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Adrie de Vries ersetzt Frankie Dettori im Rheinland-Pokal

August 15, 2010 by  

Campanologist und Adrie de Vries by Frank Sorge/GERMAN RACINGKöln – Die Hoffnungen waren nur vage. Und letztendlich erfüllten sie sich auch nicht: Dass nämlich all die TV- und Radio-Wettermänner oder Wetterfrauen vielleicht nicht ganz richtig lägen und der Regen möglicherweise ja erst gegen Abend übers Rheinland hinweg ziehen würde. Mitnichten. Recht hatten sie, allesamt. Pünktlich wie die Maurer zogen die Regenfronten genau zur Mittagszeit über Köln auf, und es wollte überhaupt kein Ende mehr nehmen. Der Rheinland-Pokal, der große Höhepunkt des domstädtischen Turfsommers, fiel förmlich ins Wasser.

Es war nahezu Land unter im Weidenpescher Park. Wen dies allerdings nicht im Geringsten störte, war der englische Hengst Campanologist. Mit Jockey Adrie de Vries im Sattel wurde das mit 155.000 Euro dotierte Gruppe-I-Rennen eine leichte Beute für den Fünfjährigen, der beim Start zuvor bereits den Großen Hansa-Preis in Hamburg abgestaubt hatte. Seine Deutschland-Bilanz ist nach zwei Starts also makellos. Nach 2.400 Metern galoppierte Campanologist leicht und flüssig mit dreieinhalb Längen Vorsprung vor dem Norweger Appel Au Maitre und Zazou durchs Ziel. Die Zeit von 2:40,81 Minuten war zwar nur mäßig, bei den gegebenen äußeren Bedingungen jedoch zu erwarten gewesen.

Innen rückte zwar der dreijährige Zazou einmal kurz gefährlich heran. Doch am Ende schien dem Oppenheim-Union-Sieger und Derby-Zweiten die Distanz schon ein Stück zu weit zu werden. Appel Au Maitre, der vorher stets den Weg gezeigt sowie den Takt vorgegeben hatte und sogar bereits von Zazou passiert worden war, kam dadurch noch einmal zurück in die Partie. Er nagelte den 20:10-Favoriten zuletzt auf der Linie förmlich fest und entriss ihm noch den schon sicher geglaubten zweiten Rang. Dahinter folgten nur noch Quijano und Lyssio, die beide früh abgemeldet waren.

Etatmäßig hätte – wie schon Hamburg – natürlich Lanfranco Dettori den Sieger reiten sollen. Doch der italienische Starjockey saß fest in einem Taxi, welches ihn vom Düsseldorfer Flughafen nach Köln bringen sollte. Ein Stau hinter Mettmann bedeutete für ihn das Ende seiner sonntäglichen Dienstfahrt. Da aufgrund der zu erwartenden Bodenverhältnisse jedoch Vorjahressieger Wiener Walzer morgens aus dem Rennen genommen worden war, war indes Kollege Adrie de Vries frei geworden und der „Fliegende Holländer“ von Trainer Saeed bin Suroor kurzer Hand zum Ersatzmann auserkoren worden.

Der Mann aus Dubai, einer der engsten Vertrauten von Sheikh Mohammed Al Maktoum, dürfte sich im Nachhinein selbst zu der guten Wahl gratuliert haben. Denn der Niederländer machte alles genau richtig und ritt fehlerfrei. Saeed bin Suroor betreut ausschließlich die Elitepferde des Sheikhs, die unter dem Stallnamen Goldolphin in aller Welt an den Start gehen. Rittengagements dieser Art, die nicht selten binnen weniger Minuten erst durch außergewöhnliche Umstände zustande kommen, heißen in der Terminologie des Galopprennsports „Kistenritte“. Dass sie oft nicht die schlechtesten sind, belegt diese Episode am Rande des Rheinland-Pokal eindeutig.

Im Übrigen hatte es noch kurz vor Beginn der Rennen am Mittag auch Gerüchte gegeben, dass Campanologist wegen des immer schwerer werdenden Bodens ebenfalls angemeldet werden würde. Dem war aber nicht so. Sonst hätten zu den 90.000 Euro Siegprämie, die Campanologist bereits in Hamburg eingaloppiert hatte, auch keine 100.000 Euro aus Köln hinzukommen können. Vielleicht sieht das Kölner Rennbahnpublikum ihn am 26. September im Preis von Europa ja schon wieder. Egal, wie das Geläuf sein wird, den Hengst aus England würde es dann auf jeden Fall abermals zu den Favoriten gezähen. Wer ihn heute auf Sieg auf dem Schein hatte, konnte sich immerhin über eine Quote von 30:10 freuen.

Ganz im Element auf dem regenschweren Geläuf waren zuvor auch bereits der zweijährige Fort Hastings und der Steher Brusco gewesen. Erster gewann den Preis der DEVK Versicherungen – BBAG Auktionsrennen unter Terry Hellier und ist nach bislang drei Starts weiter ungeschlagen, während Brusco mit Eduardo Pedroza im Sattel in der Sparda-Bank-Trophy nach langen 2.900 Meter noch so frisch und munter schien, als könne er noch einen weiteren Marathon dieser Art bestreiten. Der tapfer angreifende dreijährige Val Mondo jedenfalls gab, was er hatte, ohne aber eine echte Chance zu besitzen.

Adrie de Vries hatte vor seinem ganz großen Triumph mit dem Kölner Wallach Sagawing ebenfalls bereits zu den Siegern gehört. Er gewann mit ihm den Preis des ACV Automobil-Club Verkehr. Jenes Rennen, in dem 60.000 Euro als Auszahlung in der Viererwette garantiert waren und das natürlich für die Wetter ebenso eines der Highlights des Tages war. Nicht zuletzt auch, weil hier der Mindesteinsatz nur 50 Cent betrug, wie üblicherweise bei Rennen mit Viererwette. Obwohl der Sieger Sagawing und auch Coldplay auf dem vierten Platz mit zu den Favoriten der Prüfung gezählt hatten, gab es in der Viererwette immerhin noch eine Quote von 75.760:10. Fett gemacht hatten sie die Außenseiter Oriental Express und Siberienne, die die Plätze zwei bzw. drei besetzten.

Da es vom ersten bis zum letzten Rennen regnete wie aus Kübeln, wurden natürlich auch die tapferen Reiter und Reiterinnen im Prominenten-Rennen für Kölner Kinder ziemlich nass. Was allerdings der Stimmung keinen Abbruch tat. Da an diesem Sonntag zugleich der Benefizrenntag zugunsten des Kölner Kinderschutzbundes ausgetragen wurde, war das Spaßrennen am Ende wieder ein mit viel Befall bedachter Schlusspunkt des Tages. Der Applaus kam von all denen, die bis dahin tapfer ausgehalten hatten. Und das waren zu guter Letzt noch erstaunlich viele Zuschauer, die den Sieg der Schimmelstute Hetja sahen. Auf ihr war „Kibu“ im Sattel, das Maskottchen des Kölner Kinderschutzbundes. Unter dem „Kibu“-Kostüm ritt allerdings eine Reiterin aus der Saga Reitschule Aegidienberg mit, die stets die Islandpferde für diesen fast schon traditionellen Kölner Jux-Galopp bereitstellt. Mithin durfte sich Laura Weyel, bekannt als eine der Finalistinnen von Germany’s Topmodel 2010, im Sattel von Neisti und auf Platz zwei als eigentliche Siegerin fühlen.

Zum Glück hat das heute arg strapazierte Weidenpescher Geläuf jetzt immerhin ein paar Wochen Sommerpause. Erst am Sonntag, 26. September, wird wieder Renntag sein. Im Mittelpunkt des Tages steht dann der Preis von Europa. Und nach derart viel Regen wie beim Rheinland-Pokal scheint die Hoffnung nicht unberechtigt, dass die Wettergötter dann ein Einsehen haben werden. Erster Start voraussichtlich um: 13.00 Uhr

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© Text: Heinz-Josef Kammerinke, Köln
© Foto: Frank Sorge/GERMAN RACING

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