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Der Champ kann endlich lachen

März 12, 2015 by  

Horseracing - 2015 Cheltenham Festival - Day three  © turfstock.comMichael Luxenburger – AP McCoy musste eine Träne verdrücken. Gerade war er in den Führring zurückgekommen, und zehntausende feierten ihn mit großem Jubel und dreifachem Hurra. Dann lachte er. Und er sah glücklich aus. Endlich hatte der Champ bei seinem letzten Cheltenham Festival ein Rennen gewonnen. Und das gönnte ihm jeder hier.

Horseracing - 2015 Cheltenham Festival - Day three  © turfstock.com

12.03.2015 – Cheltenham; Impressions: Munich based sportsphotographer Lajos-Eric Balogh practice Zarkandar meditation. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Der Fotograf war heute besonders aufgeregt. Er hatte so ein ganz bestimmtes Leuchten in den Augen. „Z“ murmelte er immer wieder vor sich hin, strich sich über sein in Hong Kong handbemaltes T-Shirt, auf dem in chinesischen Zeichen Zarkandar geschrieben steht. Immer wieder rückte er sich nervös die rote Mütze mit dem weißen Z drauf zurecht, die ihm die Esom gestrickt hatte. Schon gestern hatte er überall Z`s gesehen – zuletzt abends auf dem Parkplatz hinter dem ersten Bogen des Cheltenham Racecourse. Ein ganzes Battailon von Z’s prangte auf einem Lastwagen, der auch noch von einem Scheinwerfer angestrahlt wurde. Stammleser dieses Blogs wissen, warum sich der Fotograf auch in dieser Beziehung so merkwürdig verhält. Für die Neuen unter euch: Der Fotograf verehrt hingebungsvoll ein Pferd namens Zarkandar, und die Sympathie hat auch dadurch nicht nachgelassen, dass ihn der Galopper schon einen vierstelligen Betrag gekostet hat, weil er nur selten gewinnt. Und wenn, dann hat ihn der Fotograf nicht gewettet. Nur vor vier Jahren, als der magische Z das Triumph Hurdle hier in Cheltenham gewann, ist ein mittlerer Einsatz des Fotografen mitgelaufen.

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12.03.2015 – Cheltenham; Vautour ridden by Ruby Walsh wins the JLT Novices Chase (Registered As The Golden Miller Novices Chase) Grade 1. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Frühstück und Anfahrt verliefen komplett ereignislos, so dass wir heute früher als sonst zu den Rennen kommen können. Die erste Prüfung des Tages, die JLT Novices Steeple Chase, setzte die Mullins-Festspiele fort. Vautur (Ruby Walsh/Willie Mullins, 6/4) gab eine sensationelle Vorstellung. Fast Start-Ziel holte er sich diese Prüfung, sprang ohne jeden Fehler, und als Ruby vor dem zweiten Sprung das Tempo verschärfte, war es um den Rest des Feldes geschehen. 15 Längen waren es im Ziel vor Apache Stronghold (Paul Carberry/Noel Meade, 7/1), der sich den zweiten Platz gegen Valseur Lido (Bryan Cooper/Willie Mullins, 9/2) erkämpfte. Von Ptit Zig hatte man doch mehr erwartet als den 5. Platz, doch war der Nicholls-Schützling bei den Bookies stark gedriftet. Das ist hier in Cheltenham schon ein Zeichen, auf das man beim Wetten achten muss.
„Ich habe dieses Pferd immer geliebt – seit dem Tag, an dem er hier gewonnen hat“, sagte Trainer Mullins nach dem Rennen. Ich musste verdammt hart mit ihm arbeiten in den vergangenen drei Wochen. Aber vielleichtist das ja genau das, was Vautour braucht – harte Arbeit. Er ist definitiv ein Pferd für den Gold Cup.“Auch Jockey Ruby Walsh war begeistert: „Das ist ein sehr sehr gutes Pferd. Ich war mir immer sicher, dass er längere Wege braucht. Und heute ist er wie eine Gazelle gesprungen. Er hat einfach, was es braucht.“ Noel Meade war sehr zufrieden mit dem Laufen von Apache Stronghold. „Der Sieger ist ein Flugzeug, da konnten wir nichts machen. Eines ist sicher: Wo immer Vautour auch laufen wird, unser Pferd wird in diesem Rennen nicht antreten.“

12.03.2015 - Cheltenham; Winners presentation with Call The Cops ridden by Andrew Tinkler after winning the Pertemps Network Final (A Handicap Hurdle) (Listed Race). Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

12.03.2015 – Cheltenham; Winners presentation with Call The Cops ridden by Andrew Tinkler after winning the Pertemps Network Final (A Handicap Hurdle) (Listed Race). Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Dann kam die Polizei – und rettete Nicky Henderson. Der Trainer hatte bis dahin sein schlechtestes Festival seit Langem erlebt – kein Sieger, und das in „seinem“ Cheltenham. Call The Cops (Andrew Tinkler, 9/1) powerte den Cheltenham Hill im Pertemps Final Hurdle hinauf, da blieben für Unique De Cotte (Tom Scudamore/David Pipe, 14/1), The Tourand Man (Wayne Hutchinson/Alan King, 20/1) und das Höchstgewicht Henryville (Will Biddick/Harry Fry, 50/1) nur die Plätze. „Das waren zwei Tage, die ans Gemüt gingen, aber jetzt sind wir sehr zufrieden“, sagte Henderson, der ja auch den Rückschlag mit dem in der Queen Mother Champion Chase angehaltenen Sprinter Sacre hinnehmen musste. „Die Untersuchungen haben nichts signifikantes ergeben, sein Herz war in Ordnung – wir müssen uns jetzt hinsetzen und in Ruhe überlegen, was wir machen.“ Er meinte übrigens, dass Bob Worth, Starter morgen im Gold Cup und vor zwei Jahren Sieger dieses Rennens, momentan wieder richtig in Form komme.

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12.03.2015 – Cheltenham; Uxizandre ridden by A P McCoy leads the field over the second last fence at the Ryanair Chase (Registered As The Festival Trophy Steeple Chase) Grade 1. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Als AP McCoy nach seinem Sieg mit Uxizandre (Alan King, 16/1) zurück in den Führring zur Siegerehrung kam, wogten ihm die Ovationen der dort etwa 10 000 versammelten Fans entgegen. Zweimal wurden die „Three Cheers“ aufgerufen, was nur ganz selten beim Festival passiert. Der vielfache Jockeychampion hatte ja vor vier Wochen seinen Rücktritt zum Ende der Saison angekündigt. Es ist also sein letztes Festival, und bisher war ihm aber auch gar nichts gelungen. Doch der erstmals mit einem Visor angetretene Uxizandre kämpfte wie ein Löwe und holte sich die Ryanair Chase Start – Ziel vor der zweiten Favoritin Ma Filleule (Barry Geraghty/Nicky Henderson, 5/1) und dem Favoriten Don Cossack (Bryan Cooper/Gordon Elliott, 5/2). „Er sprang ab und lief mit mir quasi davon“, sagte McCoy, der bei der Siegerehrung ein paar Tränen wegdrücken musste. „Ich habe gedacht, wie gerne hätte ich ihn gestern in der Queen Mother Chase geritten – so schnell war er unterwegs.“ Doch als es den Hügel hinunter ging, war der Champion immer noch glücklich mit seinem Pferd. „Kompliment an Alan King, der ihn für heute in Top Form gebracht hat, obwohl er in den vergangenen zwei Rennen enttäuschte.“ Sehr schwach lief Balder Success, ist aber entschuldigt. Er rumpelte durch das zweite Hindernis, und danach ging er keinen Meter mehr, sagte sein Jockey Wayne Hutchinson zu den Stewards. Die gaben Paul Carberry wegen übertriebenen Peitschengebrauchs auf Apache Stronghold zwei Renntage Sperre. Für vier Tage muss Richie McLernon wegen Behinderung an den Zaun.

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12.03.2015 – Cheltenham; Winners presentation with Trainer Warren Greatrex, Gavin Sheehan, Jill and Robin Eynon after winning the Ladbrokes World Hurdle Grade 1 with Cole Harden. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Dann kam das Rennen, vor dem Trainer Paul Nicholls gesagt hatte: „Wenn Zarkandar heute das World Hurdle nicht gewinnt, dann nie mehr.“ Als der kleine Kämpfer in immer noch guter Haltung am vorletzten Sprung einen schweren Fehler machte und Reiter Noel Fehly fast aus dem Sattel katapultiert wurde, war klar: Zarkandar (6/1) wird nicht gewinnen. Er kämpfte sich noch auf Platz drei hinter Saphir Du Rheu (Sam Twiston-Davies/Paul Nicholls, 5/1) und dem Sieger Cole Harden (Gavon Sheehan/Warren Greatrex, 14/1), der eine höchst couragierte Partie absolvierte und Start – Ziel kein anderes Pferd an seine Gurte ließ. Eine Atemwegsoperation hatte anscheinend Wunder gewirkt und ihn wieder an die frühere Form geführt, nach der der Westerner-Sohn eine erste Chance in diesem Rennen haben musste. Der Trainer war überglücklich: „Ich habe immer an dieses Pferd geglaubt. Ich hatte ihn nie besser in Form, aber man kann es einfach nicht glauben, ein Rennen wie dieses gewinnen zu können.“ Paul Nicholls haderte etwas mit dem Schicksal: „Zarkandar war sehr unglücklich. Er war so gut unterwegs, dieser Fehler hat ihm alle Siegchancen genommen. Fragen Sie mal den Jockey, was er darüber denkt.“ Für Saphir Du Rheu war den Boden schon zu trocken. Unter diesem Bedingungen war Nicholls mit seinem Laufen sehr zufrieden.
Einigermaßen mit der Welt versöhnt war auch der Fotograf, hatte ihm doch der dritte Platz von Zarkandar wenigstens seine Wetteinsätze zurückgebracht, da er ihn auch noch in einer dicken Platzschiebe auf Don Cossack untergebracht hatte. Davon konnte der Autor heute nur träumen. Lediglich zwei Plätze waren drin. Aber es kommt ja noch ein Tag. „Make a brave face“, sagen die Engländer. Genau so machen wir’s.

© Fotos: turfstock.com, München

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