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Altior vom anderen Stern

März 13, 2019 by  

13.03.2019 - Wilmcote; Impressionen from the Mary Arden Inn 2019 at Stratford-upon-Avon/Warwickshire/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.comMichael Luxenburger – Als gestern Nacht der Sturm durch Wilmcote heulte, spürte man den Hauch der Geschichte. Denn Autor und Fotograf steigen ja traditionell in dem Guesthouse ab, das früher die Heimat der Mutter des großen William Shakespeare war. Mary Arden erschien im bleichen Mondlicht – zumindest in der Vorstellung des Autors, da er seine opulenten Gewinne des ersten Renntages beim Cheltenham Festival 2019 mit viel tschechischem Bier gefeiert hatte.

Das Bier diente dazu, die großen Mengen von halb garen, angekohlten Zwiebelvierteln zu neutralisieren, die das Mahl aus dem indischen Lokal  in Stratford upon Avon zu einem echten Härtetest gemacht hatten. Unvorsichtigerweise hatte sich der Autor nicht davon abschrecken lassen, dass die gewählte Speise den  verdächtigen Namen Birhani Shashlik trug. Verschämt schmiegten sich da ein paar Huhnwürfel an die riesigen Zwiebelteile. Eine trockene Angelegenheit im Vergleich zu dem extrem fettigen vegetarischen Curry des Fotografen, das sich nur mit Unmengen von Reis einigermaßen trockenlegen ließ.

Es gehört zu den großen Rätseln dieser Welt, warum es in einem Pub in der englischen Provinz neben dem üblichen Ale und Bitter lediglich Bier aus Italien (Peroni) oder eben den fulminanten Tschechen-Trank gibt (der aber erstklassig schmeckt). Ob das daran liegt, dass sich vor allem Touristen aus diesen beiden Ländern auf Shakespeare’s Spuren begeben?  Der Autor sinnierte beim Full English Breakfast dann lieber darüber, dass die morgendliche Kalorienbombe  heuer deutlich bekömmlicher  als in den Vorjahren ist, da Managerin und Köchin Tracy anscheinend nicht mehr aufbereitetes Altöl zum Braten verwendet. Dafür hat die Qualität der Sausages nachgelassen. Man kann eben nicht alles haben, hat auch schon die Oma gesagt. Und wir wollen ja nicht meckern, denn man fährt ja auch nicht nach England, um gut zu essen.

13.03.2019 – Cheltenham; City Island ridden by Mark Walsh (blue silks) wins the Ballymore Novices‘ Hurdle (Grade 1) (Registered As The Baring Bingham). Second place: Champ ridden by Barry Geraghty (green silks). Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Aber jetzt schleunigst zum Sport.

Die Siegform zu Dallas des Picons war zu gut, um an City Island (Mark Walsh/Martin Brassil, 8/1) vorbei zu gehen. Und der  Court Cave-Sohn rechtfertigte dann auch das Vertrauen, das der Autor in ihn auch  beim Buchmacher gesetzt hatte. Sein Pilot hatte ihn im ersten Rennen des Tages, zu dem immer mal wieder die Sonne aus den Wolken schaute, immer in guter Position, wobei auffällig war, wie gut das Pferd in die Hand seines Reiters ging. Etwa 500 Meter vor dem Ziel im Ballymore Novices Hurdle verbesserte er mühelos seine Position und hatte es im Finish nur noch mit dem Favoriten Champ (Barry Geraghty/Nicky Henderson, 9/2) zu tun, den er aber immer sicher im Griff hatte. Zwei Längen waren es im Ziel. Weitere 2 1/2 Längen zurück landete  Bright Forecast (Nico De Boinville/Ben Pauling, 25/1) auf Rang drei. 

Mark Walsh war verständlicherweise in Feierstimmung, zumal er ja gestern das Champion Hurdle gewonnen hatte. Dabei hatte er nach dem drittletzten Hindernis einen kniffligen Moment zu überstehen, als sechs Pferde Kopf/Kopf gingen: “Bryan Cooper wollte ein bisschen mehr Platz, und für einen Augenblick war ich das Fleisch im Sandwich. Aber das hat mich nichts gekostet, da ich ja dennoch  gewonnen habe. Das kommt eben beim Rennen reiten vor. City Island ist nicht schnell genug für ein Champion Hurdle, aber er kann definitiv drei Meilen stehen.”

Champ’s Trainer Nicky Henderson schaute ziemlich enttäuscht drein, denn sein Pferd sah eingangs der  Geraden aus, als würde es cantern. “Er hat nichts falsch gemacht und könnte heuer noch einmal laufen.”

13.03.2019 – Cheltenham; Topofthegame ridden by Harry Cobden wins the RSA Chase (Grade 1). Second place: Santini ridden by Nico de Boinville (grey silks). Third place: Delta Work ridden by Davy Russell (maroon silks). Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Vorbildlichen Hindernis-Sport bot danach die RSA Chase für die Novices. Anders als gestern beim Amateurrennen für die Nachwuchssteher konnte man sich an super springenden Pferden und sensibel die Pace einschätzenden Jockeys erfreuen. Nur der Außenseiter Top Ville Ben musste zu Boden. Den Sieg sicherte sich Topofthegame (Harry Cobden/Paul Nicholls, 4/1), der sich mit den Mitfavoriten  Santini (Nico De Boinville/Nicky Henderson, 3/1) und Delta Work (Davy Russell/Gordon Elliott, 15/8) weit vor dem restlichen Feld einen mitreißenden Dreikampf lieferte.

Der Sieger war im vergangenen Jahr nur um einen Hals im Coral Cup geschlagen gewesen. “Topofthegame war blendend unterwegs”,sagte sein junger Reiter Harry Cobden. “Er hat jetzt das Vertrauen, die Hindernisse flott zu springen. Ich denke mal, dass uns sein Supersprung am letzten Hindernis den Sieg gebracht hat. Er ist wahrscheinlich  das beste Pferd, das ich jemals geritten habe.”

Die übliche Cavallery Charge wurde der Coral Cup, das traditionelle Handicap Hurdle über 2m 5f. Nachdem vor dem letzten Hindernis noch ein gutes halbes Dutzend Pferde Siegchancen zu haben schienen, reduzierte sich das finale Geschehen auch hier auf einen Dreikampf. Kurz sah es so aus, als könnte sich der alte  Haudegen Wicklow Brave (P.W. Mullins/Willie Mullins,  28/1) die Lorbeeren verdienen, denn er kam außen wie auf Rollschuhen aus hinteren Regionen nach vorne und schien nur noch Ballyandy (Nigel TwistonDavies/Sam TwistonDavies, 14/1) als Konkurrenten um den Sieg zu haben. Doch dann hatte Nico De Boinville William Henry (Nicky Henderson, 28/1) dermaßen schnell gemacht, dass er in den letzten Galoppsprüngen noch um einen kurzen Kopf vorbei kam. Dem groß gelaufenen Ballyandy blieb da nur der dritte Platz vor Brio Conti.

“Als er hier über die großen Sprünge lief, landete er nach dem zweiten Hindernis fast auf dem Parkplatz”, sagte Henderson nach dem Rennen. “Deswegen sind wir mit ihm zurück über die Hürden gegangen. Und wenn du dann Rennen wie dieses hier gewinnst, dann ist dir das egal.”  Der Jockey des Zweitplatzierten meinte: “Er ist ein großes Rennen gelaufen. Der Plan war, ihn hinten zu halten, und er sprang das ganze Rennen lang ausgezeichnet. Es hat ihm Riesenspaß bereitet, einen Gegner nach dem anderen zu passieren. Ich denke, wir waren dann zu früh in Front.”

13.03.2019 – Cheltenham; Winners presentation with trainer Nicky Henderson after winning the Betway Queen Mother Champion (Chase Grade 1) with Altior at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Eigentlich war ja der Sieger in der Queen Mother Champion Chase schon vor dem Rennen hochgezogen. Denn niemand rechnete damit, dass Altior (Nico De Boinville/Nicky. Henderson, 4/11) geschlagen werden kann. Doch Politologue (Harry Cobden/Paul Nicholls, 11/1) der hübsche Schimmel in den traditionsreichen Hales-Farben, verlangte dem großen Favoriten in einem  packenden Endkampf alles ab und sah kurz sogar wie der Sieger aus, ehe sich die überragende Klasse des High Chapparal-Sohnes durchsetzte. Er blieb damit auch in seinem 13. Start über die großen Sprünge ungeschlagen. Das ist Weltrekord. Davor hatte er noch fünf Hürdenrennen für sich entschieden. 18 Rennen hintereinander hatte zuvor nur der legendäre Big Bucks gewonnen. Vielleicht hätte Altior deutlicher gewonnen, wenn er sich nicht am Wassergraben  einen heftigen Rumpler geleistet hätte. Ein großes Rennen lief auch der Dritte Sceau Royal (Daryll Jakob/Alan King, 16/1). 

“Er ist ein absoluter Krieger”, sagte Nico de Boinville über seinen Stargalopper. “Nach dem letzten Sprung waren wir schon eine halbe Länge hinten, doch Altior fand einen Extragang. Ich weiß nicht, woher er das nimmt – er ist einfach ein phänomenaler Athlet. Und das beste Pferd, das ich jemals geritten habe.”

13.03.2019 – Cheltenham; Winners presentation with trainer Joseph O’Brien after winning the Boodles Juvenile Handicap Hurdle (Registered As The Fred Winter) (Grade 3) with Band Of Outlaws at Cheltenham-Racecourse/Great Britain. Credit: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com

Die Glenfarlas Country Steeple Chase wurde wie erwartet ein Spaziergang für den Vorjahressieger Tiger Roll (Keith Donaghue/Gordon Elliott, 5/4), der den Rest des Feldes um 22 Längen hinter sich ließ. Andere Ware war dann im Boodles Juvenile Handicap Hurdle auch Band Of Outlaws (7/2), der Jockey J.J. Slevin und Trainer Joseph Patrick O’Brien nach einigen Plätzen den ersten Sieg beim Festival bescherte. Nach schwachem Start an Tag eins konnte Gordon Elliott, im vergangenen Jahr noch der erfolgreichste Trainer des Meetings, schließlich im Weatherby’s Champion Bumper seinen zweiten Tagessieg feiern. Envoi Allen (J. Codd, 2/1) wehrte den Schlussangriff des zweiten Favoriten  Blue Sari erfolgreich ab. 

© Fotos: turfstock.com, München

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