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Der Gold Cup bleibt zuhause

März 16, 2018 by  

20180316Cheltenham0066Michael Luxenburger – Jetzt wissen wir es endgültig: Das Management des Mary Arden Inn liest hier auf turfcast.net fleißig mit, was Autor und Fotograf so alles erleben. Und vor allem, wie sie über die Bratwürste lästern, die eigentlich Bestandteil des täglichen English Breakfast in Skakearspeares’s Mutters ehemaliger Lieblingskneipe sind. Wir hoffen jetzt mal, dass sie unsere Vermutung, dass in einigen Pub-Küchen der Umgebung überfahrene Dachse Ursprungsprodukt des Abendessens sind, nicht auf sich beziehen. Sonst könnte die Stimmung durchaus eisig werden.
Das Gegenteil war allerdings der Fall. Tracy, die Managerin des kleinen Hotels aus dem 16. Jahrhundert in Wilmcote, hielt uns freudestrahlend an, als wir zum Auto gingen. “Ich gehe heute zum Metzger und hole die guten Sausages, die ihr so vermisst habt”, sagte sie mit treuherzigem Augenaufschlag. Sappralot. Das hätten wir nicht gedacht. Ich hätte sie küssen können. So bekommen wir doch noch ein anständiges full English serviert. Wir hatten schon überlegt, nächstes Jahr woanders zu wohnen. Das müssen wir jetzt natürlich überdenken. Aber warten wir mal, ob es morgen wirklich die 1a Bratwürste gibt. Aber jetzt schon, da du ja mitliest, Tracy: What a lovely gesture! Much appreciated.
Auf Vermittlung von Antonia aka Bellissima haben wir übrigens heute einen sehr sympathischen Schweizer kennen gelernt, der aus einem ganz besonderen Grund nach Cheltenham gekommen war. Ein von ihm gezogenes Pferd startete im Triumph Hurdle. Farclas heißt der hübsche Kerl, der dem Gigginstown Stud gehört und von Gordon Elliott trainiert wird. Remy Giger, so heißt der Züchter, ist Präsident eines Schweizer Racing Clubs, der sehr erfolgreich operiert und in der vergangenen Saison 60 Prozent seiner Starter im Geld hatte. Chapeau. Wir haben ihn erfolgreich in den Führring geschmuggelt, da der Kontrolleur Klasse hatte und es wichtig fand, dass ein Züchter zu seinem Pferd kann, was beim Festival normalerweise nicht geht. Da muss man schon Besitzer sein. Und, die Geschichte hat ein zweites Happy End: Farclas, der kleine Schimmel, gewann das Triumph Hurdle! 100:10 zahlte er am Toto. Doch die Freude, die sein Züchter, der Trainer und der Besitzer haben, ist unbezahlbar.
Aber jetzt, ihr ahnt es, zum Spocht.
Den Sieger im einleitenden Triumph Hurdle haben wir ja schon verraten. Bleibt noch anzumerken, dass ihn Jack Kennedy souverän geritten und Gordon Elliott ihn auf den Punkt trainiert hat. Rang zwei ging an Mr Adjudicator (Paul Townend/Willie Mullins, 8/1) vor dem Stallgefährten Sayo (Daniel Mullins,33/1). “Der wird sich waiter verbessern, er ist noch etwas grün. Ich denke, er kann auch längere Wege”, sagte Kennedy. Der 18-Jährige feierte bereits seinen vierten Sieg beim Festival. Die Enttäuschung des Rennens war die klare Favoritin Apple’s Shakira. Trainer Nicky Henderson kommentierte ihr Laufen so: “Sie war viel zu eifrig. Ich denke mal, wir setzen ihr künftig eine Kapuze auf.” Sie soll beim Grand National-Meeting laufen.
Der Autor hatte seine Ante Post-Wette auf Mohaayed (Bridged Andrews, Dan Skelton, 33/1) schon fast vergessen. Der Boden passte laut Skelton’s früherer Ansage nicht. Dafür lief der Sechsjährige, der am Toto 639:10 zahlte, aber ein tolles Rennen und hatte den Rest des 25er-Feldes im County Hurdle sicher im Griff. Seine Reiterin machte das ganz ausgezeichnet, hielt ihn immer im erweiterten Vorderfeld und griff zum richtigen Zeitpunkt an. Da mit Remiluc (Harry Reed/Chris Gordon, 50/1) ein weiterer Riesenaußenseiter auf Platz zwei landete, erreichten die Quoten astronomische Höhen. Die Zweierwette zahlte am Toto 32471:10, die Dreierwette 168705:10. Donnerwetter, kann man da nur sagen. Erst auf Platz drei kam mit Whiskey Sour (David Mullins/Willie Mullins, 7/1) ein gemeintes Pferd.

16.03.2018 - Cheltenham; Remy Giger (Breeder of Farclas) talking to media after winning the JCB Triumph Hurdle Grade 1 at Cheltenham-Racecourse/Great Britain with Farclas. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

16.03.2018 – Cheltenham; Remy Giger (Breeder of Farclas) talking to media after winning the JCB Triumph Hurdle Grade 1 at Cheltenham-Racecourse/Great Britain with Farclas. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Da der Autor den guten Mohaayed auch noch auf Tiger Roll geschoben hatte, der am Mittwoch im Cross Country gesiegt hatte, war seine Laune hervorragend. Er wird den armen Fotografen am Samstag in Stratford zum Essen einladen. Natürlich dürfte sich auch Bridget Andrews dazugesellen. Sie war übrigens erst die zweite Profi-Reiterin nach Lizzy Kelly, die ein Rennen beim Cheltenham Festival gewinnen konnte. “Es ist unglaublich”, sagte sie nach dem Rennen. Ich dachte, Mohaayed hätte auf dem tiefen Boden keine Chance. Deshalb hatte sich auch Harry Skelton für Spiritofthegames entschieden. Darüber war ich erst sauer. Jetzt nicht mehr.” Nick Skelton, Harry’s und Dan’s Vater, meinte: “Sie hat Mohaayed einen Traumritt gegeben. Das ist ein Teamerfolg, und Bridget ist Teil der Familie.”
Auch das Albert Bartlett Novices Hurdle holte sich mit Kilbricken Storm (Harry Cobden/Colin Tizzard, 33/1) ein Pferd, mit dem kaum einer gerechnet hatte. Aus einem komplett verbummelten Rennen wurde das Tempo vor dem zweitletzten Hindernis schlagartig gesteigert, wobei der lange führende Fabvulous Saga auf den letzten 100 Metern dermaßen einbrach, dass noch sechs Pferde an ihm vorbeiziehen konnten. Neben dem Sieger waren das OK Corral (Barry Geraghty/Nicky Henderson, 16/1) und der Favorit Santini aus dem selben Quartier (Nico De Boinville, 11/4) in dieser Reihenfolge.

16.03.2018 - Cheltenham; Kilbricken Storm ridden by Harry Cobden wins the Albert Bartlett Novices Hurdle (Registered As The Spa Novices Hurdle Race) Grade 1 at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

16.03.2018 – Cheltenham; Kilbricken Storm ridden by Harry Cobden wins the Albert Bartlett Novices Hurdle (Registered As The Spa Novices Hurdle Race) Grade 1 at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Und dann kam das große Ding, der Cheltenham Gold Cup. Etwa drei Viertel des Rennens blieb das von Native River (Richard Johnson/Colin Tizzard, 6/1) angeführte Feld in fast unveränderter Reihenfolge, wobei sich zu diesem Zeitpunkt schon einige der gemeinten Kandidaten aus dem Kreis der noch chancenreichen Pferde verabschiedet hatten. Definitely Red, dem miserabel springenden Killultagh Vic oder Our Duke hatte man doch mehr zugetraut. Der Einzige, der Native River gefährlich werden konnte, schien zu diesem Zeitpunkt der Favorit Might Bite (Nico De Boinville/Nicky Henderson, 3/1) zu sein – und so war es dann auch. Road To Respect versuchte zwar alles und lief ordentlich, doch hat er dann doch nicht die Klasse der beiden Hauptspieler, die sich eine fantastische Battle den Cheltenham Hill hinauf lieferten. Aber was De Boinville auch versuchte, Johnson hatte immer eine Antwort. 4 1/2 Längen waren es schließlich im Ziel. Dritter wurde der Außenseiter Anibale Fly (Barry Geraghty/Antony Martin, 33/1) deutlich vor Road To Respect.

16.03.2018 - Cheltenham; Native River ridden by a jubilant Richard Johnson wins the Timo Cheltenham Gold Cup Chase Grade 1 at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

16.03.2018 – Cheltenham; Native River ridden by a jubilant Richard Johnson wins the Timo Cheltenham Gold Cup Chase Grade 1 at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Native River’s Trainer Colin Tizzard war bei der Siegerehrung den Tränen nahe: “Das ist einfach unreal. Es ist Tag vier und die Iren haben alles gewonnen. Und dann das. Ich hatte gedacht, dass unsere Stallform nicht so besonders ist, und dann kommt Richard Johnson und gibt dem Pferd so einen Ritt und alles ändert sich.” Der Jockey meinte dazu: “Also ganz ehrlich: Ich war eigentlich nur der Passagier. Das ist so ein fantastisches Pferd. Er liebt seine Sprünge, und er macht nur genau das, was er machen muss. Und er hat immer wieder angezogen. Native River ist ein Krieger.” Might Bite’s Betreuer Nicky Henderson lobte sein Pferd: “Er hat sich echt die Socken abgelaufen! Native River liebt so einen tiefen Boden, und unserer eben nicht. Er ist absolut straight gelaufen, ich bin total stolz auf ihn. Er ist ja noch ein junges Pferd. Wenn man so will, hat er ja erst drei Rennen gehabt.”
Der Rest in Kürze. Damit, dass Pacha Du Polder (Harriet Tucker,25/1) seinen Vorjahreserfolg in der Foxhunter Cahse wiederholen könnte, hatten die Wenigsten gerechnet. Er bescherte Trainer Paul Nicholls seinen ersten Meetingssieg, dem in der abschließenden Grand Annual Chase gleich ein weiterer Treffer mit Le Prezien (Barry Geraghty, 13/2) gelang. Davor hatte man im Martin Pipe Hurdle für die Nachwuchsreiter einen eindrucksvollen Start-Ziel-Erfolg von Blow By Blow (Donagh Meyler/Gordon Elliott, 10/1) gesehen, der sich auch vom Höchstgewicht nicht bremsen ließ. Da darf man gespannt sein, wie es mit diesem Pferd weiter geht. Der Jockey war extra für dieses Rennen eingeflogen worden. Das war dem Autor nicht entgangen, und er hatte das Pferd ordentlich gewettet. Wenn es läuft, dann läuft es eben.
Jetzt ist der Vorgang gefallen, Akteure und Zuschauer gehen heim. Der Autor hat sich am letzten Tag sehr erfolgreich aus dem Brand geschossen. Und wenn Bridget Andrews doch nicht mit zum Essen kommen sollte: Einen Toast auf sie wird er sicher halten.

© Fotos: turfstock.com, München

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