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30 Millionen für einen Apfel und ein Ei

Oktober 8, 2008 by  

Rudolf_Oster_im_Portrait.jpgToll! Da findet sich doch tatsächlich eine Gruppe, die den Galopprennsport mit 30 Millionen Euro unterstützen will. Der Turf braucht das Geld dringend, denn seit Jahren sinken die Umsätze im Tiefflug und die meisten Rennvereine sitzen in einer Schuldenfalle. Notwendige Investitionen werden von Jahr zu Jahr zurückgestellt, Rennpreiserhöhung ist ein Wort des letzten Jahrhunderts.
RaceO, ein Wettanbieter aus Neuseeland, die englische Wettfirma Coral und weitere noch nicht bekannte Investoren möchten zu 49% in einem Joint Venture mit dem Direktorium in Zukunft kooperieren. Mit den 30 Millionen soll vor allen Dingen die finanzielle Absicherung des Galopprennsports stehen. Davon sollen die Winter-Renntage bis März finanziell unterstützt werden, dann soll ein Aufbau von eigenen Wettshops landesweit geschehen, daneben eine eigene Internet-Wettplattform installiert werden. Darüber hinaus klingt die Einführung von neuen Wettprodukten, die Rede ist z.B. von einer „Jackpot-Wette“ vielversprechend.

Schmeißen deswegen RaceO und Coral so viele Millionen in den deutschen Galopprennsport? Oder ist es eher der Vater des Gedankens die frühzeitige Positionierung im Sportwettenbereich, um nach rechtlicher Klärung gleich dabei zu sein? RaceO ist bei uns ein unbeschriebenes Blatt, aber bei Coral kann man sich sicher sein, dass die dortigen Manager nichts zu verschenken haben. Sie wollen eines: Geld verdienen. Aber will der Rennsport nicht dasselbe?

Wenn durch eine Einlage von „nur“ 30 Millionen Euro auf einmal beim Rennsport Geld verdient werden kann, warum wird nicht „hausintern“ dieser Betrag aufgebracht? Die großen Namen des deutschen Turfs wie von Ullmann, von Finck, Jacobs, Ellerbracke, Miebach, Baum, Ostermann, Sauren, Hoyer, Wernicke, Holtkötter, von Boetticher, Herbert, Faust, Hellwig, Heinz, Imm, von Gaertner, Steigenberger, Wille, Darboven, und Dr. Berglar wären vielleicht froh, einen gute Investition und dazu noch für den eigenen Sport tätigen zu können. Dazu käme noch eine ganze Reihe mittlerer und kleiner Besitzer und Züchter, die sowieso Jahr für Jahr hunderttausende Euros für die Vollblüter aufbringen. Und da wären auch noch die finanzstarken Patrone aus osteuropäischen Ländern, die immer mehr Boxen in Deutschland füllen und mit Sicherheit in einer „guten Sache“ einsteigen würden.

Laut vorliegenden Informationen sollen die Rennvereine von der Einnahmenseite laut Joint Venture Vertrag so gestellt werden, wie sie im Jahr 2007 gestanden haben. Was macht das für einen Sinn? Im Jahr 2007 habe alle Vereine mit erheblichem Minus gearbeitet und das obwohl eine ganze Anzahl Renntage gestrichen wurde. Sinn würde es machen, wenn die Vereine so wie im Jahr 1997 gestellt werden würden.

Nach Einführung der Strukturreform wird alles zentral gelenkt werden, die Renntage, die Rennen, die Vermarktung, das Sponsering und das Marketing. Einiges ist neu und wohl begründet, vieles lag sowieso schon lange zentral in der Hand des Kölner Direktoriums. Es wäre schön, wenn dadurch auf einmal ein Großsponsor flächendeckend auf allen Bahnen dabei sein möchte. Aber warum kam dieser bislang nicht? Hätte München einen Hamburger Geldgeber abgelehnt oder umgekehrt? Noch schöner wäre es, wenn von Flensburg bis Garmisch überall Wettshops des Galopprennsports existieren und frequentiert würden, wie die PMU-Läden in Frankreich. Die Zusammenarbeit mit Sisal in dieser Richtung liegt noch gar nicht so weit zurück und war eine reine Pleite.

Die Rennvereine stehen mit dem Rücken zur Wand und haben sich für einen „Apfel und ein Ei“ für mindestens 10 Jahre an einem seidenen Faden gebunden. Es mögen manche Renntage finanziell abgesichert werden, wie viele, weiß niemand und wie die täglichen Kosten (u.a. Personal, Fuhrpark, Energie, Heizung, Stroh und Heu, Pflege der Grünanlagen, Winterdienst, Stall- und Tribünenanlagen) bezahlt werden sollen, davon steht im Vertragswerk kein Wort.

Rudolf Oster

Dieser Kommentar wurde uns freundlicherweise von Rudolf Oster zur Verfügung gestellt.

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