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Andreas Suborics tauscht Rennstiefel gegen Halbschuhe

August 12, 2010 by  

Symboldbild Stiefel Suborics. © turfstock.com/Baloghturfcast.net – Es war ein gelungenes Manöver von Rennsportjournalist Klaus Göntzsche, als er Andreas Suborics am letzten Renntag in Hannover überraschend zu seinem Comeback befragt. Der Weltklassejockey Suborics wollte eigentlich erst in der nächsten Woche sein Karriereende offiziell bekannt geben. Oft kommt es ja bekanntlich anders als man denkt und so verkündete Subi, wie er in der Rennsportszene genannt wird, schon letzten Sonntag, dass er seine Reitstiefel an den berühmten Nagel hängen wird.

Den Ausschlag für sein Karriereende gab ein Arbeitsunfall bei seinem Wintergastspiel in Hong Kong. Ein Pferd erschreckte sich und verletzte den gebürtigen Österreicher dabei so schwer am Kopf, dass ein Bluterguss operativ entfernt werden musste. Auch bei einer Nachsorgeuntersuchung im Mai konnten die Ärzte noch keine Entwarnung geben. Andreas Suborics beriet sich engmaschig mit seinen behandelnden Ärzten und der Entschluss seine hocherfolgreiche Karriere zu beenden reifte und wurde schließlich gefasst.

Wer Andreas Suborics kennt, weiß dass der gebürtige Wiener Jahrgang 1971 hart an seiner außerordentlichen Laufbahn gearbeitet hat. Seine Ausbildung begann er 1986 in der legendären Wiener Freudenau bei Trainer Emmerich Schweigert. Suborics erzählt gerne die Geschichte, wie er mit seinem Freund Peter Heugl auf Strohballen das Finishreiten in der Stohkammer geübt hat. Beide haben so lange auf den Ballen diese so typische rhythmische Unterstützungsbewegung eines Jockeys trainiert bis das gepresste Pferdeeinstreu an Form und Fassung verloren hatte. Wie viele Ballen letztendlich nötig waren um so zu reiten wie sein damaliges Idol, der amerikanische Spitzenjockey Steve Cauthen, wurde leider nie dokumentiert.

Nach seiner Ausbildung und einigen Jahren in Wien, zog es den jungen Suborics Anfang der 1990er Jahre nach München. Mario Hofer der damals in München trainierte, engagierte 1991 seinen österreichischen Landsmann. Lange hielt es der junge und verliebte Suborics nicht in der bayerischen Landeshauptstadt aus. Sein Job war in München und seine Jugendliebe Fräulein Ramona war in Wien. Das konnte nicht gut gehen, also wurden die Zelte in München abgebaut und in Wien wieder aufgebaut.

Während seines kurzen Gastspiels in München ist aber der Trainer Wolfgang Figge auf das Nachwuchstalent Suborics aufmerksam geworden. Figge war es dann, der ihn ein Jahr später erneut nach München holte. Das war der eigentliche Startschuss für die Karriere des Andreas Suborics. Erich Pils, der in dieser Zeit das Abonnement auf das bayerische Trainerchampionat hatte, engagierte den Wiener Jockey wiederum ein Jahr später als Stalljockey. Es folgten für den jungen Wiener Reiter zwei bayerische Jockey Championate und ein missglückter Versuch im Deutschen Derby 1994 zu reiten.

An einem warmen Sommerabend saß, wie so oft, die damalige Münchner Rennreiter-Gilde in ihrem bevorzugten Rennbahn nahen Italiener zusammen und schmiedete Pläne. Suborics, der wenig dem Zufall überließ, verschwand für eine Stunde um mit der deutschen Trainerikone Heinz Jentzsch zu telefonieren. Der neue bayerische Meisterjockey wollte sich für einen Derbyritt auf Laroche ins Gespräch bringen. Jentzsch hatte im 134. Deutschen Derby neben Laroche mit Savinelli, Lorado, Caballo, Honorius und Vialli noch fünf weitere englische Vollblüter unter Order. In der Fachzeitschrift Sport-Welt gab es einen Hinweis, dass die Reiterfrage noch nicht bei allen Pferden geklärt wäre und der Kölner Trainer noch nach geeignetem Personal Ausschau hielte. Suborics fasste sich ein Herz und den Telefonhörer, wählte die Telefonnummer von Heinz Jentzsch und bewarb sich.

Der genaue Verlauf der versuchten Akquisition kann heute nicht mehr wortgenau wiedergegeben werden. Was aber in guter Erinnerung ist, ist die Tatsache, dass Subi mit einer guten Prise Selbstironie von seinem Telefonat mit dem Championtrainer der wartenden Münchner Rennreiter-Gilde berichtete. Jentzsch fragte zunächst, wer denn der Mann am anderen Ende der Leitung sei und bedankte sich schließlich freundlich für das Angebot. Leider teilte er dem ehrgeizigen Suborics auch mit, dass er bereits andere Reiter in Planung habe. Heinz Jentzsch gewann schließlich mit dem Ittlinger Laroche das Derby – geritten wurde Laroche von dem in Deutschland ansässigen Reiter Steve Eccles.

1995 packte der Wiener erneut seine Koffer und wechselte zunächst in die Kölner Trainingszentrale. Es folgten Engagements bei Bruno Schütz, Andreas Wöhler, Werner Baltromei, Mario Hofer und zuletzt bei Waldemar Hickst um einige seiner Stationen aufzuzählen. Als es in Deutschland en vogue war, dass große Besitzer einen Privatjockey für ihre Pferde engagierten, sicherte sich der Bankier und Rennsportliebhaber Georg Baron von Ullmann die Dienste des Österreichers.

Aus dem jungen Suborics, der vor einigen Jahren in der Strohkammer auf Strohballen seinem Idol Steve Cauthen nacheiferte, war ein Starjockey geworden.

Das Deutsche Derby gewann er mit Shirocco, mit Silvano die Arlington Million in Chicago, mit dem ungarischen Wunderpferd Overdose die Goldene Peitsche und zweimal die japanische Jockey World Series und noch viele, viele hochkarätige Rennen mit hochkarätigen Pferden mehr. Rund um den Globus siegte er in über 1550 Pferderennen darunter in 81 Gruppe Rennen. Drei deutsche Jockeychampionate komplettieren seine Vita. Suborics war längst selbst zum Vorbild für viele Nachwuchsjockeys geworden. Der deutsche Galopprennsport verliert mit Andreas Suborics einen seiner besten Jockeys. Der Nachwuchs tut sich noch schwer in seine Fußstapfen zu treten.

Was macht aber ein so erfolgreicher und cleverer Self-Made-Jockey nach dem aktiven Dienst im Rennsattel? Er wechselt ins Management. Auf Nachfrage von turfcast.net berichtet der am 11. August 39 Jahre alt gewordene und seit Sonntag dem Exjockeylager angehörende Andreas Suborics, dass bereits Gespräche mit Baden Racing geführt werden. Es geht dabei um Aufgaben in der Meetingsplanung, Sponsorenbetreuung und Moderation während der Galoppmeetings in Iffezheim. Suborics glaubt mit seiner internationalen Erfahrung einen wichtigen Beitrag beim Neuanfang in Iffezheim leisten zu können. Vieles hat er im Ausland gesehen was er in Deutschland verbessern will, dabei spricht er von technischen Abläufen und dem Service. Die Aufgabe bei Baden Racing könnte dem umtriebigen Suborics noch so viel Spielraum lassen, dass er eine Agentur für die Vermittlung von Rennpferden betreiben oder als Racingmanager für einen Besitzer tätig sein kann. Dass er auch das Zeug zu einem Racingmanager hat, stellt er derzeit unter Beweis. Suborics berät den jungen Rennstall von Besitzertrainer Markus Münch, der derzeit mit seinem kleinen Lot für große Schlagzeilen sorgt. Mit der Stute Intarsia gewann der ehemalige Fußballprofi Münch am letzen Sonntag in Hannover ein Listenrennen und landete damit seinen bislang größten Erfolg als Trainer. Wenn Grupperennen die Champions League im Galopprennsport sind, dann können Listenrennen ruhig mit einem DFB Pokalspiel verglichen werden.

Apropos Fußball. Wäre Suborics kein Jockey geworden, hätte er auch als Profifußballer durchaus Karriere machen können. Bei einem Veteranenspiel des FC Bayern spielte der Starjockey für 20 Minuten. „Ich spielte einen Doppelpass mit Bruno Labbadia, der wurde gefoult und es gab einen Strafstoss. Daraus wurde das Siegtor“, erzählt Suborics mit dem typischen Wiener Dialekt.

Und was wurde aus dem Fräulein Ramona? Die hat mit Andreas Boschert einen Jockeykollegen von Andy Suborics geheiratet.

Ob es jetzt zur Grossen Woche in Iffezheim Strohballen anstatt Ponyreiten geben wird, haben wir nicht gefragt. Interessant wird es aber bestimmt. Andreas Suborics wird neben dem Turfjournalisten und Moderator Daniel Delius seine Tipps für die Rennen abgeben und über seine Karriere plaudern. Ein Besuch sollte sich auf jeden Fall lohnen.

© Text: turfcast.net, München
© Foto: turfstock.com, München

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