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Aktuelle Notizen aus dem Gestüt Schlenderhan

Juli 11, 2011 by  

Hemke Label WiWacomeback © turfstock.com/BaloghRolf C. Hemke – Was gibt es nicht alles zu lesen über die schönsten Rennbahnen der Republik. Ob die nun in München oder Hoppegarten, Hannover oder Düsseldorf zu verorten ist, wen juckts? Das Arbeitszentrum des deutschen Galoppsports bleibt das Rheinland und die Trainingszentrale in Köln. Und wenn man sich nach einem kleinen, gemütlichen Renntag in dem lauschigen Biergarten unter den alten Bäumen auf der Kölner Galopprennbahn das eine oder andere Kölsch genehmigt, bevor man nach Hause radelt, erfährt man leichter als irgendwo sonst in der Republik die ganz entscheidenden Dinge.

Zum Beispiel, wie es Wiener Walzer geht, dem Derbysieger von 2009, zu dem der Verfasser dieser Zeilen – wie der treue Leser weiß – eine besondere Zuneigung pflegt. „Man muss es schon als echten Fehler bezeichnen, Wiener Walzer zu Andre Fabre ins Training gegeben zu haben“, sagt Gebhard Apelt, Generalmanager des Gestüt Schlenderhan, ganz freimütig. „Wir dachten, Fabre könnte mit Wiener Walzer ähnliche Erfolge erreichen wie mit Manduro oder Shirocco. Aber da haben wir uns wohl getäuscht. Hinterher ist man immer schlauer.“ Und weiter: „Wir wissen nicht, was Fabre im Training mit dem Hengst gemacht hat, aber so schlecht wie seine Leistungen dieses Jahr waren, ist er wirklich nicht. Als Wiener Walzer Mitte Juni wieder bei uns ankam, war er völlig fertig. Vielleicht hat er sich dort auch einfach nicht wohlgefühlt. “ Meine Nachfrage, ob es vielleicht einfach an den mangelnden Französisch-Kenntnissen unseres Lieblings gelegen habe, bleibt mit verschmitztem Grinsen unbeantwortet. Vermutlich wird es also noch andere Gründe gegeben haben.

Nach einer Rekonvaleszenz in der Schlenderhaner Dependance Disternich ist der Hengst jetzt wieder im Training und wird auf kommende Aufgaben vorbereitet. „Wiener Walzer geht es gut und wir wollen es nochmal mit ihm versuchen“, so Apelt weiter. Ob der Dynaformer-Sohn in diesem Jahr noch einmal auf der Rennbahn zu sehen sein wird, ließ er offen, auszuschließen ist das aber wohl nicht. Es dürfte darauf ankommen, ob sich der Hengst im Training nochmal anbietet. Hinter seiner derzeitigen Leistungsfähigkeit steht naturgemäß ein Fragezeichen. „Wahrscheinlich war der Derbyjahrgang 2009 kein besonders starker,“ so Apelt. Aber gerechnet über Lucas Cranach, aktueller Sieger im Hamburger Gr.2-Hansa-Preis am letzten Juni-Wochenende, von dem Wiener Walzer Anfang Mai auf Gr. 3-Ebene nur knapp distanziert wurde, könnte es für einen Gr. 2-Sieg in Deutschland jedenfalls reichen, schätzt Apelt.

Das vergangene Derbywochenende sei für Schlenderhan wirklich abzuhaken, so Apelt, das sei „Lottopech“ gewesen. Derbyfavorit Arrigo, erklärt er unter Hinweis auf die im Turfkopf-Derbybericht aufgeworfene Frage, sei wie die anderen Schlenderhaner Cracks am Rennverlauf gescheitert. Der habe zwei kräftige Rempler während des Rennens erhalten und habe dadurch zuviel Schwung verloren, um wieder zurückzukommen. Ansonsten sei mit dem Hengst in Hamburg alles – den Umständen entsprechend – in Ordnung gewesen.

Dass die Stallform weiterhin stimmt, konnte man auf den verschiedenen deutschen Rennbahnen am Sonntag, den 10.07., nicht übersehen: Im Kölner DEVK-Jubiläumscup, einem Listenrennen über 2400 m, bewies der Tertullian-Sohn Illo, dass er auch stehen kann. Trotz Verlustes eines Hufeisens gewann der Schlenderhaner unter Adrie de Vries mit einem kurzen Kopf vor den beiden Dreijährigen Oriental Fox und Aviator, die jeweils acht Kilo weniger trugen. „Ohne das Missgeschick wäre Illo auf vier oder fünf Längen davon gezogen“, so Apelt. In München gewann mit dem Tiger Hill-Sohn Sinnerman unter Filip Minarik ein Dreijähriger gegen die älteren Pferde Start-Ziel den Großen Bavaria-Preis ebenfalls auf Listenebene.

In Bremen legte im dritten Rennen des Tages der ebenfalls dreijährige Schlenderhaner Lebensdebütant Incentiv unter Miki Caddedu mit zwei Längen Vorsprung seine Maidenschaft ab. Im einzigen deutschen Gruppe-Rennen des Tages, der Gr.3-Walther J. Jacobs-Stutenmeile in Bremen, siegte übrigens die von Roland Dzubasz in Hoppegarten trainierte Favoritin Vanjura mit einer dreiviertel Länge vor der von Werner Hefter trainierten frischen Listensiegerin Rockatella und der nun mehr zu ihren neuen Eigentümern nach England übersiedelnden Magic Eye.

© Foto: turfstock.com, München

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