltenham; Winners presentation with a irish flag holding jockey Jack Kennedy after winning the JLT Novices Chase (Registered As The Golden Miller Novices Chase) Grade 1 with Shattered Love at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Zu einem heißen Kampf der Senioren wurde das Pertemps Hurdle Final über lange drei Meilen. Denn wie sich Barry Geraghty mit Glenloe (Gordon Elliott, 7/1) und Davy Russell mit Delta Work (Gordon Elliott, 6/1), die beide zu den älteren Semestern in der Jockeystube zählen, die ganze Gerade herunter duellierten, das war schon erste Sahne. Natürlich zeigten auch die beiden Pferde extreme Kämpferqualitäten, so dass dieses Rennen eine extrem spannende Angelegenheit war. Ein kurzer Kopf gab schließlich den Ausschlag für Delta Work. Gigginstown und McManus – die Rivalität ist in solchen Rennen zu greifen. Nicht weit geschlagen hielt dahinter Connetable (Harry Cobden/Paul Nicholls, 33/1) den dritten Platz vor dem Riesenaußenseiter Taj Badalandabad.
“Den Ersten und den Zweiten in so einem Rennen zu haben, das ist einfach unglaublich”, sagte ein überglücklicher Elliott, für den Delta Work schon der fünfte Meetingssieger war. “Davy Russell ist einfach der Hammer in diesen Handicaps”, lobte Gigginstown-Chef Michael O’Leary. “Davy reitet einfach großartig in Cheltenham und ist hier ein paar Pfund wert.” Der Besitzer der Fluglinie Ryanair freute sich natürlich besonders, den Rivalen JP McManus geschlagen zu haben, der alleine vier Pferde in dieses Rennen geschickt hatte.

Un De Sceaux oder Cue Card – die beiden ältesten Pferde in der Ryanair Chase waren favorisiert. Doch am Ende triumphierte keiner der beiden. Cue Card wurde angehalten, Un De Sceaux (Paul Townend/Willie Mullins, 8/1) musste sich gegen Balco Des Flos (8/1) mit Platz zwei zufrieden geben. Dessen Reiter Davy Russell ist in diesem Jahr einfach nicht zu stoppen. In einem der kleinsten und insgesamt klassearmsten Feld dieses Traditionsrennens tat sich unterwegs nicht viel. Der Mullins-Schützling sprang vorne, als müsste er über einen Eisenbahnwaggon segeln, was sicher einiges an Kraft gekostet hat, die ihm dann fehlte, als Russell mit Balko Des Flos zum Angriff schritt. Dessen Trainer Henry De Bromhead konnte endlich den ersten Meetingserfolg feiern, nachdem er in den Tagen zuvor zweimal knapp gescheitert war. Platz drei holte sich deutlich dahinter der Schimmel Cloudy Dream (10/1), der seinem Können entsprechend ordentlich gelaufen ist. Aber, wie erwähnt – ein tolles Rennen war das nicht. Toll fand auch Cue Card’s Trainer Colin Tizzard das Laufen seines Pferdes nicht. “Das letzte, was wir sehen wollen, ist dass er läuft wie gerade eben”, sagte er. “Es war, zu sehen, dass Cue Card so plötzlich stoppte. Wir werden checken, was los war. Aber er ging völlig glatt und schien zufrieden zu sein.” Sein Jockey Paddy Brennan kommentierte seine Entscheidung so: “Ich wollte nicht das eine Hindernis zu viel springen. Cue Card ist ein großer Teil dieses Festivals, da tragen wir eine große Verantwortung. Ich denke, dass sich auf diesem tiefen Boden dann doch sein Alter bemerkbar gemacht hat.”

15.03.2018 - Cheltenham; Winners presentation with Anita Farrell and Michael O'Leary (CEO of the Irish airline Ryanair and racehorse owner) after winning the Ryanair Chase (Registered As The Festival Trophy Steeple Chase) Grade 1 with Balko Des Flos at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

15.03.2018 – Cheltenham; Winners presentation with Anita Farrell and Michael O’Leary (CEO of the Irish airline Ryanair and racehorse owner) after winning the Ryanair Chase (Registered As The Festival Trophy Steeple Chase) Grade 1 with Balko Des Flos at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Ganz im Gegenteil zum folgenden Stayers Hurdle, das so offen schien wie nie und 600 Meter vor dem Ziel auch noch zwölf mögliche Sieger hatte. Doch schon vor dem drittletzten Sprung war deutlich zu sehen, wie gut Penhill (Paul Townend/Willie Mullins, 12/1) noch ging. Den hatte sein Reiter in aller Ruhe vom letzten Platz nach vorne gefahren, wo der vom Start weg zusammen mit Donna’s Diamond führende Favorit Sam Spinner bereits begann, Notsignale zu senden. The New One hatte auch schnell genug, und dann traten die Speedpferde auf den Plan. Penhill hatte sich nach dem letzten Sprung die Führung gesichert, und musste sich nur noch des starken Angriffs von Supasundae (Robbie Power/Jessica Harrington, 6/1) erwehren, was ihm dann auch sicher gelang. Von ganz hinten kam noch Wholestone (Aidan Coleman/Nigel Twiston-Davies, 14/1) angerauscht und sicherste sich das dritte Geld.
Das war wieder so eine Trainingsleistung, wie sie nur Willie Mullins hinbekommt. Im vergangenen Jahr war ihm das mit Arctic Fire gelungen, der wie Penhill nach fast einem Jahr Rennpause beim Festival gewinnen konnte. “Er hat immer wieder seine Problemchen, auf die wir eingehen müssen”, sagte Mullins. “Deshalb hat er auch die Flachsaison nicht bestreiten können. Aber er hat einen gewaltigen Motor, so kommt es mir wenigstens vor. Ich möchte die Komplimente an seinen Groom Holly Conte weitergeben. Sie kümmert sich großartig um dieses sehr fragile Pferd.”

15.03.2018 - Cheltenham; Penhill ridden by Paul Townend wins the Sun Bets Stayers’ Hurdle (Grade 1) at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

15.03.2018 – Cheltenham; Penhill ridden by Paul Townend wins the Sun Bets Stayers’ Hurdle (Grade 1) at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Der Rest des Programms war dann von der Klasse her vergleichsweise unspektakulär. Obwohl ihm sein Pferd über die ganz Breite des Einlaufs den Cheltenham Hill hinauf wegbrach, konnte sich Davy Russell dennoch mit The Storyteller (Gordon Elliott, 5/1) in der Brown Plate Chase den dritten Tagessieg sichern. Das Leichtgewicht Splash Of Ginge (Jamie Barbary/Nigel Twiston-Davies, 25/1) war ein hartnäckiger Gegner. Bis zum Dritten King’s Odyssee (14/1) waren es dann schon 5 1/2 Längen. Für viele war sie der Banker des Meetings, und so gewann dann Laurina (Paul Townend/Willie Mullins, 4/7) auch das Mares Novice Hurdle. Mit Weile vor Cap Soleil und dem 80/1-Außenseiter Champayne Lady. Mit diesem Erfolg Nummer 61 überholte der Ire seinen englischen Kollegen Nicky Henderson als Trainer mit den meisten Siegen beim Cheltenham Festival. Schließlich rettete im letzten Rennen Missed Aproach in einer Kampfpartie in der Fulke Walwyn Amateur Chase die Gastgeber vor einer totalen Blamage, indem er den irischen Favoriten Mall Dini knapp niederrang und für den einzigen Tagessieg der Engländer sorgte. Dennoch: Die Gäste von der Grünen Insel sind in der Nationenwertung nicht mehr zu schlagen.
Wer jetzt noch wissen will, wie Autor und Fotograf heute beim Wetten abgeschnitten haben? Da verweigern sie die Aussage.

© Fotos: turfstock.com, München

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