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Deutsche Pferde in Fernost

Dezember 14, 2011 by  

Hemke Label Fern Ost © turfstock.com/BaloghRolf C. Hemke – Wenn die Turfsaison in Europa ihr Ende gefunden hat, dann heißt es jedes Jahr für einige der erfolgreichen Cracks: nachsitzen und das Heu mit Stäbchen fressen. Dann stehen einige der großen Prüfungen im fernen Osten an. Lang ersehnt war der erste Auftritt von Peter Schiergens Danedream nach ihrem Arc-Triumph Anfang Oktober – umso ernüchterter war der Galoppfan, der sich am letzten Novembersonntag morgens um sieben aus dem Bett gequält hatte um das Rennen im Livestream zu verfolgen. Die äußere Startbox war von Anfang an eine Hypothek, eine frühe Behinderung sorgte für einen suboptimalen Rennverlauf, der Antritt auf der Zielgeraden war stark aber nicht ausreichend um die Siegerin Buena Vista auch nur im Ansatz zu gefährden: Rang sechs im Sechzehner-Feld, dreieinhalb Längen hinter der Siegerin wäre für jedes andere deutsche Rennpferd ein Erfolg gewesen. Von Danedream unter Andrasch Starke hatte sich insgeheim dennoch jeder mehr erhofft.

Am vergangenen Sonntag bot sich dann zumindest für Andrasch Starke eine vage Chance auf neuerlichen Glanz, denn auf Durban Thunder griff er ebenso wie Olivier Peslier auf Zazou nach dem Sieg im mit 20 Millionen Hongkong-Dollar (umgerechnet etwa 1.920.000 Euro) dotierten Hongkong Cup über 2000 Meter auf der Rennbahn Sha Tin. Doch scheint bei dem von Torsten Mundry in Warendorf trainierten fünfjährigen Samum-Sohn der Akku leer zu sein: Denn schon im Gr. II-Prix Dollar am Vortag des Prix de l´Arc de Triomphe war er weit hinter den Erwartungen geblieben, 15 Längen hinter dem Vierten, dem in Irland von Dermot Weld trainierten Famous Name, den er im Gr. I-Dallmayr-Preis von München Ende Juli noch sicher mit anderthalb Längen geschlagen hatte. In Hongkong nun ging Durban Thunder das Rennen aus dem Mitteltreffen an, kam aber für nicht weiter und endete als Zehnter und damit Letzter.

Erfolgreicher ging da Werner Heinz´ Zazou zu Werke. Der Schützling von Waldemar Hickst hatte etwas überraschend den Premio Roma gewonnen, der am ersten Novemberwochenende traditionell als letzte europäische Gruppe I-Prüfung für die älteren Pferde ausgetragen wird. In einem ursprünglich schon als Karriereabschied angedachten Rennen gelang dem vierjährigen Shamardal-Sohn der lange erhoffte erste Toplevel-Erfolg, da er bislang nur einen guten zweiten Platz aus dem Deutschen Derby von 2010 auf seinem Konto stehen hatte.

In Hongkong ging Zazou prominent an zweiter Stelle des Feldes an der Flanke des von Tony Cruz trainierten Pure Champion. Während dieser aber auf der Zielgeraden schnell in hinteren Gefilden des Feldes verschwand und Siebter wurde, konnte Zazou kräftig dagegenhalten und rettete sich auf Platz drei – trotz einer Behinderung durch den ebenfalls von Tony Cruz betreuten Sieger California Memory, dessen Jockey Matt Chadwick dafür sechs Tage Sperre erhielt. Der von John Moore in Hongkong trainierte Ex-Schlenderhaner Irian endete mit einem bestechenden Endspurt wie im letzten Jahr auf Rang zwei, eine Länge hinter dem Sieger California Memory und eine viertel Länge vor Zazou.

Der Hickst-Schützling kam damit als erster Europäer ein und zeigte die vermutlich beste Leistung seiner Karriere. Immerhin ließ er mit Hongkongs Pferd des Jahres Ambitious Dragon als Viertem und dem frischen Qipco British Champion Stakes-Sieger Cirrus des Aigles als Fünftem zwei Superstars der Turfwelt hinter sich, die mit frischen Formen empfohlen waren. Bleibt zu hoffen, dass sein Eigner Werner Heinz Angeboten für eine Deckhengstlaufbahn wiederstehen wird und Zazou eine weitere Saison im Training beläßt. Singapur und Dubai sollen mögliche nächste Ziele sein.

Einziges von einem Europäer gewonnenes Rennen war die Gr. I-Hongkong Vase über 2400 Meter, in der der ehemals in Mülheim an der Ruhr trainierte, mittlerweile fünfjährige Nicobar-Sohn Dunaden ein Kapitel Rennsportgeschichte schrieb: Nach seinem knappen Triumph im Melbourne Cup Anfang November, gelang dem Schützling des Franzosen Mikel Delzangles unter Craig Williams nun mit einem perfekt getimeten Vorstoß auf den letzten 150 Metern des Rennens ein sicherer Sieg mit einer dreiviertel Länge. Dunaden ist der zehnte in Europa trainierte Sieger des Rennens in Folge, der insgesamt schon 15te bei der 17ten Austragung und der neunte für Frankreich.

Danedream übrigens soll dem Vernehmen nach – bei entsprechenden Vorleistungen – im kommenden Jahr ihre Rennkarriere im Japan Cup beenden. Vielleicht gelingt ihr dann ja zum Abschied auch der erhoffte Doppelcoup – einschließlich der Titelverteidigung im Prix de l´Arc de Triomphe. Träumen darf man ja.

© Foto: turfstock.com, München

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