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Dancing Rain und Johnny Murtagh gewinnen die Oaks

Juni 4, 2011 by  

Hemke Label U.K. Derby2011 © turfstock.com/BaloghRolf C. Hemke – „Der Beste moege gewinnen“ ist einer dieser frommen Sportlerwuensche. Wer weiss schon, wer an so einem Wettkampftag wirklich der beste ist. Da ist die Fussballerweisheit „Der Pokal hat seinen eigenen Gesetze“ schon realistischer. Denn der Beste ist jedenfalls nicht immer der, der gewinnt. Wie gut nun die von William Haggas trainierte Danehill Dancer-Stute Dancing Rain wirklich ist, muss die Zukunft erweisen.

Darueber zu spekulieren, ob Sie am vergangenen Freitag (3.6.) tatsaechlich die Beste im Feld der dreizehn Teilnehmerinnen war, die in den Gr.1-Investec Oaks, dem ueber ca. 2400 m fuehrenden englischen Stutenderby um 325.000 £ Preisgelder, antraten, ist muessig. Schliesslich hat sie unter dem irischen Meisterjockey Johnny Murtagh gewonnen. Mit einer dreiviertel Laenge schlug sie die Mitfavoritin Wonder of Wonders, Vollschwester des Spitzenvererbers Galileo, unter Kieren Fallon aus dem maechtigen englischen Ballydoyle Quartier von Aidan O`Brien. Als dessen Stalljockey hatte Murtagh noch bis zu seinem Aufsehen erregenden Abgang Ende vergangenen Saison firmiert.

Mit vier Laengen Abstand folgte die von John Gosden trainierte Pivotal-Tochter Izzi Top unter William Buick mit einem kurzen Kopf vor Godolphins englischer 1000 Guineas-Ueberraschungssiegerin Blue Bunting, auf die Jockey Frankie Dettori derart eindrosch, dass er gleich eine zehntaegige Sperre wegen unsachgemaessen Einsatzes der Peitsche und Auslassen einer Gewinnchance erhielt – denn den dritten Platz schenkte er der Konkurrrenz. Fuenfte wurde schliesslich die irische 1000 Guineas-Siegerin Misty for me, ebenfalls aus dem Ballydoyle-Quartier.

Johnny Murtagh hat es mit diesem Sieg geschafft, seine beiden Kollegen Kieren Fallon und Frankie Dettori, die auf den beiden Wettmarktfavoriten sassen, zur Verzweiflung zu reiten. Denn den Rennverlauf hat allein er diktiert. Mit gleich vier Pferden waren Ballydoyle und Aidan O`Brien im Rennen vertreten, davon mit Why und Eirnin zwei Aussenseiter, die auch im hinteren Feld einkamen – doch niemand machte die Pace. So begann das Rennen ausgesprochen langsam, Murtagh uebernahm bald die Fuehrung, diktierte ein einschlaeferndes Tempo und teilte seinem Pferd das Rennen nach Belieben ein. Bis zur Haelfte wirkte das Rennen eher wie ein Trainingsgalopp, ein eher typischer Verlauf fuer ein franzoesisches, aber sicherlich nicht fuer ein hochklassiges englisches Rennen, in denen sonst nach spaetesten 500 m die Post abgeht.

Erst zur Haelfte verschaerfte Murtagh merklich das Tempo und ging auf dem letzten Kilometer in einen Sprint ueber. Da konnte nur noch die grossartig gezogene Wonder of Wonders mithalten. Doch Dancing Rain packte das grosse Kaempferherz – sie liess die Ballydoyle-Stute nicht zu nahe kommen und gewann mit einer dreiviertel Laenge Vorsprung. Fuer William Haggas, der nur einmal, 1996 mit Shaamit einen englischer Derbyteilnehmer gesattelt hatte und gleich gewann, war nun auch bei der ersten Oaks-Teilnahme gleich der Sieg faellig. Was fuer eine Trefferquote!

Charakterlich hat Dancing Rain schon im Vorfeld grosses Oaks-Format bewiesen. Ihrer Trainingsreiterin Maureen, Gattin des Trainers und Tochter der britischen Jockeylegende Lester Piggott, brach sie vor Monatsfrist bei einer Ladeuebung an der Startmaschine durch einen gezielten Tritt das Bein. Erinnert das nicht ganz stark an die formidable Superzicke Sariska, Oaks-Siegerin 2009, die im letzten Jahr selbst ihre Karriere beendete, als sie bei zwei Gr.1-Rennen in Folge in der sich oeffnenden Startbox stehen blieb?!

Sariskas grosse Rivalin Midday, die sie nicht nur in den Oaks kanpp geschlagen hatte, scheint immer noch besser zu werden. Im zweiten Highlight des Tages, dem Coronation-Cup, trat sie erstmals auf Gr.1-Level gegen vier Hengste an und haette ihnen beinahe die Hufe gezeigt, wenn, ja wenn ihr Jockey Tom Queally ihr das Rennen so gut eingeteilt haette wie Johnny Murtagh es wenig spaeter auf Dancing Rain gelang. Aber Midday war schon Mitte der Zielgeraden fast zewi Laengen voraus und auf den letzten zweihundert Metern fehlte dann die Luft. Die aber hatte der grossartig wiedererstarkte St. Nicholas Abbey! 2009 war der Hensgt bester europaeischer Zweijaehriger, doch von seinem Trainer Aidan O`Brien nach desssen eigenen Worten im letzten Jahr ausser Form trainiert, so dass er nur einmal antrat und in den 2000 Guineas enttaeuschender Sechster wurde. Er habe dem Pferd nicht gut getan, betonte O`Brien in Epsom nochmals, dass der Hengst unter Ryan Moore nun seine wahren Qualitaeten zeigen koenne, sei insgesamt seinem Team zu verdanken, dass den Hengst moeglichst fern von ihm halte, grinste der sichtbar erleichterte Trainer nach dem mit einer Laenge durchaus knapp ausgefallenen Sieg.

Lediglich ein deutsches Pferd war am Freitag in Epsom am Start, die von Mario Hofer trainierte ex-Schlenderhanerin Mountain Rose verkaufte sich als sechste von acht Pferden in den Gr. 3-Princess Elisabth` s Stakes ueber die Meile mittelpraechtig. Mit gut neun Laengen zurueck hinter der fuer Godolphin wieder einmal erfolgreichen Ex-Deutschen Antara (unter Dettori) errang sie noch das letzte Platzgeld in Hoehe von £ 675.

© Foto: turfstock.com, München

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  1. […] gestartet, sprintete die Siegerin des englischen Pendants, der Anfang Juni gelaufenen Epsom Oaks (vgl. Turfkopf v. 04.06.), an die Spitze. Mitte der Gegenseite hatte sie schon gut zwei Längen Vorsprung und ließ nichts […]



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