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AP, der magische Mann

März 13, 2014 by  

Cheltenham Festival 2014 - Day three © turfstock.comMichael Luxenburger – Wenn sie vernünftig sind, dann war das der Abschied von Big Buck’s (Foto) als Rennpferd, dachte sich der Autor gleich nach dem Rennen. Zehn Minuten später später kam die Nachricht: Ab ins hochverdiente Rentnerdasein!  Der Elfjährige hat nochmal alles gegeben im World Hurdle, aber das war eben nicht gut genug. Und auch Annie hatte nicht genug Power für More Of That, den Sieger im Hauptereignis am dritten Tag des Cheltenham Festivals. Der den Autor leider nicht einmal an der Auszahlkasse sah.

Cheltenham Festival 2014 - Day three © turfstock.comMittlerweile sind Autor und Fotograf wenn schon nicht beim Wetten, dann doch wenigstens bei den Mysterien des Dark Barn etwas weitergekommen. Zwar haben sie auf einen weiteren Test der Küche dieses verwunschenen Platzes verzichtet, da sie ja nicht über Tartaren-Mägen verfügen. Doch ist ihnen nicht entgangen, dass der snowboardende 61-jährige Ex-Barkeeper sein Techtelmechtel mit der Chefin derart intensiviert hat, dass er nun als Mitbesitzer der Hotelanlage firmiert. Respekt, kann man da nur sagen, aber dass er ein Cleverle ist, hatten wir ja schon vergangenes Jahr festgestellt. Er hat mittlerweile auch das Verlies fertig gemauert, allerdings einen Fensterstock eingezogen, so dass zu erwarten ist, dass da ein neues Zimmer entsteht. Es ist zwar sehr klein, aber auch sehr heimelig, hat eine Falltüre zum Keller, und der Autor vermutet, dass es im nächsten Jahr die Bleibe des Fotografen sein wird.

Der als Marokkaner eingeschätze Koch hat sich am Donnerstag beim Frühstück – full english wie immer (mit besonders gräßlichen Sausages) – als Rumäne geoutet. Wir kennen jetzt die rumänische Küche nicht,aber er hat schnell gelernt und sich dem englischen Standard angepasst. Der Ex-Barkeeper war schon früh im Nebel verschwunden. Wahrscheinlich machte er sich auf die Suche nach überfahrenen Dachsen für das Abendessen. Aber, um jetzt keinen falschen Eindruck von unserer Bleibe zu erzeugen: Der Dark Barn ist eine schöne und fast magische Anlage. Die Zimmer sind prima. Nur essen darf man dort eben nicht.

Als wir am Donnerstagmorgen auf die Bahn im Prestbury Park kamen, hüllte dichter Nebel die gesamte Szenerie ein. Auch im Guinness Village sah man kaum das Pint vor den Augen. Der Autor freute sich allerdings sehr, dass er dort Candida Baker getroffen hat – die Ehefrau des englischen Trainers George Baker. Sie hatte einen unübersehbaren violetten Hut auf. Mit Candida hatte der Autor zuletzt beim White Turf eine halbe Nacht im St. Moritzer Kult-Lokal Baracca durchgetanzt. Die Welt ist klein, das zeigt sich immer wieder.

Als sich gegen 12 Uhr der Nebel immer noch nicht verzogen hatte, begann der Fotograf unruhig zu werden, hatte er doch seine Infrarot-Kamera nicht dabei. Das Publikum wurde derweil mit Rennverfilmungen vom Mittwoch bei Laune gehalten. Da galoppierten die Pferde durch strahlenden Sonnenschein. 40 Minuten vor dem ersten Start: immer noch the fog. Ja wo laufen sie denn? Um sich die Zeit zu vertreiben, legte der Autor nun einige seiner berüchtigten Schiebewetten an. Eine war ja schon durchgegangen und hatte ihm immerhin 400 Pfund beschert.

Währenddessen machten sich die jetzt schon etwa 40 000 Besucher unverdrossen daran, das Guinness Village leer zu trinken. Alle fünf Minuten läuten an der Bar die Glocken, und das Personal schreit „Yeeeaaah“. Wer kann da schon widerstehen, sich einen weiteren Becher kühles Braunes zapfen zu lassen? „Wenn ich zurück in München bin, ist zwei Wochen strenge Diät angesagt“, murmelte der Autor und holte sich noch ein Pint. „Wenn das so ist“, meinte der Fotograf, und schloss sich an. Heuer kostet das Pint umgerechnet sieben Euro. Na gut, bei Eintrittspreisen von 50 bis 100 Euro ist das nur angemessen. Wenn man hier also parkt, isst und trinkt, ist man vor dem ersten Rennen schon mal 150 Euro los. Bei 60 000 Besuchern pro Tag bedeutet das etwa 12,5 Millionen Einnahmen beim Festival alleine aus den Eintrittsgeldern. Dafür müsste eine durchschnittliche deutsche Rennbahn etwa 15 Jahre lang monatlich Rennen veranstalten. Aber gut, jeden Tag kümmern sich auch fast 5000 Angestellte hier im Prestbury Park um die Besucher. Nur die Toilettenlage ist noch ausbaufähig.

Der Nebel hatte sich dann soweit gelichtet, dass die Rennen gestartet werden konnten. In der JLT Novices Chase musste gleich am ersten Hindernis der Mitfavorit Oskar Whisky hart zu Boden und brachte Mozoltov, der stark herunter gewettet war, zu Fall. Uixandre (Robert Thornton/Alan King, 33/1) machte die Pace, dahinter lagen Double Ross (Sam Twiston-Davies/Nigel Twiston-Davies, 11/1) und Djakadam, der aber am drittletzten Sprung einen schweren Fehler machte und fiel. Ruby Walsh hatte den Favoriten Felix Yonger in Position, doch kam er nicht entscheidend weiter. Ganz im Gegensatz zu Taquin Du Soil (A.P. McCoy/Jonjo O’Neill, 7/1), dem der Champ einen grandiosen Ritt lieferte. Erst am vorletzten Hindernis brachte er sein Pferd an die Führenden heran, und dann entwickelte sich ein Dreikampf die letzten 200 Meter den Berg hinaus, den McCoy gegen Uixandre und Double Ross entschied, die beide von Anfang an die Pace gemacht hatten. Es braucht nicht extra erwähnt werden, dass der Autor Oskar Whisky gewettet hatte. Zusammen mit dem Fotografen hatte er einen 70-Pfund-Placepot angelegt, der selbstverständlich nach diesem Rennen nur noch das Papier wert war, auf dem der Wettschein gedruckt wurde.

Zwei Dinge müssen noch angemerkt werden: McCoy kam mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Waage zurück, der Sturz von gestern hatte seine Spuren hinterlassen. Und seinen ersten Sieg im Meeting holte er ausgerechnet, als er einmal nicht für seinen Arbeitgeber J.P. McManus geritten ist. Dessen Pferd wurde in diesem Rennen Zweiter, wobei sich Choc Thornton erneut im Endkampf geschlagen geben musste. Trainer Jonjo O’Neill sagte über den Sieger: „Ich denke, das ist ein sehr gutes Pferd. Hoffentlich kann er sich in die Gold Cup-Klasse verbessern. Meine Pferde laufen einfach gut in diesem Meeting.“ Über seinen Jockey sagte der Trainer: „A P macht einfach den Unterschied. Als feststand, dass er das Pferd reiten könne, war ich richtig begeistert. Er kennt das Pferd, und er hat mit ihm nichts übereilt. Er hat große Schmerzen heute, aber er ist ein magischer Mann.“ McCoy gab zu, unter großen Schmerzen reiten zu müssen, merkte aber an: „Wenn ich mir überlege, was Bryan Cooper passiert ist, dann rückt das alles wieder zurecht.“ Cooper hatte sich am Mittwoch  einen komplizierten doppelten Beinbruch zugezogen und muss morgen erneut operiert werden. Es war übrigens der 30. Sieg von McCoy beim Festival.

Cheltenham Festival 2014 - Day three © turfstock.comAuch das Pertemps Final Handicap Hurdle sah ein packendes Finale, nur waren diesmal gleich vier Pferde im Endkampf. Zwei von ihnen, der Favorit Fingal Bay (Richard Johnson/Philip Hobbs,7/2) und der Riesenaußenseiter Trustan Times (Ryan Mania/Tim Easterby, 33/1) waren schon bergab mit vorne zu sehen, wogegen Southfield Theatre (Daryl Jakob/Paul Nicholls, 20/1) und Pineau De Re (Sam Twiston Davies/Dr. Richard Newland/33/1) erst nach dem letzten Sprung auf den Plan traten. Die Finishkraft von Dickie Johnson gab dann den Ausschlag, mit einer Nase setzte er sich gegen Southfield Theatre durch, so dass Paul Nicholls weiter auf einen Sieg bei diesem Meeting warten musste. Nicholls‘ Stalljockey Daryll Jacob (Foto), in letzter Zeit stark kritisiert, hatte sich schon als Sieger gefühlt und war danach völlig niedergeschlagen. Pineau De Re konnte sich noch hauchdünn gegen Trustan Times für Platz drei durchsetzen. Der gute Boden spielte sicher dabei eine Rolle, dass die beiden Höchstgewichte vorne lagen, was im Pertemps eher die Ausnahme ist.

Cheltenham Festival 2014 - Day three © turfstock.comDie Ryanair Chase hatte keine überragende Besetzung – viele Pferde waren am Start, die früher erste Klasse vertraten, aber nach den letzten Leistungen eher chancenlos waren. Der Sieger Dynaste (Foto: Tom Scudamore/David Pipe, 3/1) war in der King George Chase am tiefen Geläuf gescheitert und hatte auf dem deutlich besseren Boden in Cheltenham keine Probleme, um den lange führenden Hidden Cyclone (Andrew McNamara/John Joseph Hanlon, 10/1) und den überraschend starken Rajdhani Express (Sam Waley-Cohen/Nicky Henderson, 18/1) auf die Plätze zu verweisen. Der zweite Favorit Benefficient verlor durch einen Rumpler am drittletzten Sprung alle Chancen, schien zu diesem Zeitpunkt allerdings schon geschlagen. Al Ferof enttäuschte, doch hatte Trainer Paul Nicholls schon in der Morning Line auf Channel Four verraten, dass er keinen rechten Mumm auf sein Pferd habe. David Pipe, der Trainer des Siegers, verriet: „Er war schlecht drauf nach dem King George. Er hatte sich im Rennen früh einige Muskeln im Rücken gezerrt. Unsere Tierärzte haben einen großartigen Job gemacht. Wir haben die Taktik umgestellt – extrem auf Warten reiten. So wird er möglicherweise auch über drei Meilen plus kommen.“ Jockey Tom Scudamore, der nach der Arkle Chase schon seinen zweiten großen Sieg feierte, schätzt den Erfolg hoch ein: „Das war ein wirkliches Championship-Rennen heute. Ich musste ihn nur in die richtige Richtung steuern. Den Rest hat er selber gemacht. Er ist bis auf einen kleinen Fehler richtig gut gesprungen.“

Cheltenham Festival 2014 - Day three © turfstock.comMit großer Spannung warteten die 50 000 Zuschauer dann auf das World Hurdle. Big Bucks wollte es zum fünften Mal gewinnen, doch hatte der 11-Jährige zuletzt im Cleve Hurdle ein hartes Rennen gehabt, außerdem war es der zweite Start nach Pause. Bis zum Knick hielt der zweite Favorit gut mit, doch dann wurde es ihm sichtbar zu schnell, und sein Reiter Sam Twiston-Davies ließ ihn dankenswerterweise in Ruhe, als der Zug nach vorne abgefahren war. Reve Di Sivola hatte lange die Pace gemacht, verschwand dann aber ebenso nach hinten wie Celestial Halo und Rule The World. Vor dem letzten Sprung kamen nur noch drei Pferde für den Sieg in Frage: More Of That (Barry Geraghty/Jonjo O’Neill, 13/2), die Favoritin Annie Power (Ruby Walsh/Willie Mullins, 11/8) und At Fisher’s Cross (A.P. McCoy/Rebecca Curtis, 9/1), die dann auch in dieser Reihenfolge die Ziellinie überquerten. Von hinten kam noch Zarkandar angerauscht, doch konnte er den dritten Platz nicht mehr erreichen. Und wieder hatte sich der in toller Form reitende Geraghty in einem engen Finish durchgesetzt. Die beiden Erstplatzierten hatten sich dabei um sechs Längen von At Fisher’s Cross abgesetzt. Das war der zweite Sieg für J.P. Mac Manus in diesem Meeting, beide Male saß nicht sein Privatjockey McCoy, sondern Geraghty im Sattel. Trainer Jonjo O’Neill strahlte übers ganze Gesicht, war es doch schon sein zweiter Tagessieg. Zur Wahl von McCoy, der sich für At Fisher’s Cross entschieden hatte, sagte er: „Er glaubte an dieses Pferd, und ich an meines. Und Barry war nicht schlecht, oder? Er hat das Pferd in einen sehr guten Rhythmus gebracht, und es ist super gesprungen.“ Annie Power’s Trainer Willie Mullins meinte lapidar: „Ich denke, sie hat genau ihre Marke gezeigt, und wir sind einfach von einem besseren Pferd geschlagen worden. Meine Stute war immer in einer guten Position, und es gibt keine Entschuldigungen.“

In der abschließenden Kim Muir Chase für die Amateure gelang Nina Carberry eine artistische Glanzleistung, denn nach einem schweren Fehler von Cause Of Causes am letzten Sprung hing sie schon am Hals ihres Pferdes, doch gelang es ihr, wieder in die Eisen zu kommen und sogar im Finish noch an den Sieger Spring Heeled heranzukommen.

So eine Wiederauferstehung braucht der Autor morgen auch, dessen Brieftasche sich genau entgegengesetzt zu seinem Gewicht entwickelt. Der Fotograf hat immerhin zwei Platzwetten getroffen.

Morgen, am letzten Tag des Cheltenham Festivals, versucht es der Autor mit folgenden Pferden (lieber nicht weiterlesen!!!):
Abbyssial (7/1) im Triumph Hurdle; Cheltenian (9/1) im Vincent O Brian Country Hurdle; Briar Hill (5/4) im Albert Bartlett Hurdle; Triolo D‘ Alene (10/1) im Gold Cup; Oscar Delta (9/1) in der Foxhunters Chase; Princely Player (20/1) im Martin Pipe Conditional Hurdle und Next Sensation (10/1) in der Grand Annual Handicap Chase.

Und das tippt der Fotograf: Royal Irish Hussar im Triumph Hurdle, Lac Fontana im Vincent O Brian Country Hurdle, Briar Hill im Albert Bartlett Hurdle, First Lieutenant im Gold Cup und Local Hero im Martin Pipe Conditional Hurdle und zum Schluß: Mr Mole in der Grand Annual Handicap Chase.

© Fotos: turfstock.com, München

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