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Campanologist ordnet die Kräfteverhältnisse im Derbyjahrgang

September 26, 2011 by  

Hemke Label Preis von Europa © turfstock.com/BaloghRolf C. Hemke – So richtig Spaß macht dieser Derbyjahrgang 2011 leider nicht. Wenn man einmal von der außerordentlichen Danedream absieht, die weder im Deutschen Derby noch in der Diana antrat, dann hat sich eine kleine, nur mäßig konsistente Leistungsspitze aus vier oder fünf Pferden herauskristallisiert: Während Derbysieger Waldpark nach seinem Hamburger Sieg in Deauville und im Großen Preis von Baden satt enttäuschte, die beste deutsche Dianastute Djumama nicht nur von der englischen Oakssiegerin in Düsseldorf, sondern auch von einer wenig profilierten französischen Stute in Iffezheim die Grenzen aufgezeigt bekam, lagen die Hoffnungen nun auf dem Derbyzweiten Earl of Tinsdal, der ein schwaches Feld im Kölner Gr.1-Rheinlandpokal überlegen mit vier Längen abgefertigt hatte: Es könnte sich ja bei dem Black Sam Bellamy-Sohn aus dem Training von Andreas Wöhler um den eigentlichen Jahrgangsprimus handeln.

Die letzte deutsche Gr.1-Prüfung der laufenden Turf-Saison, der mit 155.000 EUR dotierte 49. Preis von Europa im Weidenpescher Park von Köln (2400 m), rückte auch diese Einschätzung, die zu einer 19:10-Favoritenstellung des Hengstes geführt hatte, wieder zurecht. Denn der „Earl“ , wie er von seinen Fans liebevoll gerufen wird, enttäuschte leistungsmäßig eigentlich nur etwas, aber er gewann nicht. Der Boden war vielleicht ein wenig fester als ihm lieb ist, im Führring hatte er ein wenig geschwitzt, auf der Bahn hatte er unter Eduardo Pedroza vom Start weg die Führungsarbeit geleistet. Dreihundert Meter vor dem Ziel, als die Angriffe von Schlenderhans Ibicenco unter Filip Minarik und Godolphins Campanologist unter Frankie Dettori aufkamen, hatte er nichts mehr entgegenzusetzen. Vielleicht war die Saison nun auch schon zu lang? Über seinen in dieser Saison ständigen Runner-up Saltas (unter Andrasch Starke) gerechnet, ist seine Leistung dennoch als reell zu bezeichnen.

Im Frankfurter Metzler-Preis (Gr.3) Anfang Mai betrug der Abstand der beiden eine halbe Längen, im Derby war der Earl als Zweiter zwei Längen, im Rheinlandpokal als Sieger vier Längen voraus. Im Kölner Preis von Europa kam das unzertrennliche Paar als Dritter und Vierter mit Halsunterschied ein. Zwei Pferde waren halt stärker: Schlenderhans Ibicenco ist vielleicht nicht so ganz der Siegertyp, in Frankreich kam er in dieser Saison teilweise gegen absolute Hochkaräter nur um Körperteile geschlagen platziert ein. Aber der Shirocco-Sohn ist ein absolut verlässlicher Performer, der im Derby am Rennverlauf scheiterte und Achter wurde. Im Preis von Europa setzte er sich leicht von Earl of Tinsdal ab, im Ziel waren das immerhin eindreiviertel Längen, aber er hatte keine Möglichkeit, Campanologist – nachdem dieser einmal Tritt gefasst hatte – zu gefährden.

Der Sieger, ein veritabler Weltenbummler, ist in seiner Rolle als Spielverderber für die deutschen Cracks bestens geübt. Sein überlegener Eineinviertel-Längen-Sieg war immerhin schon sein dritter Gruppe 1-Sieg, alle auf deutschem Boden eingefahren. Im letzten Jahr verwehrte er im damals in Hamburg ausgetragenen Deutschland-Preis Wiener Walzer knapp den Sieg, in der Regenschlacht des Kölner Rheinlandpokals 2010 schaffte es dann Zazou hinter ihm gar nur auf Platz drei.

Der Godolphin-Hengst hatte sich mit seiner knappen Niederlage gegen Indian Days in der International Bosphorus Trophy von Istanbul Anfang September wieder deutlich angekündigt. So gewann er nun den Preis von Europa ohne dass Frankie Dettori seinen Partner bis zum Zielpfosten hätte voll ausreiten müssen. Als nächstes wird der Kingmambo-Sohn ein Gr.1-Rennen in Mailand Mitte Oktober ansteuern. Auf den britischen Inseln ist der Sechsjährige zwar auch Gr. 1-platziert, aber zur Elite der englischen Steher gehört der Hengst nicht. Vielmehr mussten sich die deutschen Dreijährigen hier einem wiedererstarkten, international auf Gr.2-Level einzustufenden Pferd geschlagen geben. Vor diesem Hintergrund erscheint auch die Leistung von Ibicenco nach seinen Gr. 3-Formen in Frankreich eher bestätigt als gesteigert. Warten wir also auf das nächste Wochenende wenn in Longchamp voraussichtlich mit Danedream und Durban Thunder zwei weitere dieses Jahr auf deutschem Toplevel erfolgreiche Pferde ihre Visitenkarte abgeben werden.

© Foto: turfstock.com, München

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